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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Al 
: Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1904. 
Einzelberichte aus verschiedenen Gegenden. 
Es seien nun im folgenden Auszüge aus den einzelnen Berichten über 
die magnetische Störung, soweit sie nicht schon in den Wiedergaben der 
Ergebnisse von Registrierapparaten enthalten sind, kurz zusammengestellt. 
1. Wilhelmshaven (g = 53° 31’ N; 1=38° 8’ Ost). (Zeiten nach Ortszeit.) 
Nach der „Weserzeitung“ vom 6. XI. 1903. In Verbindung mit dieser gewaltigen 
Störung im Magnetismus der Erde wurde am Abend des 31. Oktober hier ein Nord- 
licht beobachtet; wie es scheint, ist dieses, in Deutschland wenigstens, nur hier ge- 
sehen worden (auch in der Umgegend von Bremen, ferner in Schlesien etc. D. Red.). 
Das Wetter war anfangs nicht gerade günstig, da eine Wolkenbank von etwa 
20° Höhe in Nordwest und Nord lagerte, die sich aber später langsam verschob, 
so daß der Himmel dort leidlich klar wurde, auch war das Mondlicht etwas 
störend. Sobald es nach Sonnenuntergang einigermaßen dunkel geworden war, 
in noch ziemlich heller Dämmerung um 5" 30%» N, wurde bereits am Wolken- 
vrande mit dem Spektroskop die sogen. Nordlichtlinie wahrgenommen, und es 
lauerte auch nicht lange, als Strahlen aufschossen, und das übliche Spiel der 
Nordlichtstreifen, die bald hoch emporschießen, bald wieder verschwinden, sich 
von links nach rechts verschieben, um sich im Westen von neuem zu bilden, 
begann sich bemerkbar zu machen. Den Höhepunkt erreichte die prächtige 
Erscheinung um etwa 7" 40“2N, worauf sie bald verschwand. Seit 8" 30%in wurde 
eine Lichterscheinung nicht mehr wahrgenommen, dagegen war im Spektroskop 
die Nordlichtlinie noch um 5* V am 1. November sichtbar. 
Hier wurde bereits um 7*30=2 V am 31. wahrgenommen, daß sich die 
magnetischen Instrumente in ungewöhnlicher Tätigkeit befanden, um 10* kam 
ein amtliches Telegramm des Haupttelegraphenamts in Berlin, daß auf den 
englischen Linien starke Erdströme beobachtet würden, welches im Laufe des 
Nachmittags durch ein zweites Telegramm ergänzt wurde, daß die Erdströme 
seit Mittag auch auf den inländischen Linien bemerkt würden. Durch diese in 
hohem Grade dankenswerten Benachrichtigungen waren wir auf das Auftreten 
des Nordlichts vorbereitet und daher rechtzeitig auf dem Posten, um dasselbe 
sofort konstatieren zu können, sobald es nur genügend dunkel geworden war, 
was denn auch, wie gesagt, trotz nicht allzu günstiger Umstände gelang. 
2. Ahrensburg (9 = 53° 40’ N; i == 10° 14‘ Ost). Herr Dr. Flögel schreibt: 
Den ganzen Tag über war der Himmel hier dick bedeckt; erst gegen 5°N (M. E. Z.) 
erfolgte teilweise Aufheiterung. Das nach den Deklinatorium-Ablesungen er- 
wartete Nordlicht traf pünktlich ein und wäre wahrscheinlich von großer Pracht 
gewesen, wenn nicht der Mond und die stark dunstige Beschaffenheit der Atmo- 
sphäre der vollen Entfaltung sehr hinderlich gewesen wären. 6% 04min N bemerkte 
ich schon den ersten etwas zweifelhaften Strahl, den ich für einen Cirrus-Streifen 
hielt; sein rasches Vergehen klärte mich aber alsbald über die wahre Natur 
auf. Wenige Minuten später kamen aber mehr Strahlenbündel nach, und die 
Erscheinung ermattete erst 7h 13°" N, KEinzelne Strahlen, z. B. 6: 07m N, 
gingen bis Wega hinauf, später einer bis zum Zenit in den Schwan hinein. Nach 
7» 30°in N war nichts mehr zu sehen. Stets war überhaupt die Luft im Norden 
so dunstig, daß man die helleren Sterne des großen Bären nur mit Mühe, 
Arktur meist gar nicht erkennen konnte. 
3. Bei Bremerhaven (= 53° 30' N; i==8° 35' Ost) beobachtete Herr 
Obersteuermann Beicht zwischen 6"N und 7*N am 31. X. Nordlicht in 
wechselnden, meist rosa gefärbten Strahlen, die bis zum Zenit aufschossen. 
4. Potsdam (9 =="52° 25’ N; 4 = 13° 5‘ Ost).!) Nach einem aus dem 
„Reichsanzeiger“ übernommenen Bericht in den „Hamburger Nachrichten“ vom 
4. XI. 1903. Das magnetische Ungewitter vom 31. X. 1903 brach um 7*V 
(M E,Z.) los, gerade zu der Zeit, zu der in Potsdam nach einer vierstündigen 
vollkommenen Windstille ein frischer Wind einsetzte. Es war die stärkste 
Störung, die am erdmagnetischen Observatorium zu Potsdam seit seiner Er- 
4) Ein genauer Bericht von Herrn Prof. Ad. Schmidt über die Störung in Potsdam erscheint 
soeben im Januarheft der „Met. Zeitschr.“ 1904. Aus ihm sei nachgetragen, daß die Gesamt- 
schwankung von H auf mehr als 950 y geschätzt wird. Auch Herr Prof. Schmidt weist auf die 
5 Wiederholungen eines ähnlichen Verlaufes zwischen 6h N und 5h V hin, die oben erwähnt wurden.
	        
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