Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1904.
Nordatlantischen Ozeans zu gewinnen. Mit der Ausdehnung der Karte bis zur
Westküste Irlands konnten zugleich die Gründe vor dem Kanal fast ganz Platz
finden. Im Norden ist mit Thorshayn auf den Far Oer und mit Bergen eine
wohl angemessene Begrenzung gefunden; weiter nach Norden erstrecken sich
die Winterreisen der heimischen Schlachtflotte oder einzelner Kriegsschiffe kaum.
In der Ostsee mußte freilich der nördlichste Teil des Botinischen Busens un-
berücksichtigt bleiben; für diese erste, dem Winter geltende, Karte ist dies Im
Hinblick auf die Eisverhältnisse ohne jede Bedeutung. Wenn tunlich, soll aber
auch dieser nördlichste Teil später dargestellt werden, obschon bei dem knappen
Raum seine Unterbringung mit sehr großen Schwierigkeiten verknüpft sein wird.
— Die zeichnerische Ausführung der Küstenkonturen ist mit der größten in
dem gewählten Maßstabe überhaupt erreichbaren Genauigkeit erfolgt, ebenso
die Eintragung der Tiefenlinien von 20m, 40 m und 200 m, so daß in dieser
Beziehung an die Karte dieselben Ansprüche wie an eine Seekarte gleichen
Maßstabes gestellt werden dürfen; es hätte zwar im Hinblick auf den Zweck der
Karte von solch strengen Anforderungen an sich wohl ahgesehen werden können,
doch glaubte die Deutsche Seewarte nach den Erfahrungen bei der Monatskarte,
welche lehrten, daß in dem praktischen Gebrauche der Monatskarte als Über-
segler an Bord die Kapitäne oft eine Genauigkeit der Positionen innerhalb
weniger Bogenminuten verlangen, auf die größtmögliche Genauigkeit nicht ver-
zichten zu sollen.
Die Isogonen oder Linien gleicher magnetischer Deklination gelten
für 1904,0, wie die „Erklärung“ besagt. Auch über große Teile der Ostsee sind
mittlere oder ausgeglichene Linien gleicher Mißweisung gezogen. Es war aber
daselbst wegen der starken und vielfachen örtlichen Störungen unmöglich, die
Linienführung der Größe der Lokalstörungen anzupassen; in kleinen Rechtecken
an Ort und Stelle ist der Betrag der Abweichung in Graden vom eingezeichneten
Verlauf der Isogonen angegeben. Im allgemeinen darf behauptet werden, daß
die Zeichnung der Isogonen auf der Verwertung des neuesten bis heute vor-
liegenden Materials sorgfältig begründet ist; für sehr wertvolle Beiträge in
dieser Beziehung ist die Deutsche Seewarte u. A. den magnetischen Observa-
torien in Potsdam und Wilhelmshaven zu Dank verpflichtet.
Die wichtigsten Dampferwege sind mit Angabe der für die einzelnen
Abschnitte geltenden Entfernungen in Seemeilen eingetragen; daß hierbei, um die
ohnehin etwas überlastete Karte nicht unklar zu machen, mit großer Auswahl
verfahren werden mußte, liegt auf der Hand. Da es nicht möglich ist, infolge
oft unvermeidbarer kleiner Verschiebungen bei Vielfarbendruck die genaue Lage
üder Ansteuerungs- und Abfahrtspunkte bis auf 2 bis 3 Sm in allen Fällen zu
garantieren, so hat die Deutsche Seewarte am unteren Rande der Karte in
einer Tabelle die Positionen dieser Punkte nach Breite und Länge in Zahlen
gegeben; in zweifelhaften Fällen kann daher der Schiffsführer aus dieser Tabelle
ersehen, welche Position nach Grad und Minute die Deutsche Seewarte für einen
bestimmten Dampferwexg zugrunde gelegt hat,
Die Vierteljahreskarte enthält ferner, wenn wir in der Reihenfolge der
„Erklärungen“ fortschreiten, einige Anvaben über die vorherrschende Richtung
der Meeressträmung ohne Beachtung der Gezeitenbewegung. Für das vor-
liegende Gebiet handelt es sich dabei wesentlich nur um den längs der
schwedisch-norwegischen Küste im Kattegat und Skagerrak nach dem Ozean
hinausziehenden sogenannten baltischen Strom oder Ostseestrom, welchem ja
in der weiteren Umgebung von Kap Lindesnaes auch navigatorische Bedeutung
zukommt: schwache Danmpfer, Dampfer mit hohen Decksladungen und Segler,
welche aus der Ostsee kommen und nach Westen bestimmt sind, suchen iln an
der Südküste Norwegens auf, um nach Südwesten zu gelangen.
Ebbe und Flut sind wegen ihrer hervorragenden praktischen Wichtig-
keit möglichst vielseitig abgebildet worden. Die Hauptkarte enthält erstens
eine größere Zahl von Pfeilen, die die allgemeine Richtung des Ebbe- und Flut-
stromes bezeichnen, und zwar genau in der auf den deutschen Admiralitäts-
karten seit mehreren Jahren eingeführten Weise, so daß also auch der Sinn der
Stromdrehungsrichtung stellenweise vermerkt ist. Außerdem bringt die Haupt-
karte Linien gleicher Hafenzeit nach Greenwicher Zeit, d. h. Linien gleicher
Hochwasserstunden bei Neu- und Vollmond, sogenannte cotidal lines. Es