Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1904
Am 6, schritt ein Minimum über den Ozean nördlich von Schottland
heran und dehnte seinen Einfluß bald über Skandinavien aus. Bis zum Il. ent-
wickelte die Depression zunächst mehrere flache Ausläufer, die vom Kanal her
ostwärts längs der Küste fortschritten und an der westdeutschen Küste täglich
Niederschläge herbeiführten Bei südwestlichen Winden breitete sich Erwärmung
allmählich ostwärts aus, und es erreichte die Temperatur im weiteren Verlauf
des Monats nicht wieder die niedrigsten Werte, die sie am 6. bis 8. gezeigt
hatte.
Bei andauernder Lage des Minimums über dem Ozean weit nördllich von
Schottland brachten die Tage vom 12. bis 17. die Entwicklung weiterer tieferer
Ausläufer und Teilminima, die ihren Einfluß bis über die Alpen erstreckten und
täglich an der ganzen Küste Niederschläge im Gefolge hatten. Die Winde
wehten an der Küste meist aus dem Südwestquadranten und erreichten, wie
angegeben, am 13. bis 16. vielfach Stärke 8 bis 9. Die Temperatur lag vom
13. an durchweg über der normalen und erreichte an diesem Tage ostwärts,
bis Pommern und am 14. an der preußischen Küste ihre höchsten Werte im
Monat, KEine langsame, ziemlich stetige Abnahme der Temperatur führte ein
zeit dem 14. über dem Ozean südwestlich von Europa her vordringendes Hoch-
druckgebiet herbei, das eine Zunahme des Luftdrucks über den Britischen
{nseln und damit für unsere Küste die Zufuhr von Luft mehr nördlicher Herkunft
zur Folge hatte. N
Der 18. Januar brachte den Übergang zu ganz veränderten Witterungs-
verhältnissen. Zwischen dem im hohen Norden über dem Ozean liegenden Minimum
und dem Teilminimum über dem Süden der Ostsee hatte sich ein Ausläufer
hohen Drucks von dem Hochdruckgebiet über Südwesteuropa eingeschoben und
drängte nun dieses Teilminimum, das sich schnell ausfüllte, südwärts, so dab
über Rügen stürmische Winde aus nördlichen Richtungen eintraten. Bei
durchweg mildem Wetter brachte der 18. noch Niederschläge von der Elbe bis
Pommern.
Vom 19. bis 25, lag die Küste im Bereiche hohen Drucks, der sich vom
Ozean über Mitteleuropa bis Rußland erstreckte. Nachdem sich ein Kern
höchsten Drucks am 19. bis 21. westlich von Irland her längs der Küste nach
Westrußland verlagert hatte, erschien an diesem Tage ein neues Maximum über
780 mm westlich von Irland, das wiederum in östlicher Richtung rasch vor-
drang. Diese Tage zeichneten sich durch meist nebliges und sonst trockenes
Wetter aus; nur vorübergehend hatte die Ostseeküste etwas Niederschläge im
Bereiche einer im hohen Norden mit ihrem Minimum vorüberschreitenden
Depression, die an der preußischen Küste steife westliche Winde hervorrief;
die Temperatur lag an der Nordsee meist unter der normalen, an der Ostsee
aber bei Winden, die von der Ostsee her wehten, seit dem 22. über den viel-
jährigen Werten. ;
Nachdem in der Nacht zum 26. ein über dem Ozean nordwestlich von
Schottland liegendes Minimum Einfluß über die Britischen Inseln gewonnen
hatte, breitete es seine Herrschaft bald über die deutsche Küste aus und erhielt
Jiese bis Ende des Monats durch die Entwicklung von Ausläufern nach der
Biscayasee, die in nordöstlicher Richtung an der deutschen Küste vorüber-
schritten, während hoher Luftdruck sich andauernd über Rußland erhielt und
von dort meist nach dem Alpengebiet reichte. Bei mäßigen südlichen Winden
lag die Temperatur an der Nordsee seit dem 28. und auch an der Ostsee seit
dem 30. meist über den normalen Werten; die westdeutsche Küste hatte am
17., 28, und 31. Niederschläge, während an der ostdeutschen Küste das seit dem
L9. Januar bis auf geringfügige Niederschläge trockene Wetter nur eine Unter-
brechung am 29, erfuhr.
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