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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1904, 
Distanz 
Anliegender Kurs in 
Gesamtfehler 
‚Alte, Hg] 
Form) (Neue Form) 
Zeit 
des 
Kompasses 
Rechtweisender Kurs 
Seemeilen 
Strich | ÖGraden 
durchs Wasser! im Journal 
Mittg. — 125 N 
9— 43V 
4— 9b V 
9 — Mittag 
3W1/5 S 39,4°W 15,5°W S24°W 
48 SW1/28S 39,4 15 24 
59 SW145S | 39,4 16 23 
34 1 SSW 22,5 16 7 
S27°W 
27 
27 
5 
Der Mittagsort ergibt sich mit Benutzung der Spalte: 
(Alte, richtige Form) zu 3° 6‘ S-Br., 31° 48‘ W-Lg. 
. (Neue Form) zu 3° 0’ S-Br., 32° 2‘ W-Lg. 
Die astronomische Beobachtung gibt: 
3° 2’ S-Br., 32° 18‘ W-Leg. 
Spalte (Alte, richtige Form) gibt damit als Stromversetzung N 82°W 30 Sm. 
Spalte (Neue Form) » » N83°W 16 Sm. 
Die Unterschiede in den Spalten „Alt“ und „Neu“ sind in Graden: 3°, 
3°, 4°, 2°. Daß es sich hier nicht etwa um Abtrift im gewöhnlichen Sinne 
handelt, sondern um das Bestreben, eine teilweise Ausgleichung der Aquatorial- 
strömung in der Besteckrechnnng herbeizuführen, geht erstens daraus hervor, 
daß bei ähnlichen Wind- und Wetterverhältnissen anderwärts in demselben 
Tagebuch keine derartige Versetzung nach Lee angenommen wird, und zweitens 
aus der mündlichen Bestätigung des Kapitäns, daß es sich hier allerdings um 
einen Ausgleich der Strömung in der Besteckrechnung handeln solle, der auf 
vielen Dampfern üblich sei. Bei der wachsenden Bedeutung, die die Wetter- 
bücher der Dampfer für die Arbeiten der Deutschen Seewarte haben, liegt es 
ebenso im Interesse der Seewarte wie der Dampferkapitäne, die dem Brauch 
huldigen, zunächst einmal völlige Klarheit über die Folgen dieses Brauches zu 
schaffen. 
Die Entstehung dieser Neuerung in der Art der Besteckrechnung, welche 
die Deutsche Seewarte nicht billigen kann, ist leicht erklärlich. Wenn ein 
Dampfer beständig denselben Reiseweg hat, ist es bei langen Seestrecken 
üblich, den Kurs über den Grund, den man verfolgen will, in die Seekarte 
einzutragen. Setzt nun eine Strömung hier ziemlich regelmäßig quer zu diesem 
Kurs über den Grund, wie z. B. in der Nähe der Linie die Aquatorialströmung 
quer zu dem Kurse von den Kap Verdischen Inseln nach der Ostküste Süd- 
amerikas, so gewöhnt man sich hier daran, höher zu steuern, um den Kurs über 
den Grund, den man in der Karte vor sich hat, innezuhalten. Soweit läßt sich 
auch nichts dagegen einwenden; jeder Seemann wird dies tun und soll dies 
sun, um jeden Augenblick nach bestem Wissen den mutmaßlichen Schiffsort 
angeben zu können. Nur die Art der Aufzeichnung, sagen wir kurz der Buch- 
führung, wie sie oben gekennzeichnet worden ist, ist nicht zu billigen und 
häufig falsch. Es sind mehrere Gründe, die gegen dieses Hineinziehen der 
Strömung in die Besteckrechnung sprechen. 
1. Die Berechnung des Bestecks mit Hilfe eines mutmaßlichen Kurses 
über den Grund verstößt gegen die gesetzlichen Bestimmungen. 
2. Wenn der Betrag, um den man der mutmaßlichen Strömung wegen 
höher steuert, als „Abtrift“ in die Rechnung eingestellt wird, so gebraucht man 
damit dies Wort fälschlich. Es hat einen ganz bestimmten, oben angeführten 
Sinn, es sagt, wieviel der Wind und der vom Wind bedingte Seegang das Schiff 
seitwärts abtreibt. 
3. Wird der Betrag, um den man der mutmaßlichen Strömung wegen 
höher steuert, gar nicht genannt, aber doch zur Bestimmung des Endkurses für 
das Besteck verwertet, wie im Beispiel — und dies kommt häufig genug 
vor —, so fehlt ein Zwischemglied zwischen dem gesteuerten Kurs und dem 
zur Rechnung benutzten Kurs. Die Rechnung ist dann unverständlich und für 
weitere Untersuchungen nicht benutzbar. 
4. Die sich etwa ergebende Besteck- oder Stromversetzung ist selhst- 
verständlich unbrauchbar. In dem Beispiel ergab sich bei vorschriftsmäßiger
	        
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