accessibility__skip_menu__jump_to_main

Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

nA 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1903. 
mittlere Polbahn. Herr Schütz schliefst sich der bereits von anderen Seiten 
yefällten ablehnenden Kritik dieses Versuches an, und in der Tat ist es kaum 
verständlich, dafs man die Schar der magnetischen Meridiane zwischen den 
Polen, die in Länge nicht 120° und in Distanz rund nur 160° voneinander 
liegen, gröfsten Kreisen für so nahe kommend ansehen kann, dafs man acht 
Paare von Schnitten von Punkten aus, die auf der Nordhalbkugel zwischen 39° 
und 59° Breite, auf der Südhalbkugel gar zwischen 3° und 23° Breite liegen, 
für eine Konstruktion der Pole für ausreichend erachtet. Herr Schütz gibt eine 
Streuungskarte der Weyerschen Konvergenzpunkte, die denn auch die Unzu- 
lässigkeit dieses Vorgehens schlagend beleuchtet, auch weist er mit Recht darauf 
hin, dafs die Weyersche Konstruktion von je zwei Punkten auf der agonischen 
Linie aus ja stets die astronomischen Pole als Magnetpole ergäbe. Unzutreffend 
dagegen ist die wiederholt gemachte Angabe, dals die magnetischen Meridiane 
in jedem Schnittpunkt mit der agonischen Linie Wendepunkte hätten. Sie 
berühren in diesen Schnittpunkten die astronomischen Meridiane und können 
deshalb allerdings keine gröfsten Kreise sein, weil sich zwei gröfste Kugelkreise 
nicht berühren können, ohne ganz zusammenzufallen; einen Wendepunkt aber im 
«nathematischen Sinne kann ein magnetischer Meridian nur da haben, wo er die 
Isogone des Ortes berührt, also bein Zusammentreffen mit der agonischen Linie 
nur dort, wo diese nord—südlich verläuft. 
Herr van Bemmelen hat nach alten Schiffsbeobachtungen Karten mag- 
netischer Meridiane für 1600, 1650 und 1700 konstruiert, die zuverlässiger als 
die Karten von Halley und Hansteen erscheinen, und nach ihnen die Bahn 
des Poles im Norden durch graphische Extrapolation bestimmt. Seine Annahmen 
geben dabei wenig Anlafls zu ernsten Bedenken, 
Herr H. Fritsche berechnet nach der Gaufsschen Theorie die Ko6ff- 
zienten, und zwar nicht wie Gaufs, Petersen, Neumayer 24, sondern 48 Glieder. 
Dabei sind seine Rechnungen auf je 12 äquidistante Beobachtungsorte auf 
17 Parallelkreisen basiert und für die Epochen 1600, 1650, 1700, 1780, 1842, 
1885 durchgeführt. Da das Beobachtungsmaterial für die Epochen vor 1842 
nicht ausreicht, macht Fritsche darüber eine Anzahl von Hypothesen, die dem 
Material eine so geringe Zuverlässigkeit geben, dafs sie zu der grofsen Mühe 
der Berechnung in gar keinem Verhältnis mehr steht. Immerhin schliefst sich 
Herr Schütz der abfälligen Kritik, die die Fritscheschen Arbeiten deshalb 
anderwärts gefunden haben, nicht an. Kr zeigt vielmehr, dafs für 1700 die Anu- 
gaben von Fritsche mit den Inklinationsbeobachtungen von Feuillge besser 
übereinstimmen als die Hansteensche Inklinationskarte. Übereinstimmend finden 
van Bemmelen und Fritsche, daß der Magnetpol im Norden seit 1650 bis 
1885 etwa von 80° N bis 70° N gewandert ist. Gegenwärtig nimmt van Bem- 
melen eine mehr nordwärts, Fritsche eine noch südwärts gerichtete Bahn des 
Poles an. 
Zum Schlusse seines interessanten Buches, dem fünf anschauliche Karten 
beigefügt sind, gibt Herr Schütz folgende Gesichtspunkte an: 
Die Deklination liefert am meisten Material zur Untersuchung der Pol- 
wanderung. Fritsches Rechnungen, die auch für 1900 die Lage des Poles 
geben, wären zur Vorausbestimmung verwendbar, wenn sich noch weitere 
Garantien für die Zulässigkeit seiner Annahmen ergeben. Vielleicht läfst sich 
die Lage des Poles einwandfrei mit der des Endpunktes der magnetischen Axe 
in Beziehung setzen (van Bemmelen fand ungefähr gleichbleibende Distanz 
zwischen beiden). Experimentelle Festlegungen der Pole sollten etwa dreimal 
im Jahrhundert stattfinden. Es wird deshalb freudig die Ausrüstung der Süd- 
polar-Expeditionen und der des Herrn R. Amundsen, der im Sommer 1903 zur 
Aufsuchung des arktischen Magnetpoles aufbricht, begrüfst.
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.