AR
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1904.
Selbstverständlich war der Kommandant des Kreuzers, der damalige Kapitän-
leutnant, jetzige Fregattenkapitän GG. F. Tydeman, dem wissenschaftlichen
Expeditionschef Prof. Weber nicht untergeordnet; es bestand vielmehr offenbar
zwischen beiden Führern ein ähnliches, klares und einfaches Verhältnis, wie es
seinerzeit auf der deutschen Tiefsee-Expedition mit der „Valdivia“ so vorzüglich
sich bewährt hat. Zum wissenschaftlichen Stab gehörten Frau Prof. Weber,
welche die Meerespflanzen studierte, sodann 2 Zoologen, ! Arzt und 1 Zeichner.
Die Reise begann am 7. März 1899 — zu der Zeit also, um welche die
„Valdivia“, bei den Seychellen arbeitend, schon dem Ende ihrer Untersuchungen
nahe war — und endete am 27. Februar 1900; Ausgangs- und Endpunkt war
Surabaya. Eine dem wissenschaftlichen Werk von Tydeman beigegebene Kurs-
karte in dem Maßstab }:3000U00 läßt die sehr vielen Kreuz- und Querfahrten
der „Siboga“ deutlich erkennen. Die Fahrt ging zunächst nach zwei den
deutschen Segelschiffskapitänen wohlbekannten Meeresstraßen, der Lombok- und
der Allas-Straße, dann zur Savu-See, von dort nordwärts zur Makassar-Straße in
die Celebes-See, ostwärts bis nach Djilolo und der Westküste Neu-Guineas;
hierauf wand die „Siboga“ sich wieder westwärts nach Ceram zur Manipa-Straße
zwischen Ceram und Buru, nach Amboina und über die Sula-Inseln nach Buton
an der Südostseite von Celebes und nach Saleyer. Von da wurde die Banda-
See wiederum, aber auf Ostkurs, durchquert und bis zu den Key- und Aru-Inseln
im Osten vorgedrungen. Der letzte Teil der Untersuchungsfahrten galt der
Südostküste von Timor, von wo man, an der Südküste von Flores, an der Nord-
küste Sumbawas entlang gehend, Surabaya wieder erreichte.
Der 159 Seiten (4°) umfassende allgemeine Reisebericht Webers enthält
viele geographische, geologische und biologische Ausführungen von besonderem
Interesse, ohne daß hierauf an dieser Stelle eingegangen werden kann; er ist
auch reich illustriert. Wie schon die nur in großen Zügen angegebene Reise-
route vermuten läßt, ist eine sehr große Zahl von Inseln und Inselchen jener
Tropenwelt besucht worden, die zum Teil nur sehr selten, zum Teil noch nie eine
selbst karge Beschreibung erfahren haben; schon hierin liegt ein erheblicher
Wert der Reise, und es glaubt der Berichterstatter, daß in der Beschreibung auch
der Ethnograph manche höchst wertvollen Angaben finden wird, z. B. über die
Bewohner der östlichsten Inselgruppen (Key, Aru), von Dammer, von Timor etc.
Ungemein eigenartig sind die von Weber beschriebenen Vorrichtungen, welche
Bewohner der Insel Karakelang (Talaut-Inseln zwischen Mindanao und Djilolo)
benutzen, um mit Hilfe von Drachen Fische zu fangen, Vorrichtungen,
welche in bestimmten Abänderungen auch auf Ternate, Banda und Gisser von
der „Siboga“ beobachtet worden sind;*!) heute, da der Drache zu wissenschaftlich-
meteorologischen Zwecken eine vor wenigen Jahren noch ganz ungeahnte
praktische Verwendung gefunden hat, interessiert es vielleicht, zu sehen, daß
diese nahezu „wilden“ Insulaner seit langer Zeit schon praktische Nutzanwendungen
vom Drachen zu machen verstanden haben. Auch Weber sagt: „Combien est
limit& Vesprit d’invention de nos pöcheurs, comparativement ä celut des indigenes
de U’ Archipel!*
Die ozeanographischen Erörterungen Webers mögen in ihren wichtigsten
Punkten weiter unten bei der Besprechung der neuen Tiefenkarte Platz finden.
Eine von Tydeman herrühreude ausführliche Liste der 323 Stationen, an
welchen wissenschaftlich gearbeitet worden ist, schließt den ersten Teil ab.
1. Wissenschaftliche Ausrüstung des Schiffes,
Für wissenschaftliche Arbeiten hatte die „Sihoga“ einen großen Vorzug
vor der „Valdivia“ dadurch, daß die „Siboga“ ein Zweischraubenschiff ist; die
Manövrierfähigkeit ist dadurch zumal bei Tiefseelotungen und Grundfischerei
erheblich gesteigert. Nicht wenige der wichtigen großen Apparate an Bord der
„Siboga“, wie Lotmaschine, Dredge-Trommel, Drabhtseilleitung, waren in An-
Jehnung an die Ausrüstung der „Valdivia“, die Prof. Weber seinerzeit in
Hamburg besichtigt hatte, beschafft, begreiflicherweise mit den durch die Bauart
des Schiffes gebotenen Abweichungen.
y S. 60/61 des I. Teiles.