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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Ann. d. Hydr. ete., XXX. Jahrg. (1904), Helt I. 
Vierteljahrskarten für die Nordsee und Ostsee. 
Unter diesem Titel wird in Zukunft zu Beginn jedes meteorologischen 
Vierteljahres eine Karte der heimischen Gewässer von der Deutschen Seewarte 
herausgegeben werden, welche ähnliche Zwecke verfolgt und ähnliche Aufgaben 
erfüllen soll wie die entsprechende „Monatskarte für den Nordatlantischen 
Ozean“. Vor wenigen Tagen ist die für den Winter, d. h. für die Monate 
Dezember 1903, Januar und Februar 1904 gültige erste Vierteljahrskarte zur 
Ausgabe gelangt, und es sei im Voraus bemerkt, daß diese Karte allen Mit- 
arbeitern zur See der Deutschen Seewarte unentgeltlich auf Verlangen zur 
Verfügung steht, während sie im übrigen bei der Buchhandlung von Kcekardt 
& Meßtorff in Hamburg zum Preise von 0,75 Mk. für das Blatt zu haben sein wird. 
Die Vierteljahrskarte ist auf Anregung und Anordnung des Herrn Staats- 
sekretärs des Reichs-Marine-Amtes entstanden; ihre Herstellung war mit eigen- 
artigen Schwierigkeiten verknüpft, welche zu erwähnen auch weiteren Kreisen 
von Interesse sein dürfte. Während das Material für die Monatskarte des 
Nordatlantischen Ozeans fast unmittelbar aus Tabellenwerken, z. B. der Quadrat- 
arbeit der Deutschen Seewarte, in die kartographische Form übergeführt werden 
konnte, fehlten nicht nur brauchbare Bearbeitungen von Beobachtungen, sondern 
noch mehr, es fehlten die Beobachtungen von der See der heimischen Gewässer 
ganz oder doch nahezu gänzlich. Die Mitarbeiter zur See haben bis vor kurzem 
— mit verschwindenden Ausnahmen — ausgehend erst von Lizard oder OQuessant 
ab und rückkehrend nur bis Lizard oder Ouessant die Anschreibungen im Journal 
der Deutschen Seewarte ausgeführt, und die wenigen wirklich in den heimischen 
Gewässern angestellten Beobachtungen sind in vielen Fällen wegen mangelnder 
oder nicht genügend genauer Ortsangaben für weitere Forschungen unverwend- 
bar. Erst neuerdings haben sich auf die dringende Bitte der Deutschen See- 
warte die meisten Mitarbeiter zur See bereit erklärt, das Journal auch in den 
Heimatsgewässern regelmäßig zu führen, und es besteht deshalb die Hoffnung, 
daß im Laufe mehrerer Jahre eine direkte und leidlich genügende Unterlage 
für eine Bearbeitung wirklicher Seebeobachtungen gewonnen wird. Schon jetzt 
darf in diesem Zusammenhange die Deutsche Seewarte ihren Dank an die in den 
heimischen Gewässern neuerdings beobachtenden Schiffsführer abstatten, weil 
das hierdurch eingehende Material bereits in nicht wenigen Fällen von außer- 
ordentlich großem Werte bei Anfragen der Seeämter, Gerichte, Assekuradeure 
usw. gewesen ist. 
Für die Herstellung. der Vierteljahrskarten der Nord- und Ostsee mußte 
sich die Deutsche Seewarte aber mit der Tatsache abfinden, daß zunächst noch 
die heimischen Gewässer die vergleichsweise unbekanntesten sind. Es gilt dieser 
Satz übrigens nicht nur in bezug auf die maritime Meteorologie, sondern auch 
von den ozeanologischen Faktoren, und es ist zumal von Prof. Pettersson in 
Stockholm wiederholt und nachdrücklich auf diesen auffälligen Mangel hin- 
gewiesen worden, einen Mangel, der ja durch die seitdem in Gang gekommenen 
internationalen hydrographischen und Fischereiarbeiten in absehbarer Zeit in 
der Hauptsache auch behoben sein. wird. — Bei der heutigen Sachlage mußte 
die Vierteljahrskarte im allgemeinen noch auf den Ergebnissen der Beobach- 
tungen an den Küsten aufgebaut werden. Betrachten wir diese Grundlage der 
neuen Karte etwas näher. ; 
_ Wenn der Titel auch lautet „Für die Nordsee und Ostsee“, so sind doch 
die gesamten englischen Gewässer mit zur Darstellung gekommen, vorzugsweise 
aus dem Grunde, um. einen übersichtlichen Anschluß an die Monatskarte des 
Ann, 4, Hydr. etc,, 1904, Hoft I,
	        
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