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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Schott, G: Die niederländische Tiefsee-Expedition auf der „Siboga“. 105 
streckenden flachen Rücken. Man wird fast zu der Annahme gedrängt, daß. in 
diesem Teile der Banda-See seit 1882 mächtige, gewaltsame (vulkanische?) 
Änderungen im submarinen Relief eingetreten sein müssen, obgleich auch dies 
ein ganz ungewöhnliches, in solchem Umfange wohl noch nirgends festgestelltes 
Ereignis bedeuten würde. Bei der Wichtigkeit der Angelegenheit in o0zeano- 
graphischer Hinsicht ist es schade, daß die „Siboga“ mit ihren fünf Lotungen 
niemals den Boden erreicht hat; es fehlt somit die Angabe der heutigen Boden- 
beschaffenheit in jener kritischen, Meeresgegend, ein ganz unerläßlicher Faktor 
für eine Beurteilung der Sachlage. 
Während damit im Nordwestteil der Banda-See ein bisher bemerkens- 
werter Charakterzug der Tiefenformen ‚vorläufig getilgt erscheint, sind.im ent- 
gegengesetzten Teile, dem Südostteile, der Banda-See durch die „Siboga“-Arbeiten 
Zwei neue charakteristische Bodenformationen klargestellt bezw. entdeckt worden. 
Die Lucipara - Inseln liegen nicht auf einer lokal begrenzten Untiefe, sondern 
gehören einem 150 Sm langen, aber nur etwa 30 Sm breiten, von SW nach NO 
ziehenden Rücken an, welcher, „Siboga - Rücken“ getauft, nicht ganz bis zur 
Südküste Cerams reicht, vielmehr von letzterer durch eine 4000 m tiefe Rinne 
noch getrennt bleibt; auf diesem Rücken sind keine größeren Tiefen als rund 
2500 m ermittelt, während ringsherum der Boden steil bis auf 4000. und 5000 m 
Tiefe abstürzt. Ein zweiter, zum ersten paralleler Rücken ist durch die Inseln 
Dammer, Serua und Manuk gekennzeichnet. Zwischen diesem zweiten Rücken 
nun einerseits und Timor Laut—Kei-Inseln anderseits liegt eine außerordentlich 
tiefe, genau sichelförmige Mulde oder Rinne, in der 6505 m’ die bisher bekannte 
Maximaltiefe darstellt. Durch diese Verhältnisse erhalten unsere Kenntnisse 
von der vertikalen Gliederung jener östlichsten Meeresteile des Archipels.eine 
vollkommen neue Gestaltung. — Nebenbei sei noch hinzugefügt, daß die auf 
zielen Tiefenkarten eben im Westen von den Banda-Inseln für 4° 19‘ S-Br. und 
129° 20' O-Lg. angegebene Tiefe von 7315 m (4000 Faden) ziemlich sicher nicht 
existiert, da die „Siboga“ in unmittelbarer Nähe der Stelle und auf ihr selbst 
nur Lotungen von etwas über 4000 m erhielt. } 
in betreff der Böschungswinkel, die in der Nähe der Küsten und 
Korallenriffe auftreten, gibt Tydeman zwei charakteristische Beispiele, eins 
von Kabia, Baars-Insel, das andere von den Lucipara-Inseln, beide in: der 
Banda-See gelegen. 
von 
Intfernung | "Tiefe 
Riff-Außenkante in m 
in m 
| Böschungswinkel 
Kabia, 
wenige m 
300 
315 
875 
1300 
5 
184 
209 
500 
701 
nahezu 90° 
27° 
27,5° 
27,5° 
25° 
Lueipara. 
wenige m 
90 
150 
700 
1150 
1600 
2000 
72 
173 
>54 
‘21 
510 
546 
894 
1 
nahezu 90° 
50,5° 
48° 
16,9° 
14,3° 
15° 
19° 
Sieht man von den obersten Tiefen bis 100 und 200 m zunächst ab und 
zeichnet man sich die Böschungen im gleichen Maßstab von Tiefen und Ent- 
fernungen auf, so erhält man ein naturgetreues, nicht übertiefıes Bild von der 
Gestalt des submarinen Sockels solcher Korallen-Inseln. Bild und Zahlen stimmen 
geradezu überraschend gut mit dem überein, Was seinerzeit im „Valdivia“- 
Werk!) für die Seine-Bank im östlichen Teil des Nordatlantischen Ozeans ab- 
geleitet worden ist: hier wie dort bewegen sich die Böschungswinkel bis rund 
1000 m um etwa 25° (im Maximalbetrage), von da bis 2000 und 3000 m um 
i) „Wissenschaftl. Ergebnisse der Deutschen Tiefsee-Expedition“, Band I, Text, S. 103. 
Atlas. Taf. VI. Jena 1902.
	        
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