Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1904.
Seebeobachtungen benutzt sind und benutzt werden konnten. Neben dieser
prinzipiellen und ausschlaggebenden Erwägung kam der Umstand in Betracht,
daß eine Berechnung der mittleren, den einzelnen Richtungen zukommenden
Windstärken eine Arbeitsleistung voraussetzen würde, deren Ergebnis auch
nicht in einem entfernten Verhältnis zu dem zu erwartenden Nutzen stehen
würde. Die „Vierteljahrskarte für die Nordsee und Ostsee“ verzichtet also von
vornherein auf eine Darstellung mittlerer Windstärken.
Im Hinblick auf die „Monatskarte für den Nordatlantischen Ozean“ sei
aoch bemerkt, daß der Maßstab für die einzelnen Pfeile der Windsterne in der
„Vierteljahrskarte“ bedeutend größer ist als in der Monatskarte, wodurch zugleich
die Eintragung auch der Prozentzahlen von unter 8°, Häufigkeit ermöglicht
wurde; .die Eintragung grade auch dieser Prozentanteile in die „Vierteljahrs-
karte“ war aber unbedingt nötig, da die Winde hier auf alle Striche nahezu
gleichmäßig verteilt sind.
Sturmbahnen sind nur einige ganz wenige verzeichnet worden; es
bestand die Absicht, durch die jeweilige Zahl der eingezeichneten Sturmbahnen
im Laufe der Herausgabe der 4 Vierteljahrskarten die relative Häufigkeit der
Stürme schon rein äußerlich dem Auge ersichtlich zu machen; doch mußte
davon wegen der Überfüllung der Karte Abstand genommen werden.
In Rotdruck bringt schließlich das Hauptblatt sämtliche Sturmwarnungs-
stellen, Wind-Semaphorstationen (nur der deutschen Küste, — die Sema-
phore Frankreichs dienen anderen Zwecken —), Eissignalstationen; ferner
die Stationen für drahtlose Telegraphie, die Lloydsignalstationen
und die deutschen sogenannten Seetelegraphenstationen. Treibende
Wracks und andere Schiffahrtshindernisse werden in der üblichen Weise eben-
falls eingetragen. — Die verschiedenen Formen der in den verschiedenen Ufer-
staaten gebräuchlichen Sturmwarnungssignale sind durch Abbildung von
Kegel, Ball und dgl. nebst kurzer Erläuterung _ niedergelegt, und zwar auf
Grund neuer Rundfragen bei den verschiedenen Amtern des Auslandes; dabei
ergab sich unerwarteter Weise, daß manche Änderungen, die der Deutschen
Seewarte bisher nicht bekannt waren, so z. B. in Frankreich, in der Zusammen-
stellung der gehißten Sturmsignale neuerdings eingetreten sind.
Was die 3 Nebenkärtchen anbelangt, so konnte die Übersicht über die
mittlere Luftdruckverteilung nebst Angabe der vorherrschenden Wind-
richtung aus dem neuen Rungschen Atlas der Monatsisobaren Europas ab-
geleitet werden. Dieser Atlas ist unseres Wissens noch nicht veröffertlicht;
Kapt. Rung hatte aber die Güte, bei Gelegenheit eines Besuches in Hamburg,
der kurz vor seinem Tode stattfand, Probeabzüge der 12 Tafeln des künftigen
Atlas zur Verfügung zu stellen. Die Ableitung der vorherrschenden Wind-
richtung eines Vierteljahres aus den vorherrschenden Windrichtungen der
Monate unterliegt, zumal, wenn die drei Einzelwerte weit auseinander gehen,
gewissen Bedenken; der Verlauf der Isobaren über See ist andererseits im
einzelnen nicht bekannt, infolgedessen zeigt die oberste Nebeukarte an mehreren
Stellen ein Verhältnis zwischen dem Verlaufe der Isobaren und zwischen der
Windrichtung, welches mit dem Buys Ballotschen Winddrehungsgesetz nicht
ganz übereinstimmt.
Das zweite Kärtchen ist der Lufttemperatur gewidmet und beruht auf
Landbeobachtungen, die auf das Meeresniveau reduziert sind. Das dritte, unterste,
Nebenkärtchen gilt der Verteilung der Meerestemperaturen und der
Nebelhäufigkeit an den Küsten. Überall wurden nach Möglichkeit die
Originalquellen benutzt, also auf Grund der von den meteorologischen Ämtern
der betreffenden Staaten und von sonstigen Behörden veröffentlichten Original-
werte die Isothermen in selbständiger Arbeit neu entworfen. Da die hierbei
and bei der Bearbeitung auch der sonstigen klimatischen Faktoren gewonnenen
kartographischen Darstellungen manche ‚interessante Ergebnisse zumal in
geographischer Hinsicht gebracht haben, so ist, wenn durch Bearbeitung von
Seebeobachtungen eine weitere Vervollkommnung stattgefunden haben wird,
geplant, später vielleicht diese Darstellungen nebst ausführlichem Text für sich
und im Zusammenhang zu veröffentlichen; dabei wird dann Gelegenheit sein,
die benutzten Quellen im einzelnen anzuführen.