Maurer, H;: Der magnetische Sturm am 31, Oktober und 1. November- 1903. 121
richtung vor 14 Jahren beobachtet worden ist. (Notiz: In Hamburg hat sich
am 31. X. 1903 um 7* (M. E: Z.) in den Windverhältnissen keinerlei Besonderheit
gezeigt.)
_ 5, Münster (g =51° 57‘N; 1==7° 39 Ost). Herr J. Plassmann schreibt:
An 31. X. 1903, 7 bis 8?N (M. E. Z.) ist von mir hierselbst ein schwaches,
aber deutliches Nordlicht mit einzelnen sehr hellen in Nordnordost aufleuchtenden
and rasch nach Nordnordwest wandernden Strahlen wahrgenommen worden.
Stärkste Rotfärbung des Himmels 7% 10=»-N, hellster Strahl 72 15min. Am süd-
lichen Konvergenzpunkte. wegen der Nähe des. sehr hellen Mondes nichts zu
bemerken. Corona des Nordlichts viel schwächer als die Strahlen, was durch
Bodennebel zu erklären ist. , .
; 6. München (# = 48° 8'N; 1=11° 36‘). Herr Dr. J, B. Messerschmitt
teilt mit: Der Beginn der großen Störung war fast genau 7" V (M.E.Z.) Die
normale Amplitude der Deklination kann man hier zu 10‘ bis 12’ annehmen.
Die Maximal-Amplituden waren 1899: ;39% 1900: 29°, 1901: 28‘, 1902: 30’,
während sie am 31. X. 1903 auf 102‘ gekommen ist. Nur einmal ist von
Lamont in München ein ähnlicher Wert beobachtet worden, nämlich am
2, IX. 1859 zu 95‘, vielleicht aber war die Amplitude damals noch größer, da
Lamont anfangs wegen zu heftiger Bewegung gar nicht ablesen konnte. 1847
beobachtete er zweimal 82’; auch in den 70er und 80er Jahren traten häufig
größere Störungen auf, jedoch nie eine von so hohem Betrag, Freilich darf
man nicht außer Acht lassen, daß früher nur durch Augablesungen beobachtet
wurde, nachts fast gar nicht, so daß häufig starke Störungen unbeachtet blieben.
In Horizontalintensität betrug die. Amplitude am 31. X. 1903 über 570 y,
während normaler. Weise 30 bis 50 y anzunehmen sind. Die Maximalamplituden
in den letzten 4 Jahren waren nur wenig über 200 y. I
7. Nach Zeitungsnachrichten wurde Nordlicht in Deutschland, noch an
verschiedenen Stellen beobachtet, so in Kiel, Oldesloe, Hamburg, Bremen,
Köln, ferner in Kopenhagen, meist aber war das Wetter in Zentraleuropa den
Beobachtungen nicht günstig. * - ,
8. Stonyhurst (@#=53°51‘N; 1=2° 28’ W). Nach dem „Daily Graphic“.
Der gestörte Zustand der Telegraphenlinien, durch den zeitweise die Ver-
bindung zwischen London und Paris unterbrochen wurde, war von den hefligsten
magnetischen Störungen begleitet,die von den seit 1867 ununterhrochen arbeitenden
Photomagnetographen in Stonyhurst überhaupt verzeichnet worden sind. Die
Störung war bemerkenswert durch die zahlreichen und weiten Oszillationen von sehr
kurzer Dauer, die große und rapide Anderungen in horizontaler Richtung an-
deuteten. Der magnetische Sturm begann am 31. X. 1903 früh 6" (M.-Gr. Z.) und
endete am 1. XI. früh: 5" (M. Gr. Z.) Anfang und Ende waren mehr oder weniger
plötzlich, doch ging dem Sturm ein Zeitraum von 9 Stunden voraus, in dem
kurze Osecillationen stattfanden. Ein gleicher Zeitraum solcher Oscillationen
folgte-ihm.
9. Greenwich (g=51° N; 1=0°0).. Die große‘ magnetische Störung
begann in Greenwich ganz plötzlich um 6* V (M. Gr. Z.) am 31. X. ‘Es war
die größte Störung dieser Art seit dem 17. XI, 1882. Es wurden‘ auch starke
elektrische Erdströme festgestellt.
. 10. Kew (g=51° 27 N; 4=0°37 W). Nach „Nature“ Bd. 69, 58, 6.
Die photographischen Kurven in Kew zeigten am Abend des 30. X. und am
frühen Morgen des 31. X. magnetische Störungen, normaler Art; die ersten
deutlichen Vorläufer eines magnetischen Sturmes aber waren um 6" 03" (M, Gr. Z.)
ein plötzliches Anwachsen der Horizontalintensität um etwa 60 y und eine gleich-
zeitige Bewegung. der Deklinationsnadel um etwa 7’ nach West. Die ersten
weiten Ausschläge begannen um G* 45®in V, wo eine Bewegung der Deklinations-
aadel nach West um ungefähr 34’ und eine Abnahme der Horizontalintensität
um 240 y eintrat. Der Sturm war am heftigsten, zwischen 10* V und 7? N am
31. X.; aber noch bis 3% V oder 4" V am 1. XI. zeigte die Störung einen hohen
Betrag. Zwischen 1" N.und 7*N fanden wenigstens 20 Hin; und Hergänge
der Deklinationsnadel statt, von denen, jeder über 20‘ Amplitude zeigte und
in. ein paar Zeitminuten. verlief. In großen Zügen. ging die Tendenz von 7* V