Neuere Veröffentlichungen.
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Neuere Veröffentlichungen.
A. Besprechungen und ausführlichere Inhaltsangaben,
Rottok, E., Geheimer Admiralitätsrat: Die Deviationstheorie und ihre An-
wendung in der Praxis. Ein Handbuch über die Deviation der Schiffs-
kompasse und ihre Behandlung. Zweite neu bearbeitete Auflage. 8°, XI u.
214 S. mit 41 Figuren im .Text. Berlin 1903. Dietrich Reimer.
Die erste Auflage dieses Handbuches, das zu der Zeit, wie in der Vorrede ganz richtig
hervorgehoben ist, tatsächlich einem Bedürfnis entsprach, erschien im Jahre 1881, Seit dieser Zeit
sind ganz bedeutende Umwälzungen im Schiffs- und Maschinenbau vor sich gegangen, immer mehr
Eisenmassen wurden zum Schiffbau verwandt, und es wurde immer schwieriger, den Kompaß an
Bord unserer modernen Dampfer der Kriegs- und Handelsmarine trotz aller Störungen der mag:
netischen Richtkraft der Erde als einen sicheren Wegzeiger auf dem Meere zu erhalten. Die Lehre
von der Deviation der Kompasse mußte weiter ausgebaut und die Gesetze der Anderungen der De-
viation an der Hand der auf den neueren Schiffen gemachten Erfahrungen näher bestimmt und durch
geeignete Veröffentlichungen den Seeleuten bekannt gemacht werden. Die Literatur über diesen
wichtigen Gegenstand mehrte sich dementsprechend seit dem Erscheinen der ersten Auflage des
vorliegenden Buches auch in Deutschland ziemlich beträchtlich, Es sei hier vor allem auf die
Publikationen der deutschen Seewarte in dieser Zeitschrift, in „Aus dem Archiv der deutschen See-
warte“ und besonders auf das Buch „Der Kompaß an Bord“ verwiesen, welches außer der Theorie
der Deviation auch die bis 1889 gemachten Erfahrungen auf den Schiffen der Kuuffahrteimarine
behandelt,
Die vorliegende zweite Auflage des Buches von Herrn Geheimen Admiralitätsrat Rottok
ist den veränderten Verhältnissen entsprechend wesentlich erweitert, sie trägt naturgemäß namentlich
den Erscheinungen der Deviation der Kompasse auf den Schiffen der Kriegsmarine Rechnung und
ist daher in erster Linie als ein Hand- und Nachschlagebuch für den Seeoffizier anzusehen; doch da
die Gesetze der Deviationslehre und ihre Anwendung in der Praxis allgemeine Giltigkeit für alle
Schiffe haben, so findet auch der Navigateur der Kauffahrteimarine alles für ihn über diesen Gegen-
stand Wissenswerte in dem Buche verzeichnet. Zunächst sind die wichtigsten Gesetze über Magnete
and Magnetismus, sowie über den Erdmagnetismus und seine Wirkung auf weiches Eisen be-
handelt; dann folgt die Darstellung und Erklärung der verschiedenen Arten des Schiffsmagnetismus
in seiner Wirkung auf den Kompaß. Hieran schließt sich erst die Deviationstheorie ‚und die mathe-
matische Entwicklung der Formeln und Gleichungen, die zur Berechnung der Deviationskoeffizienten
aus gegebenen Beobachtungen dienen. Hierzu sind, um das Verständnis zu erleichtern, überall
entsprechende Zahlenbeispiele gegeben, Zu diesen dürfte zu bemerken sein, daß manchmal Glieder
der Formeln und Dezimalstellen noch berücksichtigt sind, die in der Praxis keinen Wert mehr be-
anspruchen können. Die verschiedenen Methoden der Beobachtung zur Bestimmung der Deviations-
und Richtkraftkoeffizienten sind besonders ausführlich behandelt. Ebenso ist mit Recht der Kom-
pensation der störenden magnetischen Kräfte und damit der Deviation durch Magnete und weiches
Eisen ein wesentlicher Teil des Buches gewidmet uud die ‚zu den Beobachtungen nötigen Instru-
mente näher beschrieben und der Gebrauch erläutert.
Bei der Erörterung der Kompensation des Krängungsfehlers mittels einer Beobachtung an
der Vertikalkraftwage (S. 141 u 142) ist eine Sache übersehen worden, die der Erwähnung um so
mehr bedarf, als sie sich auch im „Admiralty Manual for the Deviations of the Compass* Seite 85
Endet. Es wird ausgeführt, daß wenn die viertelkreisartige Deviation durch die Korrektoren aufgehoben
ist, die Stellung 1‘ des Laufgewichts an der Vertikalkraftwage an Bord nicht mehr durch die Formel
Y=1-.24(1—9) sondern durch = 1.2 (1+D =101 + a) ;
zu bestimmen wäre, wo 2, © und & dann die ursprünglichen Werte dieser Koeffizienten vor der
Kompensation von © bedeuten. Dies wäre richtig, wenn man annehmen dürfte, daß durch die
Korrektoren nur allein der Koeffizient e, oder vielmehr die Kraft e H soweit kompensiert wird,
daß e = a wird, der Koeffizient a, oder die Kraft a H aber ungeändert bleibt. Das ist indes bei
Kugelkorrektoren, die in der Kriegsmarine fast ausschließlich Verwendung finden, keineswegs‘ der
Fall, da diese Kngelkorrektoren in der Längsschiffsachse dieselbe Ausdehnung haben,. wie in der
Querschiftsachse. Wird © durch diese Korrektoren gleich Null gemacht, so wird der Koeffzient a um
2bensoviel vergrößert wie e vermindert und die Größe 2 bleibt ungeändert. Man müßte demnach setzen:
= 12 statt == 1-2 (1 +).
Der letztere Ausdruck findet für die Kompensation des Krängungsfehlers nur Anwendung, wenn ©
durch dünne querschiffs gelegte Stangen oder Röhren, deren Dicke im Verhältnis zur Länge sehr
klein ist, kompensiert wurde. ;
Das vorliegende Buch kann jedenfalls als ein weiterer wertvoller Beitrag zu der Literatur
über diesen wichtigen und schwierigen Gegenstand angesehen werden, Koldewey.
Handbuch für die Fahrt von Kronstadt nach Wladiwostok und zurück. 4. Band:
Der‘ Englische‘ Kanal, herausgegeben von der hydrographischen Haupt-
verwaltung des Marineministeriums. 8°. 296 S. mit 60 Küstenansichten und
13 Karten (Russisch). St. Petersburg 1903.
Der vorliegende vierte Band der Anweisungen für die Fahrt von Kronstadt nach Wladiwostok
und zurück!) behandelt die Durchsteuerung des Englischen Kanals für große Dampfer in beiden
Richtungen. Auf einige kurze allgemeine Bemerkungen über den Englischen Kanal folgen Angaben
1 Besprechung der drei ersten Bände siehe „Ann, d Hydr. etc.“ 1902, S. 20; 1903, S. 137.