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Annalen der Hydrographie und Maritimen Moteorologie, Februar 1903
bruch der Vulkane: Tacang, Tajumulco und Cerro Quemado, alle von hier aus
in Entfernungen von 60 bis 80 km täglich sichtbar.
Das Erdbeben oder die Erdbeben vom 23. und 24. September waren in
jeder Hinsicht total verschieden von denjenigen, welche zur Serie des 18. April
yehören. Es war kein Stofßs mit nachfolgender scharfer Wellenbewegung,
sondern ein langes langsames Wiegen. Das erste dieser Beben, zugleich das
längste und stärkste, war am 23. Septemher 2* 20" N, dauerte hier 655%, also
in Wirklichkeit wohl bedeutend länger, da Anfang und Ende zufolge unseres
Sanduntergrundes wohl nicht genau beobachtet werden konnten. Die Empfindung
war die eines langsam rollenden Schiffes, man sah die langen langsamen
Wellen auf dem Boden, man sah die Gebäude sich langsam neigen, kurz es
war von dem andern wohl stärker aber rascher vorbeigehenden Beben total
verschieden. Die Richtung dieses Bebens war SO—NW also mehr oder
weniger senkrecht zur Küstenlinie, und die Auslösung des Bebens war meiner
Meinung nach entschieden verursacht durch ein schweres tiefes barometrisches
Minimum, welches über dem Golf von Tehuantepec oder etwas nördlich davon
iag, und seit dem 22. September mittags, aus Süden kommend, an Ocös vorbei-
ziehend sich seit Mitternacht 22./23. dort befand. Dieses Minimum mufs wie
ein Schröpfkopf auf Atmosphäre, Wasser und Erde gewirkt haben. Was die
Verbreitungszone dieses Bebens anbelangt, so ist selbe von derjenigen des
{8. April sehr verschieden: das Hauptschüttelgebiet des letzteren lag von
Tapuchulu bis. San Salvaldor und von der Höhe der Vulkane oder wenige
Kilometer nördlich hiervon bis zur Küstenlinie, also genau die oben beschriebene
Scholle, während dasjenige vom 23. September als Zentrum die Gegend von
Salina Cruz (Golf von Tehuantepec) hatte, es wurde sehr stark gefühlt in
Tonal£,desgleichen in Tuxtla Gutierrez und San Cristobal, Comitan, Huehuetenango
und in ganz Guatemala bis zur Hauptstadt Guatemala selbst, beschränkte sich
also nicht nur auf die mehrfach erwähnte Scholle, sondern griff insbesondere auch
auf das granitische Massengebirge von Comitan-—Huchuetenango über, wo
verhältnismäfsig der gröfste Schaden angerichtet wurde (z. B. Tuxtla Gutierrez
ist zur Hälfte zerstört). Von der Gewalt des für hiesige Begriffe sehr schweren
Sturmes am 23, September mag die Tatsache einen Begriff geben, dafs der
Dampfer „San Jose“, der Pacific Mail S. S. Co. gehörend, etwa 1500 Register-
tonnen, der aus Acapulco Richtung nach Ocös am 22. abging, von dem Cyklon
gefafst und 70 Meilen aus seinem Kurs nach Westen geworfen wurde, wobei er
seine Boote ete. verlor.
Plan für Hafenschutzbauten in Genua mit Rücksicht auf die Sturm-
verhältnisse.
(Hierzu Tafeln 2 und 3.)
Um den gewichtigen Einflufs der Witterungsverhältnisse auf die richtige
Form einer Hafenanlage zu erläutern, soll im nachstehenden ein sehr geistreich
ersonnener Plan zum Schutze der Hafeneinfahrt von Genua besprochen werden,
den der ausgezeichnete italienische Fachmann Kapt. Salvatore Raineri,
Verfasser des vorzüglichen Werkes „La Marina Mercantile Germanica“ (Rom 1892),
kürzlich den genuesischen Hafenbehörden vorgelegt hat. Der Plan ist darin
völlig neu und eigenartig, dafs er wohl zum eretenmale überhaupt auf Grund
von meteorologischen Beobachtungen über die Eigentümlichkeit der den Hafen
treffenden Stürme aufgestellt ist und in seiner Anordnung ganz unmittelbar den
Verlauf der aus den Wetterkarten gefundenen Sturmbahnen berücksichtigt.
Durch ein sehr zweckmäfsiges System von vier von einander unabhängigen
Wellenbrechern ist Raineri imstande, die mannigfachen früheren Fehler, die
bei der Anlage der älteren und neueren Hafenschutzbauten in Genua begangen
worden sind, zu bessern,
Der Vorschlag Salvatore Raineris ist auf Tafel 3 wiedergegeben. Die
vier schuppenförmig angeordneten Wellenbrecher a, b, ce und d verhindern das