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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1903. 
Das Ligurische Meer ist auf seiner nördlichen Seite von Land in einem 
Halbkreise umgeben, in dessen Scheitel Genua liegt. Aber nicht allein den 
bewegten Wassermassen wird dadurch ein sie ablenkendes Hindernis entgegen- 
gesetzt, sondern da der Apennin und die Seealpen in diesem Halbkreise bis an 
die Küste herantreten, so begünstigt offenbar diese Gestaltung auch die häufigere 
und stärkere Entwickelung cyklonaler Luftströmungserscheinungen in den unteren 
Luftschichten. In der Tat treten Luftdruckminima mit dem sie umgebenden 
Windsystem im Mittelmeere am häufigsten über dem Ligurischen Meere auf. 
Wie günstig die dortigen Verhältnisse für die Ausgestaltung cyklonaler Wind- 
systeme sind, geht aus den Tatsachen hervor, dafs daselbst einerseits im Rücken 
eines Luftdruckminimums, das in östlicher Richtung die Halbinsel überschritten 
hat, sich häufig ein neues Luftdruckminimum entwickelt, und andererseits auch 
in vielen Fällen ein Luftdruckminimum über dem Ligurischen Meere erscheint, 
wenn im Norden Europas eine Depression ostwärts zieht. 
Die Stürme, welche das Ligurische Meer heimsuchen, können in drei 
Gruppen eingeteilt werden. 
Zu der ersten Gruppe sind die Stürme zu zählen, welche ein über das 
Ligurische Meer und den Golf von Genua selbst in östlicher Richtung hin- 
ziehendes Minimum umgeben. In diesen Fällen wird das Meer östlich von der 
Länge Genuas durch südöstliche Winde aufgeregt und angetrieben, während 
die südlich vom Depressionszentrum wehenden südwestlichen Winde das Wasser 
gegen die Westküste des Ligurischen Meeres treiben und durch diesen Anstau 
die längs dieser Küste nach NW gerichtete Bewegung noch verstärken. Es 
besteht so im Scheitel des Golfs von Genua ein südöstlicher Seegang, während 
die Winde daselbst ablandig sind. Demnach rufen also die in einiger Entfernung 
wehenden südlichen Winde den Seegang hervor. Dieser Umstand macht sich 
auch darin bemerkbar, dafs nach Beobachtungen der südöstliche Seegang den 
Hafen vor dem Winde erreicht. 
Bei der zweiten Gruppe der Stürme des Golfs von Genua besitzt der 
Cyklon einen gröfseren Durchmesser, und das Minimum des Luftdruckes zieht 
in etwas gröfserer Entfernung über die Inseln Corsika und Sardinien hin. Dann 
weht über dem Golf von Genua eine stürmische und böige Tramontana (N-Wind), 
Die dritte Gruppe der Stürme des Golfs von Genua entsteht, wenn eine 
Depression über dem Po-Tale sich befindet oder eine grofse Depression über 
Mitteleuropa liegt und ihren Einflufs bis zum Mittelmeere ausdehnt, Dann 
weht der Sturm über dem Golf von Genua aus südwestlicher Richtung und 
treibt unmittelbar in dieser Richtung die See auf den Hafen von Genua zu. 
Der damit erzeugte südwestliche Seegang ist, im Gegensatz zum südöstlichen 
Seegang, am höchsten, wenn der Sturm seine gröfste Stärke erreicht hat. 
Durch diese dargelegten Umstände ist Raineris Ansicht, dafs der Hafen 
von Genua sowohl gegen südwestlichen als auch südöstlichen Seegang zu 
schützen sei, also wohl begründet. 
Kapt. Salvatore Raineri glaubt nun, dafs ein einziger gradlinpiger 
Wellenbrecher, wie ihn der Chefingenieur des Bauwesens, Herr Inglese, vor- 
geschlagen hat (vgl. I auf Tafel 2), nicht genügen würde, weil durch die 300 m 
breite, nach SO offene Einfahrt immer noch sehr viel Seegang eindringen und 
sich geradeswegs bis in den innersten Hafen fortpflanzen kann, dorf also wie 
bisber Schaden anrichten würde. Auch würde der Raum innerbalb des Wellen- 
brechers ] viel kleiner als bei den anderen Plänen sein, käme also als äufserer 
Liegeplatz für Schiffe nur wenig in Betracht. Besonders würde bei diesem 
Wellenbrecherbau die Innenseite des äufseren Armes der Duca di Galliera- 
Mole immer noch bei Winden aus dem zweiten und dritten Quadranten vom 
zurücklaufenden oder auch vom gerade darauf gerichteten Seegange getroffen 
werden, so dafs dieser prächtige Damm auch dann nicht als Liegeplatz benutzt 
werden könnte, wenn der Wellenbrecher I gebaut würde. Aber dafs die Ein- 
fahrt überhaupt durch Bauten geschützt werden mufs, darüber herrscht volle 
Übereinstimmung in allen den Plänen, die im Laufe der letzten Jahre auf- 
getaucht sind, um Genua vor dem Seeganuge zu schützen. Verschiedene Vor- 
schläge wollen die Duca di Galliera - Mole noch verlängern oder einen mehr 
oder weniger stark gekrümmten östlichen Wellenbrecher anlegen, dessen Wurzel 
zwischen der Bisagno - Mündung und der Stella-Batterie liegen soll und dessen
	        
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