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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

Plan für Hafenschutzbauten in Genua mit Rücksicht auf die Sturmverhältnisse. 57 
Kopf höchstens etwa 300 m vom Kopfe ‘des Duca di Galliera-Dammes entfernt 
sein soll. Aber bei dem oben geschilderten Verlauf der Sturmbahnen und der 
daraus folgenden Drehung der stürmischen Winde würde bei solchen Anlagen 
doch stets eine Öfnung von 300 m Breite für den einlaufenden Seegang bleiben. 
Um vollständigen, wirklich genügenden Schutz zu haben, mufs der Seegang aus 
jeder Richtung auf ein Hindernis treffen. Einige der früheren Pläne für solche 
Schutzbauten sind auf Tafel 2 eingetragen. Im Jahre 1893 wurde vorgeschlagen, 
von der Stella-Batterie aus einen stark gekrümmten Damm (II auf Tafel 2) zu 
erbauen, der eine nach Süden offene Einfahrt von 300 m Breite freilassen 
sollte; durch diese Einfahrt mufste natürlich der Seegang aus dem zweiten und 
dritten Quadranten eindringen. Um die Einfahrt wirksam zu schützen, hätte 
man noch einen halbmondförmigen Wellenbrecher, etwa wie in Livorno, auf 
sehr grofsen Tiefen vorbauen müssen. Bei alledem würde der bis zur Küste 
geführte Damm den Abflufs, der schmutzigen Abwässer aus dem Hafen nahezu 
völlig gehemmt haben. Ähnliche Pläne sind in gröfserer Zahl entworfen 
worden; beachtenswert sind davon die mit III und IV auf Tafel 2 bezeichneten; 
II ist ein geradliniger Wellenbrecher, der nicht bis zur Küste reicht, und IV 
ist ein von der Küste auslaufender schwach gekrümmter Damm. Sowohl Damm 
III wie IV sind ungefähr nach SW gerichtet und lassen eine Einfahrt von etwa 
300 m frei, die aber nach SW offen ist. Einen Riesenbau von ungeheuern 
Kosten enthält der auf Tafel 2 eingetragene Plan V; es ist ein stark nach 
aufßsen gekrümmter Wellenbrecher, der von der Küste unmittelbar neben der 
Bisagno-Mündung ausläuft und mit kreisförmiger Krümmuhg bis vor den Kopf 
der Duca di Galliera - Mole geführt werden müfste, und zwar so weit, dafs die 
300 m breite Einfahrt nach NW offen sein würde. Welche hohen Kosten 
solcher Bau machen müfste, geht schon daraus hervor, dafs der Wellenbrecher 
zu seiner größeren Hälfte auf Tiefen von 20 bis 39 m erbaut werden müfste. 
Auch würde für grofse Schiffe besonders bei südwestlichen Winden das Ein- 
laufen in die nach NW gerichtete Einfahrt sehr schwierig sein. 
Betrachtet man die verschiedenen früheren Pläne (I bis V auf Tafel 2), 
so kann man für die Lösung der Aufgabe wegen des zweckmäfsigsten Hafen- 
schutzes folgende Grundsätze ableiten: 
1. Die Einfahrt mufß sowohl gegen SO, wie gegen SW geschützt werden. 
2. Die Einfahrt kann nach SW offen sein. 
3. Die Einfahrt müfste des Seegangs wegen mindestens auf 300 m ver- 
engert werden, aber des Verkehrs halber ist es erwünscht, dafs sie breiter wäre. 
4. Der Schutz gegen SO mufs derart sein, dafs er den gerade auf den 
inneren Hafen gerichteten gefährlichen Seegang verhindert, bis in das innerste 
Hafenbecken zu gelangen; dieser Schutz mufs aber auch so beschaffen sein, 
dafs er den Abflufs der schmutzigen Abwässer der Stadt Genua nicht hindert. 
5. Die Schutzbauten dürfen nicht auf grofse Wassertiefen hinausgeführt 
werden, um nicht zu teuer zu werden und nicht an Haltbarkeit einzubüfsen. 
Auf diesen Überlegungen beruht Kapt. Salvatore Raineris Plan, der 
zugleich auf die eigentümlichen Witterungsverhältnisse im Golf von Genua ge- 
bührend Rücksicht nimmt. Die von Raineri geplanten Schutzbauten sind mit 
ihren Stirnflächen nach SSO gerichtet, geben also den wirksamsten Schutz gegen 
südöstliche Winde. Von seinen vier Wellenbrechern a, b, c, d (auf Tafel 3) 
ist der äußerste, a, der gröfste, der innerste, d, der kleinste und der Küste 
nächstgelegene, Die Anordnung hintereinander ist schuppen- oder fächerförmig 
derart, daß keine Lücken zum Durchlassen von Wellen bleiben, die bis in den 
Hafen hineinlaufen könnten. Die W-Enden der vier Wellenbrecher sind ein- 
ander gleichgerichtet und laufen alle nach S 79° W, während die vier Ostseiten 
sich allmählich, und zwar die Ostseite des innersten Wellenbrechers d am 
meisten, dem .Lande zuwenden. Der gefährliche Scirocco, der SO-Wind, wird 
also unmittelbar aufgehalten. Der SW-Wind (Libeccio) dringt zwischen die vier 
Wellenbrecher, . trifft aber überall noch die Stirnseiten der Rainerischen 
Wellenbrecher und prallt dann von ibnen in östlicher Richtung ab, kann also 
den Hafen nicht beunruhigen. Falls durch Raineris Plan die äufsere Reede 
bei südlichen Winden noch nicht genügend geschützt werden würde, könnte 
die Duca di Galliera - Mole noch sehr gut um etwa 100 m verlängert werden; 
die Hafeneinfahrt würde dann immer noch etwa 400 m breit bleiben und würde 
Ann. d. Hydr. ote., 1903, Heft Il.
	        
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