Die Witterung an der deutschen Küste im Dezember 1903.
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stellenden Kurven weisen meist KEinsenkungen, vorübergehend niedrigere
Temperaturen anzeigend, um den 4., um Monatsmitte, am 22, oder 23. und viel-
fach am 28. oder 29. auf, während die Erhebungen der Kurve, den höchsten
Temperaturen entsprechend, auf den 1., 10. oder 11. (Osten 8.), 20. (Osten 22.),
den 26. oder 27. und den 31. fallen. Die Temperatur schwankte an der Küste
zwischen dem Minimum und Maximum von Memel —12,9° und 8,2°, also um
21,1°; gegenüber dieser sehr erheblichen Temperaturschwankung von Memel
betrug die kleinste nur 8,4° in Rügenwaldermünde. Bei nur 22 Frositagen, an
denen die Temperatur unter 0 sank, hatte Memel 15 Eistage, an denen zugleich
die höchste Temperatur unter dem Gefrierpunkt lag, während die übrigen
Stationen der Ostseeküste, mit Ausnahme von Kiel, bei mehr Frosttagen als
Memel erheblich weniger Eistage, nämlich nach der Tabelle nur 4 bis 8, hatten.
Die aus den Änderungen der Temperatur von Tag zu Tag für die drei Beob-
achtungstermine als arithmetische Mittel ohne Rücksicht auf die Vorzeichen
der Änderungen berechneten Werte der interdiurnen Veränderlichkeit der
Temperatur (I. T. V.) lagen mit ihren größten Beträgen zwischen 1,1° und 2,5°;
ein ausgesprochenes Zusammenfallen der größten und der kleinsten am Tage
stattfindenden Werte mit bestimmten Terminen trat nicht hervor. .
Die monatlichen Niederschlagsmengen waren durchweg klein und über-
schritten nur vereinzelt 20 mm; sie blieben meist unter 10 mm von Wismar bis
zur Oder; gegenüber 28 mm in Memel und auf Helgoland und 27 mm in Norddeich
und Norderney hatten Ziegenort mit nur 2 mm sowie Wittower Posthaus und
Wustrow mit 5 bie 6 mm die geringsten Beträge. Die täglichen Niederschlags-
mengen waren meist klein, so daß trotz der kleinen Gesamtmenge doch stellen-
weise an der westlichen Ostseeküste bis zu 15 bis 18 Niederschlagstage gezählt
wurden. Läßt. man den Niederschlagstag um 8" V des gleichnamigen Kalender-
tages beginnen und sieht man von geringfügigen wie von vereinzelten Nieder-
schlägen ab, so fielen die Niederschläge im Dezember über größeren Gebieten
am 1. an der ganzen Küste, 2, westlich der Elbe und an Teilen der Ostsee, am
3. bis 9. meist ostwärts bis Mecklenburg und über Teilen der ostdeutschen
Küste, besonders über Pommern, 10. und 1l. ostwärts bis zur Oder, 12. an der
schleswig-holsteinschen Küste, 15. an der ganzen Küste, 19. und 20. an der Ostsee,
25. bis 27. an der schleswig-holsteinschen und mecklenburgischen Küste, an den
beiden letztgenannten Tagen ostwärts bis zur Oder, sowie. am 29. bis 31. an
Teilen der Östsee. Überwiegend trocken waren über dem ganzen Gebiet der
13., 16. bis 18, 21. bis 24. und 28., an der Nordseeküste der 13. bis 31. bis
auf vereinzelte Niederschläge am 15. und 25. bis 27. . .
Gewitter wurden nicht beobachtet. Ausgebreiteter Nebel trat auf am 3.
über der westlichen Ostsee, 5. und 7, an der ganzen Küste, 8. ostwärts bis zur
Oder, 9. an der preußischen Küste, 16. an der Nordsee, 21. westwärts der Elbe
sowie über Rügen und Umgebung, 22, ostwärts bis zur Oder, 23. bis 25. an der
Nordsee, meist auf deren Westen beschränkt, sowie am 3l. von der Oder ost-
wärts. Als heitere Tage, an denen die aus der dreimal am Tage nach der
Skale 0 bis 10 geschätzte Bewölkung im arithmetischen Mittel aus den Beob-
achtungen kleiner als 2 war, charakterisierten sich über größerem Gebiete nur
der 4. und 9. über Rügen und Pommern.
Zu Anfang des Monats gehörte die deutsche Küste einer, gegenüber
einem westlich von den Britischen Inseln liegenden Hochdruckgebiet, ganz
Kontinentaleuropa bedeckenden Depression an und lag im besonderen im Be-
reiche eines sich von Nordösterreich nach Rügen erstreckenden Minimums, das
nordwärts vorgedrungen war und in Wechselwirkung mit dem hohen Druck im
Westen an der schleswig-holsteinschen Küste steife bis stürmische nordöstliche
Winde hervorrief. Diese Wetterlage veränderte sich sehr rasch. Während
sich das Hochdruckgebiet über dem Ozean südwärts verlagerte, nahte schnell
eine Depression mit ihrem Minimum über dem Ozean nördlich von Schottland
und breitete ihren Einfluß bereits am 3. über die Nordsee und das Kanalgebiet
aus. Im Rücken des erstgenannten Minimums, das nordostwärts fortgeschritten
war, stellte sich alsbald hoher Luftdruck über Ost- und Nordosteuropa ein, und
es erhielt sich dieses Maximum bis zum 25. Dezember, während das Minimum
nördlich von Schottland seine Herrschaft über West- und Mitteleuropa durch
die Entwicklung von nordostwärts von der Biscayasee her vordringenden Aus-