Schott, G.: Die niederländische Tiefsee-Expedition auf der „Siboga“, 107
Straße zwischen Sula-Inseln und Obi Major mit der Molukken-See in Verbindung,
wobei ebenfalls rund 1600 bis 1700 m Wassertiefe überall verfügbar ist; der
Wasseraustausch dürfte sich den Weg westlich um Buru wählen, da die Manipa-
Straße zwischen Buru und Ceram, im südlichen Teile zwar sehr tief, im nörd-
lichen Teile durch eine Bank von 1100 bis 1200 m gesperrt ist. Von der Banda-
See abhängig hinsichtlich ihrer Wärmeverhältnisse in der Tiefe sind auch Flores-
und Bali-See. Für das letztere Becken, das es nur bis etwa 1500 m Tiefe im
Höchstbetrag bringt; ist die Notiz wichtig, daß die zwischen Lombok und Bali
liegende Lombok-Straße, deren vermeintliche naturwissenschaftliche Bedeutung
eingangs Erwähnung fand‘), in keiner Weise eine tiefe, etwa gar zwei Kontinente
(Asien und Australien) trennende Linie darstellt; es besteht vielmehr durch
eine Schweile mit der Maximaltiefe von nur 312 m eine Verbindung der zwei
kleinen Sunda-Inseln ebensogut wie dies bei den übrigen kleinen Sunda-Inseln
der Fall ist. Die Bali-See ist also in der Hauptsache gegen den ITndischen
Ozean abgeschlossen, und, wie eben gesagt, ein abhängiges Glied der Flores-
und Banda-See. ©
Verfolgen wir von der Banda-See aus den vermutlichen Gang der Grund-
wasserschichten weiter rückwärts, so gelangen wir endlich durch die Molukken-
See in den Stillen Ozean hinaus; eine Verbindung durch die Djilolo-Passage
und Halmahera-See würde nicht durchweg die nötigen Tiefen zur Erklärung der
Bodentemperatur von 3,3° liefern. — Die Celebes-See muß durch eine Schwelle
von rund 1300 m Maximaltiefe abgeschlossen sein, da die homotherme Schicht
3,7° C. zeigt; in der breiten Öffnung zwischen Mindanao und Gr. Sangir
hat aber die „Siboga“ bisher über 1638 m gefunden. Die Schwelle muß also
noch genauer gesucht werden.
Nahezu alle Tiefsee-Becken der malaiischen Gewässer, welche
der Schauplatz der Tätigkeit der „Siboga“-Expedition gewesen sind, stehen
also, ozeanographisch gesprochen, in mehr oder weniger direktem
Zusammenhang mit dem Stillen Ozean, nicht mit dem Indischen
Ozean; ausgenommen bleibt nur die Timor-See. Sieht man von den mannig-
fachen Beziehungen ab, welche diese hinterindischen Becken durch die Ober-
flächenerscheinungen, wie z. B. Monsuntriften, Gezeitenströmungen u. a. m.
zweifellos auch mit dem Indischen Ozean verbinden, so kann man vom
Standpunkte der Tiefseeforschung aus eine vorläufige, in Einzelheiten sicher
noch zu verbessernde Grenzlinie zwischen Indischem und Stillem Ozean vielleicht
derart ziehen, daß sie von Bali bis Flores, . von da über Sumba, Savu nach
Timor und von da nach Timor Laut und den Key-Inseln verläuft (s. Taf, 6).
So eröffnen uns die Ergebnisse der „Siboga“-Expedition auch für Fragen von
allgemeinster Art und von großer Tragweite wertvolle: Ausblicke.
Nebel und Wind.
(Hierzu Tafel 7.)
Im allgemeinen herrscht die Ansicht vor, daß Nebel besonders bei Wind-
stille und leichter Brise auftrete. Zahlenmäßige Angaben liegen darüber nicht
vor. Scott hat in „Quarterly Journal“, XX, 1894, S. 253, eine Untersuchung
über: Nebel veröffentlicht, die gleichzeitig mit starken Winden (Beaufort-
Stärke 6 und mehr) innerhalb der 15 Jahre von 1876 bis 1890 auf den Britischen
Inseln beobachtet worden sind. Es gab 135 solcher Fälle, davon 7 bei Wind
aus Nordosten, 18 bei Wind aus Südosten, 95 bei Wind aus Südwesten und
15 bei Wind aus Nordwesten. Diese Untersuchung beschäftigt sich aber vor-
wiegend mit der Art des gleichzeitigen Wettercharakters, ob zyklonal oder
antizyklonal, ob mit oder ohne Regen, so daß auch sie die hier vorliegende
Hauptfrage kaum berührt, so interessant die Untersuchung sonst ist. Die
folgenden‘ Angaben sollen dagegen zunächst das Verhältnis zwischen Nebel-
iy Siehe oben S. 97.