100 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1904.
der „Siboga“ in diesem Sinne angestellten Versuchen die Forderung ab, daß
bei der Verwendung der Umkehrthermometer rechtsgehende Propellerschrauben
nur mit rechtsgeschlagenem Stahlseil verwendet werden sollen, und umgekehrt,
und er sagt, daß man auf diese Forderung schon bei der Bestellung der Aus-
rüstung Obacht nehmen solle. — Es ist sicherlich dieser Vorschlag Tydemans
sehr beherzigenswert, zumal ja Kosten dabei nicht entstehen. Ob aber tatsächlich
damit alle Ursachen gefunden sind, ja nur die Hauptursache für das öftere Ver-
gagen der Negretti-Zambraschen Tiefseethermometer getroffen ist, erscheint
mir nach den „Valdivia“-Erfahrungen fraglich. Die zu hohen Temperaturen
können ebenso oft in einem Herabfließen von Quecksilber aus der Reserve-
kammer in die Capillare des Thermometers ihre Erklärung finden, welches immer
dann eintreten muß, wenn nach einem bei niedrigen Temperaturen erfolgten
Umkippen während des Heraufhievens das Thermometer einer so starken Er-
wärmung unterworfen wird, daß die Kammer oder Erweiterung das sich aus-
dehnende Quecksilber nicht zu fassen vermag. Gerade in den Tropen besteht
diese Gefahr immer, und es sei um der Kürze willen gestattet, auf die umfang-
reichen, zur Ermittelung dieser Verhältnisse angestellten Versuche und Erörte-
rungen zu verweisen, welche sich im „Valdivia“-Werk, Band 1, hierüber finden.)
Unter Berücksichtigung der üblichen Größe der kapillaren Kammer ist als End-
resultat daselbst gesagt: „Mau muß darauf verzichten, Tiefsee-Umkehrthermometer
in den Tropen bis auf 4000 bis 5000 m Tiefe versenken zu wollen, und ihr Ver-
wendungsbereich in den Tropen einschränken bis auf die Tiefen, in denen die
Temperatur nicht um mehr als etwa 15° C. von der Temperatur der Oberfläche
verschieden ist; in der gemäßigten Zone, bei Oberflächentemperaturen von etwa
15° C. und weniger erleidet ihre Benutzung keine Einschränkung; die polaren
Gegender endlich, in denen die Temperaturdifferenzen zwischen Oberfläche und
größten Tiefen meist nur wenige Grade betragen, sind das eigentliche Bereich
für Umkehrthermometer, wo ihre außerordentlichen Vorzüge am meisten zur
Geltung kommen, wo sie bei dichothermer Anordnung der Wasserschichten
geradezu unersetzlich sind.“ Im allgemeinen sind bei dieser Sachlage nach
meiner Ansicht die gewöhnlichen Max.-Min.-Thermometer in den Tropen den
Umkehrthermometern vorzuziehen. —
Der Lotdraht, welchen die „Siboga“ benutzte, hatte 0,9 mm Durch-
messer, eine Bruchfestigkeit von 150—180 kg, war von Felten & Guilleaume
(Mülheim a. Rhein) geliefert und kostete rund 30 Mk. pro 1000 m. Zur
ozeanographischen Ausrüstung gehörten ferner 2 sogenannte Hahnensonden,
d. h. Tiefseelote - nach dem Prinzip des Fürsten von Monaco, und
2 Sigsbeesche Lote.
Höchst lesenswert und für alle Tiefseeforschungen der Zukunft zu beachten
sind die auf der ausgedehnten praktischen Erfahrung beruhenden Mitteilungen
Tydemans über die notwendigen Schiffsmanöver beim Loten, Mitteilungen, mit
welchen man die „Valdivia“-Erfahrungen?) vergleichen wolle.
JIl. Hydrographische Ergebnisse.
Infolge der überaus regen Tätigkeit des Kommandanten und der Offiziere
der „Siboga“ sind sehr viele, direkt für die Schitfahrt und die Kartographie
verwendbare Ergebnisse in der Form von Küstenvermessungen, Ablotungen von
Flachwassergebieten, Aufnahmen von Ankerplätzen, photographischen Küsten-
vertonungen u. a. m. gewonnen worden. Diese „hydrographischen“ Arbeiten,
die neben den rein wissenschaftlichen Tiefseeforschungen hergingen, sind
30 reichhaltig und wichtig, daß jede künftige auf den hinterindischen
Archipel bezügliche Küstenbeschreibung und Seekarte diese „Sibvoga“-
Ergebnisse genau berücksichtigen muß, weshalb darauf ganz besonders hin-
gewiesen sei. 100 Paragraphen nebst zahlreichen Tafeln und Textfiguren umfassen
diese „hydrographie notices“, welche, soweit größere Verbesserungen der See-
karten und Beschreibungen in Betracht kommen, folgende Teile des Archipels
betreffen:
) Vgl. a. a. O., Ozeanographie und marit, Meteorologie, S. 35—3T.
\ Vol. a a. O., 83. 8, 20.