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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1904.
Aus diesem Grunde hege ich auch gegen die Neubildung „Ceram- See“ einige
Bedenken; „Pitts Straße“ wird der Gestalt des schmalen, langgestreckten Meeres-
teiles nördlich von Ceram und Buru gerecht. Endlich sollte man das Wort
„Molukken - See“ an Stelle von „Molukken - Passage oder Straße“ ruhig bei-
behalten, da eben die Lotungen der „Siboga“ gezeigt haben, daß eine aus-
gedehnte tiefe Mulde mit kesselförmiger Einsenkung (im Süden bis über 4000 m)
zwischen Djilolo (Halmahera) und Celebes vorhanden ist. — Gar zu großes
Gewicht wird ja nicht darauf zu legen sein, ob ein Meeresteil so oder so
genannt wird, wenn nur die Bezeichnung international dieselbe ist,
so daß jedenfalls eine Identifizierung immer möglich wird. In dieser Beziehung
ist allerdings noch vieles zu wünschen übrig, und die vorstehende Tabelle hat
vorzugsweise den Zweck, im Interesse der im Gang befindlichen Arbeiten der
internationalen Kommission für unterseeische Nomenklatur die Neubezeichnungen
seitens der „Siboga“-Expedition bekannt zu geben.
Tydemans schöne Tiefenkarte beruht auf sorgsamster Verwertung des
gesamten verfügbaren Materials und ist weitaus die beste, jetzt vorliegende
Darstellung der Bodenformen der hinterindischen Gewässer. Sehen wir ab von
der großen Zahl kleinerer Gebiete, in denen neue, sekundäre Becken entdeckt
worden sind oder schon bekannte eine genauere morphologische Erforschung
erfahren haben, so sind zwei Fälle, welche beide die Banda-See be-
treffen, von allgemeinerem Interesse, zumal größere Terrainformen in
Frage stehen. Unter der Banda-See wird das Meeresgebiet verstanden, welches
begrenzt wird im Osten durch die Kei-Insel und Timor Laut, im Süden durch
Sermata und Wetter, im Westen durch eine Linie etwa von der Flores-Straße
nach Buton (Südost-Celebes), im Norden durch die Sula-Inseln, Buru und Ceram.
Im nordwestlichen Teile dieses vielgestaltigen Beckens, und zwar
zwischen Buton und Sula Besi, hatte das deutsche Segelschiff „Karl“, Kapt.
Kraeft, im Dezember 1882 auf einer Reise von Antwerpen nach Tientsin, aus
der Buton-Passage kommend und nach der Pitts Passage steuernd, 11 Lotungen,
die nur Tiefen von 99 bis 216 m ergaben, ausgeführt; auch die Boden-
beschaffenheit, fast durchweg Steine und Sand, war festgestellt worden. In
dem Reisebericht hatte der Kapitän noch die ausdrückliche Bemerkung an-
gefügt: „Die vorstehenden Lotungen sind zuverlässig, weil das Schiff bei der
Anstellung derselben seinen Ort wenig veränderte. Spätere Versuche in der
Pitts Passage waren ohne Resultate, weil mit 360 m (200 Faden) Leine der
Meeresgrund nicht erreicht wurde.“!) Da dieser unterseeische Verbindungs-
rücken, der z. B. auch in Berghaus’ physikalischem Atlas, Abt. Hydrographie,
Tafel X, eingetragen ist, von weittragender Bedeutung, z. B. für den Wasser-
austausch mit dem Stillen Ozean, sein würde, so gedachte die „Siboga“ auf ihm
zu arbeiten, fand aber nirgends mit 500m, an einer Stelle auch nicht mit
4892 m, Grund! Auch die am Nordostausgang der Buton-Passage in der Nähe
der „Karl“- Lotungen angestellten Tiefseemessungen der „Bali“*) ergaben nur
ganz große Tiefen.
Ich möchte sagen, man steht bier vor einem Rätsel, wie es die Meeres-
kunde sehr selten irgendwo gestellt hat. Weber erklärt die Lotungen des
„Karl“ auf Grund seiner Messungen für phantastisch, sie sind deshalb neuerdings
von den holländischen Seekarten getilgt worden. Anderseits sind aber unsere
deutschen Seeleute viel zu ernst, um phantastische Dinge zu berichten, und der
Umstand, daß Bodenproben gewonnen sind, läßt doch an der Tatsächlichkeit
und Zuverlässigkeit der Messungen in der Tat eigentlich keinen Zweifel; es
kommt hinzu, daß auch kein Irrtum, Schreibfehler oder dgl. hinsichtlich der
geographischen Positionen vorliegen kann, weil, wie das auf der Deutschen
Seewarte befindliche meteorologische Originaljournal zeigt, der „Karl“ an den
erwähnten Tagen wirklich jene Meeresgegend passiert hat. Die Deutsche See-
warte hat nachträgliche Aufklärung zu erlangen versucht, aber Kapt, Kraeft
ist leider bereits verstorben. Daß eine einzelne, lokale Untiefe bei späteren
Nachforschungen nicht gefunden wird, ist ja ein ganz gewöhnliches Vorkommnis
hier handelt es sich aber um einen über mehrere hundert Seemeilen sich er-
1) Abgedruckt in den „Ann. d, Hydr. etc.“ 1885, S. 207.
2) Vel. oben S. 103.