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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

Plan für Hafenschutzbauten in Genua mit Rücksicht auf die Sturmverhältnisse, 55 
Eindringen von Seegang aus jeder Richtung in den Vorhafen und inneren Häfen 
von Genua und schützen überdies eine neue Reede von etwa 52 ha. Gröfse 
züdwärt von der Giano-Mole. Die Haupteinfahrt in den Hafen behält 500 m 
Breite und ist nach SSW offen. Aufserdem bleiben noch nach Osten hin drei 
andere breite Einfahrten, die für kleinere Schiffe und Boote nutzbar sind und 
zugleich dem Wasser freie Bewegung gestatten; die zweite Einfahrt ist sogar 
für Schiffe gröfsten Tiefganges brauchbar. Der Hafen ist also für den Verkehr 
so gut wie offen und doch genügend ‚gegen Seegang geschützt. 
Zur näheren Prüfung des Planes von Raineri wird es angezeigt sein, 
einige Bemerkungen über den jetzigen Zustand des Hafens und seine meteoro- 
logischen Verhältnisse zu machen und alsdann auch diejenigen älteren Vor- 
schläge für Schutzbauten zu betrachten, die in der bisher üblichen Form ein- 
facher Wellenbrecher die Aufgabe zu lösen suchen, ; 
Der Wellenschlag im Hafen von Genua bei südöstlichen und südwestlichen 
Winden ist den dort verkehrenden Seeleuten schon so bekannt, dafs man wie 
über ein unheilbares Übel kaum noch einzelne Klagen darüber hört. Trotzdem 
sind die Fälle viel häufiger, als. man denkt, dafs das Löschen und Laden sogar 
im inneren Hafenbecken erschwert oder ganz unterbrochen wird. Der schwerste 
Seegang dringt von SO herein, durch die etwa 700 m breite Hafeneinfahrt an 
der Innenseite der Duca di Galliera-Mole; er trifft nur zum Teil die Giano- 
Mole, läuft zur Hauptsache weiter bis zur inneren sogenannten Alten Mole und 
dringt zwischen deren Kopf und dem Kopfe des kürzlich erst verlängerten 
Biagio Assereto-Hafendammes bis in das alte innerste Hafenbecken ein. Raineri 
erinnert .an den Schaden, den der Seegang in der stürmischen Nacht des 
27. November 1898 innerhalb der alten Molen in. dem Mandraccio-Hafenbecken 
angerichtet hat. Trotz des grofsartigen Baues des äufseren Armes der Duca 
di Galliera-Mole bleibt der Hafen von Genua offen gegen Seegang aus SO, 
und bei südwestlichen Winden, die auch‘ einen Aufstau des Wassers im Golf 
von Genua hervorrufen, wird auch ein starker Teil des die Küste bei der Stella- 
Batterie treffenden Seeganges durch Rückstofswirkung in den inneren Hafen 
hineingeworfen; die Richtung der Giano-Mole mufs das Eindringen dieses 
zurückprallenden Seeganges noch geradezu begünstigen. ‘ Die letzten Arbeiten 
im inneren Hafen, nämlich die Auffüllung des Mandraccio-Beckens, die Verlängerung 
des Federigo Guglielmo-Anlegedammes und des Biagio-Assereto-Dammes sowie die 
Verbreiterung des Caracciolo-Dammes haben an diesen Verhältnissen auch nicht 
das geringste gebessert. Auch die teils im Bau befindlichen, teils noch ge- 
planten Kaianlagen an der Südseite der Alten Mole können nur zweckdienlich 
und brauchbar sein, wenn zuvor die Hafeneinfahrt gegen den Seegang geschützt 
wird. Man hat sogar beobachtet, dafs seit der Verlängerung des Biagio-Assereto- 
Dammes der Seegang noch stärker in den inneren Hafen hineinprallt, weil die 
200 m breite Stirnfläche dieses verlängerten Dammes dem Seegange eine bessere 
Prallfläche bietet, als früher. Man darf auch nicht vergessen, dafs sowohl SO- 
als SW-Winde das Wasser in den Hafen hineintreiben und darin aufstauen, 
wodurch der unruhige Wellenschlag im Hafen noch vermehrt wird. In solchen 
Fällen, bei besonders ungünstiger Witterung,. wird die Arbeit im Hafen voll- 
kommen gelähmt. Bedenkt man, wie viele Schiffe täglich im Hafen liegen, so 
kann man leicht übersehen, dals der Schaden für die Reedereibetriebe schon 
grofs ist, wenn nur an einem Tage im Hafen des Wetters wegen nicht gearbeitet 
werden kann, und doch müssen alle Reeder- vorläufig mit der Möglichkeit 
solchen Schadens in Genua rechnen. Nach Raineris Berechnung liefen im 
Jahre 1901 durchschnittlich alle 10 Tage 67 Segler von 8255 Registertonnen und 
100 Dampfer von 133000 Registertonnen Nettoraum ‚in den Hafen von Gema 
ein. Daraus ergibt sich, wie wichtig es für den Verkehr ist, dafs jeder innere 
Liegeplatz im Hafen täglich ohne ‚Rücksicht auf die Witterung stets zum 
Löschen und Laden verfügbar sel. 
Die Lage Genuas in topographischer Beziehung und zu den meteoro- 
logischen Erscheinungen, die bei den Stürmen und für den Seegang im Golf 
von Genua in Betracht kommen, .ist in der Tat eine so eigenartige, dafs sie 
wenigstens einer kurzen Schilderung bedarf. Eine solche Schilderung wird die 
Rücksichtnahme Raineris auf diese zusammenwirkenden Verhältnisse bei der 
Wahl der Schutzmittel für den Golf von Genua wohl rechtfertigen.
	        
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