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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

Schütz, Dr.: Die Lehre. von dem Wesen. und den Wanderungen der magnet, Pole der Erde. 63 
Erdpole genau dieselbe Rolle wie die magnetischen, während sie gar kein 
magnetisches Interesse haben. Dem Wert der Isogonenkarten als graphischer 
Tabellen und für das Erkennen magnetischer Störungen wird Verfasser gerecht. 
Wohl nicht ganz zutreffend hält. er die magnetischen Meridiane für weniger 
natürliche Linien als ihre rechtwinkligen Trajektorien, die Aquipotentiallinien. 
Beide liefern bezüglich der magnetischen Gesamtkraft in gleicher Weise die 
Vertikalebene, in die sie fällt. Dagegen erkennt er den Wert der magnetischen 
Meridiane an, indem er ihre Einzeichnung in Karten orthographischer Projektion 
empfiehlt und die Definition der magnetischen Pole, als der Schnittpunkte der 
magnetischen Meridiane, als zulässig bezeichnet, wie sie denn auch yan Bemmelen 
auf das glücklichste zur Konstruktion der Pole benutzt hat. Es mag hierbei 
auf einen Unterschied in den Beziehungen der magnetischen Meridiane und der 
Isogonen zum Polproblem hingewiesen sein: Als Schnittpunkt. der Isogonen 
könnte man den Magnetpol nicht definieren, da ja auch die astronomischen Pole 
dieser Definition. entsprächen. Und wenn auch Isogonen jeder Kotierung durch 
die Magnetpole gehen, so. gelangt man doch nicht von jedem Ort der Erde, auf 
seiner Isogone vorwärts gehend, zu den Magnetpolen (Beispiele: Schanghai, 
Marquesas), während der magnelische Meridian von jedem Ort der Erde aus zu 
beiden Magnetpolen führt. Die Erfahrung hat nur zwei magnetische Erdpole 
ergeben. Sie können bestimmt werden: 1. durch Beobachtung an Ort und Stelle; 
2. durch Interpolation aus Beobachtungen in ihrer Nähe; 3. durch Berechnung 
aus polfernen Beobachtungen. Alle drei Methoden sind zur Anwendung ge- 
kommen. 
Aus der hochinteressanten geschichtlichen Darstellung, die von 1190 
bis auf unsere Zeit reicht, sei folgendes erwähnt: 1492 findet Columbus die 
räumliche, 1635 Gellibrand die zeitliche Veränderlichkeit der Deklination. 
1546 definiert Mercator den Pol als Schnittpunkt der magnetischen Meridiane 
(eine Karte Mercators mit Angaben des magnetischen Poles im Norden wird 
von Herrn Schütz reproduziert). 1581 verlegt Normann den Sitz der erd- 
magnetischen Kraft ins Erdinnere und betrachtet die Pole lediglich als Treff- 
punkte der magnetischen Meridiane, Bond, 1668 und 1672, nimmt zwei mag- 
netische Pole und eine gegen die Erdaxe geneigte magnetische Axe an. 1683 
gibt Halley vier Pole an, davon zwei fest in der Erdrinde, zwei auf einem 
getrennt von der Rinde rotierenden Nucleus. Euler 1756 definiert die Pole 
als Punkte, in denen die magnetische Totalkraft vertikal ist; er berechnet die 
maguetische Verteilung unter Annahme eines ezzentrisch in der Erde gelegenen 
Magneten. Hansteen (1819) kehrt zu vier Polen zurück, die er mit ver- 
schiedener Geschwindigkeit umlaufend annimmt, so dafs nach 25 800 Jahren 
immer dieselbe Konstellation wiederkehrt. Am 1. Juni 1831 erreicht J. Rofs 
den arktischen Magnetpol. (Herr Schütz gibt im Anhang seines Buches die 
interessanten Originalberichte von Rofs in deutscher Übersetzung.) Auch für 
den Süden wird die Existenz nur eines Magnetpoles wahrscheinlich. Die Gaufs- 
schen Berechnungen nach je 12 Stationen auf sieben Breitekreisen ergeben eben- 
falls nur zwei Pole, deren Bedeutung durch die Gaufsschen Arbeiten selbst, 
wie durch Amperes Theorie stark geschwächt erscheint. Die magnetische Axe 
nach Gaufs als die Richtung, in der die Erde ihr maximales Moment hat, fällt 
nicht mit der Verbindungslinie der Pole zusammen. Sind kosmische Kräfte die 
Ursache der Säkularänderungen des Erdmagnetismus, so ist die größsere Wichtig- 
keit der magnetischen Axe den Polen gegenüber klar. 
Von neueren, auf die Wanderung der Pole bezüglichen Arbeiten bespricht 
der Verfasser genauer die von G. D. Weyer, „Astronomische Nachrichten“, 
1894, Band 136, Spalte 209 bis 222, von H. Fritsche: „Die Elemente des 
Erdmagnetismus für 1690, 1650, 1700, 1780, 1842 und 1885 und.ihre. säkularen 
Änderungen, berechnet mit Hilfe der aus allen brauchbaren Beobachtungen ab- 
geleiteten Koeffizienten der Gaufsschen Allgemeinen Theorie des Erdmagnetismus, 
St. Petersburg 1899“ und von W. van Bemmelen: „Die Säkularverlegung der 
magnetischen Axe der Erde. Observations made at Batavia, Vol. XXI, 
Append. I, 1900.“ 
Herr Weyer konstruiert Schnittpunkte der als gröfste Kugelkreise aus- 
gezogenen Kompafsrichtungen von je acht Paaren von Orten jeder Halbkugel 
für 1680, 1710, 1740, 1770, 1800, 1830, 1860 und 1890, und findet so eine
	        
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