Maurer, H.: Der magnetische Sturm am 31. Oktober und 1. November 1903. 127
die Einzelheiten zu identifizieren, während Pawlowsk nur im großen Ähnlich-
keiten aufwies, Zi-ka-wei und Bombay aber gar nicht mit den europäischen Sta-
tionen vergleichbar waren. Melbourne endlich zeigte im einzelnen meist ent-
gegengesetzte Bewegungen der Nadel wie Europa.
Soweit das wenig umfangreiche Material, das bis jetzt über das mag-
netische Gewitter vom 31. X. 1903 vorliegt, Folgerungen zuläßt, stimmen sie
also mit den damals gemachten Erfahrungen überein. Ebenso haben auch
diesmal wie damals Horizontal- und Vertikalintensität im großen ganzen
gleichzeitige Zunahmen und. gleichzeitige Abnahmen erfahren, so daß die
Schwankungen hauptsächlich neben der Deklination die Totalkraft, weniger die
Inklination betroffen haben. Der Betrag der Gesamtstörung scheint damals
geringer als diesmal gewesen zu sein; die Deklinationsschwankungen betrugen
zu Pawlowsk (@# = 60° N) 2° 33%, Stonyhurst (#==54° N) 1° 30‘ und Mel-
bourne (v=38° S) 36%
Bei der magnetischen Störung am 17. bis 18. XI. 1882 betrug im Parc
St. Maur bei Paris (g =— 48° 48‘ N) die Deklinationsschwankung 1° 15%, in Pola
(= 44° 52‘ N) 56‘. Auch sie war von weitverbreiteten Nordlichterscheinungen
begleitet.
” Der 13. und 14. IL 1892 brachten ein sehr intensives magnetisches
Gewitter, während dessen folgende Gesamtschwankungen der magnetischen
Elemente an Observatorien beobachtet wurden: Kopenhagen (#g=55° 41‘ N)
aH > 655); Potsdam (#= 52° 25‘) AD viel größer als 1° 47‘, geschätzt auf
3° 35‘, dgH=534 7, AV >221y; Paris (g= 48° 48 N) dD== 1° 25‘; Wien (g =
48° 15’N) dD==1° 15‘, dH = 4907, dV =>200y und in Batavia (9 =6° 11’8)
H>4807, V=—>383y. Nordlichter wurden damals vielfach in Europa wie in
Nordamerika bis in 36° Breite herab beobachtet, und eine in Greenwich photo-
graphierte Sonnenfleckengruppe bedeckte auf der Sonne ein Areal von 8100 Mill.
(Quadratkilometer, also 17 mal so viel wie die Oberfläche der Erde. ;
Am 20, VIEL 1894 betrugen die Schwankungen der magnetischen Elemente
zu Kopenhagen (#= 55° 4‘N) in Deklination > 1° 36‘ in H=>9377; zu Pots-
dam in D 1° 11%, in H570y und in V 618 y; und in Washington (pp = 38° 50‘ N)
von H=—=>572 7, von V=>338 7); zu Pola (= 44° 52‘ N) in D 53°.
Wohl noch in der Erinnerung der meisten Leser wird die magnetische
Störung vom 9. und 10. IX. 1898 sein, während deren herrliche Nordlicht-
erscheinungen in ausgedehnten Gebieten unserer Halbkugel wahrgenommen
wurden. Die Schwankungen überschritten zu Potsdam in Deklination 1° 7“,
in H 430 y und waren in V==266y; selbst in Daressalam (= 6° 49‘ 8) war
die H-Schwankung > 258 y und in Batavia (#=6° S) war dH > 2767»,
dV=>134%. |
Die angegebenen Zahlen lassen erkennen, daß nicht immer die größten
Ablenkungen der magnetischen Instrumente bei den magnetischen Stürmen er-
folgt sind, bei welchen auch die weiteste Verbreitung von Nordlichterschei-
nungen beobachtet wurde. Selbstverständlich ist zu berücksichtigen, daß die
Witterungsverhältnisse dabei eine große Rolle spielen. Die vorhandenen Zahlen
nach magnetischen Registrierkurven lassen eine Entscheidung, welches unter
den aufgezählten magnetischen Gewittern das stärkste war, nicht zu, da in sehr
vielen Fällen die Extreinwerte nicht mehr aufgezeichnet werden konnten. Es
wäre wünschenswert, daß auf den Observatorien auch ein weniger empfindlich
eingestelltes Instrument zur Aufstellung käme, daß auch die ganz großen
Schwankungen jedenfalls aufzeichnete.
Die wenigen hier genannten besonders starken Störungen 1572, 1»82,
1892, 1903 erinnern durch die Jahreszahlen daran, daß die etwa 11jährige
Periode, die die Sonnenfleckenhäufigkeit zeigt, auch die Periode der Nordlichter-
häufigkeit und der starken magnetischen Störungen ist.