Walter, B.: Über die Wolffsche Blitzphotographie.
Über die Wolffsche Blitzphotographie.
(Zweite Mitteilung.)
Von Dr. B. Walter,
Im letzten Hefte des vorhergehenden Jahrganges dieser Zeitschrift!) habe ich
die Erklärung einer von Herrn Wolff, Berlin, herrührenden Photographie versucht,
welche von demselben — und zwar zweifellos in gutem Glauben — als die eines
Blitzes bezeichnet und auch bereits von vielen photographischen und belle-
tristischen Blättern als solche reproduziert und besprochen worden war. Vor
kurzem ist nun jedoch durch die an Ort und Stelle vorgenommenen Unter-
suchungen der Herren Baltin und Zschokke aus Steglitz (siehe „Photogr.
Mitteil.“ Nr. 21, 1902 und: „Prometheus“ Nr. 691, 1903) festgestellt worden,
dafs das in Rede stehende Bild gar nicht von einem Blitze, sondern vielmehr
sehr wahrscheinlich von einer gröfseren Zahl von brennenden Strafsenlaternen
herrührte, auf die der Beobachter unvorsichtigerweise seine geöffnete Kamera
gerichtet hatte, während er dabei gleichzeitig mit der letzteren eine Art
Schaukelbewegung ausführte. Der wahre Sachverhalt wurde nämlich dadurch
entdeckt, dafs jene Herren mit derselben Kamera eine Aufnahme der Umgebung
des Beobachtungsortes machten, wobei sich dann auf der Platte derselbe
„Kassettenschleier“ zeigte, der auch auf dem Wolffschen Originalbilde zu
beobachten war, nur mit dem Unterschiede, dafs er hier links, dort
aber rechts auf dem Bilde lag. Daraus ergab sich, dafs Herr Wolff in
seiner „Blitz“-Photographie oben und unten verwechselt hatte, oder mit andern
Worten, dafs die Lichtquelle, welche er geglaubt hatte, an den Himmel ver-
legen zu müssen, sich in Wirklichkeit auf der Erde befunden hatte.
Diese Darlegung hat offenbar etwas Zwingendes, und ihr gegenüber läfst
sich nun meine eigene Erklärung des Wolffschen Bildes wohl um so weniger
aufrecht erhalten, als dieselbe ja schon an und für sich auf Voraussetzungen
beruhte, die mit der Auskunft, welche mir Herr Wolff selbst über die Art
zeiner Aufnahme gegeben hatte, nur schwer in Einklang zu bringen waren, wie
ich dies ja auch in meiner ersten Mitteilung ausführlich dargelegt habe. So
habe ich denn also gewissermafsen zu meiner Entschuldigung nur noch darauf
hinzuweisen, dafs unter den zahlreichen Blitzbildern, die ich selbst bereits ge-
wonnen habe, sich tatsächlich einige finden, die mit dem Wolffschen Bilde
eine gewisse Ähnlichkeit zeigen, und dafs ferner meine Erklärung selbst auch
bei den zahlreichen und zum Teil sehr kompetenten Fachgenossen, die
inzwischen bereits auf mündlichem Wege mit derselben bekannt geworden waren,
kaum irgend einem Einwande begegnet war.
Andererseits dürfte es aber auch nicht so ganz unverständlich erscheinen,
dafs jemand, für den die exakte Beobachtung Lebensaufgabe ist, und der daher
jeder Fehlerquelle sozusagen schon gewohnheitsmälsig aus dem Wege geht,
nicht darauf verfallen-ist, dafs ein anderer einen so elementaren Fehler begehen
kann, dafs er eine geöffnete Kamera auf eine brennende Flamme richtet.
f*
1
® = ® * 2
Dampferwege zwischen dem Englischen Kanal und Westindien.‘)
Alle Kurse und Peilungen in diesem Aufsatze, mit Ausnahme derjenigen, welche ausdrücklich als
rechtweisend bezeichnet werden, sind magnetisch gegeben, wobei die Mifsweisung für das Jahr 1903
berücksichtigt ist.
Vom Englischen Kanal nach St, Thomas und zurück.
l. Der kürzeste Weg
ist der gröfste Kreis, gerechnet von einem Punkte südlich von Bishop Rock-
Feuerturm, wo dieses Feuer etwa 19° (Nz0?/40) 5 Sm peilt, also von 49° 47‘ N-Br.
und 6° 27' W-Lg., nach einem Punkte nördlich von St. Thomas, wo das 47 m
;) „Ann, d. Hydr. etc.“ 1902, S. 579 u. ff.
*) Die auf den nachstehenden: Seiten behandelten Dampferwege werden in dem „Dampfer
handbuch des Atlantischen Ozeans“, welches die Seewarte augenblicklich bearbeitet, enthalten sein.
Die vorliegende Arbeit soll sowohl die Art und Weise als auch den Umfang der einzeinen Be