Kleinere Mitteilungen.
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die Richtung wie auf die Stärke der Strömung verlassen, da sie zu Zeiten mit
3 Sm Geschwindigkeit in irgend einer. Richtung, setzen . kann und zur andern
Zeit mit ähnlicher Geschwindigkeit nach ganz anderer Richtung.“
Die Ergebnisse der von der Seewarte angestellten Untersuchungen über
die‘ Meeresströme in ‚dem Mozambique-Kanal, die im Jahrgange 1886') dieser
Zeitschrift veröffentlicht wurden, weisen ebenfalls auf die grofsen Unregel-
mäfsigkeiten der Strömungen hin und schließen mit dem Satze: „Natürlicher-
weise ist auch der Wind in seinen Veränderungen von erheblichem Einflufs auf
Richtung und Stärke der Strömungen, indem er bald beschleunigend, bald
hemmend, bald nach rechts, bald nach links ablenkend auf die vorherrschende
Wasserbewegung wirkt. Überhaupt ist die Oberflächenbewegung des Wassers
hier, wie überall, grofsen Unregelmäfsigkeiten unterworfen und verändert sich
oft von einem Tage zum andern.in Richtung und Stärke ganz erheblich.“
Sehr interessant sind die nachstehenden Bemerkungen des K-Adm. Knorr
vom Jahre 1886, der damals als Chef des Kreuzergeschwaders mit diesem auf
der Reise von Zanzibar nach Sydney den Mozambique-Kanal passierte:?)
„Von den Komoren an hielt sich das Geschwader in der Mitte des
Kanals von Mozambique, um von dem in der Karte angegebenen südlichen
Strom möglichst viel Vorteil zu ziehen. Es wurde jedoch ein solcher bis zum
Verlassen des Kanals am 18. Januar nirgends vorgefunden, vielmehr ergaben
sich Versetzungen nach N0zO0, NWzW und WzS von 0,5 bis 1 Sm in der Stunde.
Hieraus und aus den Reiseberichten anderer Schiffe läfst sich der Schlufs
ziehen, dafs die Strömungen zwischen Madagascar und .dem Festlande durch
wechselnde Umstände, in erster Linie jedenfalls durch den Wind, zu sehr be-
einflufst werden, um sich auch nur annähernd fest bestimmen zu lassen.“
Die genannte englische wie auch die französischen Segelanweisungen
warnen ausdrücklich vor der Annäherung an diese Insel, besonders während
der Nacht, so dafs Schiffsführer eigentlich in jeder Richtung Information finden
können, wenn sie sich nur der Mühe unterziehen wollen, diese aufzusuchen.
Was nun den Wunsch des Korrespondenten der „Shipping and Mercantile-
Gazette“ in Majunga über die Untersuchung der Meeresströmungen in der Um-
gebung jener Insel anbetrifft, so halten wir die obigen Ausführungen, besonders
die des K-Adm. Knorr, für so zutreffend, dal weitere Untersuchungen kaum
ein besseres Resultat ergeben können, bestenfalls diese Ausführungen nur
bestätigen würden. Eingehende Untersuchungen ergeben immer, dafs, . wo die
Winde häufigen und grofsen Änderungen unterworfen sind, dasselbe, mit wenigen
Ausnahmen, auch bei den Strömungen der Fall ist. ;
2. Dampferwege zwischen New York und Demerara.°) Kapt. Frank
B. True vom Dampfer „Nile“ hat dem Hydrographischen Amte zu Washington
die folgenden Angaben über Dampferwege zwischen New York und Demerara
gemacht. (Notice to Mariners“ Nr. 1914. Washington, den 6. Dezember 1902.)
Von einem Punkte zwischen Schottland- und Sandy Hook - Feuer-
schiffen wird yw. 156° (SSO'/sO) nach Barbados gesteuert, wo man Bridgetown
in einem Abstande von 3 Sm passiert. Dieser Weg wurde gewählt,
ı. weil er der kürzeste ist, ;
2, weil man, da der vorherrschende Wind nordöstlich ist, auf der ganzen
Segel fahren kann,
3. In der Orkanzeit hat man auf diesem Wege auch. besser Raum, so zu
steuern, dafs man nicht in das Sturmzentrum gerät, ohne die Zugabe, wegen der
Nähe von Land besorgt sein zu müssen. Auch hat man täglich Gelegenheit,
Sonnenhöhen, oder in der Dämmerung Sternhöhen zu nehmen, während näher
an den Inseln bedeckte Luft und Regen häufig, die Winde veränderlich und die
Strömungen unsicher sind.
Da der Strom immer westlich setzt, wird man Vorteil davon haben, den
Kurs von vornherein entsprechend östlicher zu setzen.
) „Ann, d, Hydr. etc.“ 1886, S. 384. -
”) Ebenda, S. 390, . u
j Vgl. auch „Pilote“ 1902, Heft 7, 8. 543. Dampferwege von New York nach dem Amazonen-
strome über Barbados und direkt.