1324 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1904.
Um 22 V am 1. XL wird das absolute Minimum von V erreicht (ähnlich in
Uccle!) Die Extremwerte der Deklination fielen auf 2° 31m" N Pariser Zeit und
7b 15min N Pariser Zeit. Eine mächtige Gruppe von Sonnenflecken, die seit dem
26. X. auf dem Observatorium du Parc St. Maur verfolgt worden war, kreuzte
den Mittelmeridian genau am 31. X. Ohne eine so große Fläche wie die vor-
gehende zu bedecken, die vom 15. bis zum 17. mit bloßem Auge zu sehen war,
maß sie in ihrer Längsausdehnung etwa !/s1 des Sonnendurchmessers. Am
Abend des 31. X. war hier keine Spur von einem Nordlicht zu entdecken;
nach 7{hN war allerdings der Himmel bedeckt.
Auch Herr Quenisset in Nanterre (nach „La Nature“ 1903, S. 370)
gibt an, daß die Sonnenfleckengruppe vom 31. X., die nach Photographien des
Observatoriums von Nanterre 120 000 km lang war, nur halb so groß war wie
der Sonnenfleck vom 11. X. 1903, der von einer kaum halb so großen magne-
tischen Störung begleitet war. Vielleicht muß man den ungeheueren Sonnen-
fackeln Rechnung tragen, die die Flecke vom 31. X. umgaben und ihnen in einer
Ausdehnung von mehr als 200 000 kın folgten. Man hat selten so beträchtliche
Fackeln beobachtet und photographiert. Herr Quenisset glaubt überhaupt, daß
die magnetischen Störungen weniger mit den Sonnenflecken als mit den Sonnen-
fackeln zusammenhängen. Dieselbe Ansicht vertritt Herr W. J. S. Lockyer
in dem oben angeführten Aufsatz („Nature“ Bd. 69, S. 9), da große Sonnen-
Aecken mitunter ganz ohne begleitende magnetische Störungen vorbeigegangen sind.
Hr. Andre gibt an, daß in St. Genis-Laval die Vertikalintensität gegen
3" N einen außerordentlich hohen Wert erreicht hat. Diese Zeitangabe würde
also weder genau mit der Zeit des absoluten Maximums zu Uccle noch mit der
zu Potsdam übereinstimmen. Aus der Tatsache, daß die Schwankungen der
Deklination auf dem Pie du Midi größer als auf den beiden tieferen Stationen
Ragneres und Perpignan gewesen sind (vgl. Tab. 111), schließt Hr. Marchand
„Ann. d. 1. Soc. Met. de France“ 1903, 5. 208), daß wenigstens ein Teil der
horizontalen Erdströme in größerer Höhe über der Erde verlaufen mußte, urd
schließt aus den Beträgen der Schwankungen selbst um 3" 35=i2 N auf einen
südnördlichen Strom in etwa 14 Kilometer Se höhe, um 5h 15%» N auf einen
pordsüdlichen etwa 19 Kilometer über dem Meer verlaufenden Strom. Der
Schluß ist insofern nicht völlig gerechtfertigt, als wir durch nichts genötigt
sind, überhaupt auf schmalen Raum konzentrierte Strombahnen anzunehmen, und
auderseits die Deklinationsnadel nicht nur auf horizontale sondern auch auf
rein vertikale Ströme reagiert. Hr. Marchand hat schon 1887 den Satz aus-
gesprochen, daß magnetische Störungen dann entstehen, wenn Gebiete erhöhter
Sonnentätigkeit den Mittelmeridian passieren. Er sieht diese erhöhte Sonnen-
tätigkeit in der Anwesenheit von Fackeln (auf die Flecken kommt es nicht an)
und gibt an, daß bestimmte Stellen der Sonnenoberfläche sehr lange, mit-
unter mehrere Jahre hindurch, solche erhöhte Tätigkeit zeigen. Die Stelle, die
am 31, X, 1903 den Mittelmeridian passierte, war auch am 5. X., 9.1X., 13. VII,
31. II. 1903 und am 21. IX., 24. VII, 8. V., 10. IV. 1902 im Mittelmeridian,
an welchen Tagen größere oder geringere magnetische Störungen aufgetreten
sein sollen. Nach den Deklinationskurven von Bochum und Beuthen sind an
den meisten dieser Daten indessen keine merklichen Störungen vorhanden,
wohl am 5. X. 1903 (Bochum 22‘, Beuthen 20‘) und am 31. ILL. 1903 eine zwar
kleine aber plötzliche Störung von 12‘, und mitunter ist eine kräftige Störung
in den dem Datum benachbarten Tagen vorhanden, so am 11. IV. 1902 (Bochum
25‘, Beuthen 18‘) und am 11. VII. 1903 (Bochum 25%). |
Auch von den Observatorien in Lyon und Nizza sind Störungen am
31. X. gemeldet worden.
15. In 0-Gyalla (6 = 47° 51/N; i= 18° 13‘ 0) ist ein dunkelrotes inten-
sives Nordlicht beobachtet worden von 7h 54» N bis 8" N. Es darf ange-
nommen werden, daß darunter M.K.Z. also 7" N Gr. Zeit zu verstehen ist,
da die von dem Observatorium verschickte Reproduktion der Kurven offenbar
nach M. E. Z. orientiert ist. Auf der Reproduktion selbst gibt eine jedenfalls
unrichtig eingezeichnete punktierte Linie das Ende des Nordlichts um 10 N
nach der betreffenden Zeitskala an. Der Nordlichtbogen war 45° breit und im
NNO 20° hoch und verschwand in WNW.