List, K.: Erdbeben an der Küste Guatemalas im Jahre 1902 etc.
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Seitdem haben wir jeden Monat an dem Tage, dessen Mondphase dem
18. April entspricht und zur Zeit des Durchganges des Mondes durch den
Meridian, also am 3. oder 4. Tag nach dem ersten Viertel, ein oder mehrere
Erdbeben.
Anfang Mai: 4. Hagelfall im Gebirge, schwere Gewitter, an der Küste
sehr hohe Flut; 10. und 1l. Mai: Erdbeben = Sonnenfinsternis, Zenitstand
der Sonne.
Ende Juni: ‘ Atmosphärische Störungen, häufige Gewitter, sehr hohe
Fluten == Solstitium.
Anfang August: Sehr hohe Fluten, Erdbeben = Zenitstand der Sonne.
23. und 24, September: Cyklon, hohe Fluten, schwere See, schwere Erd-
beben = Äquinoctium; ein zweiter weniger schwerer Cyklon am 2. Oktober
und seitdem allmähliches Aufhellen des Wetters.
Die ganze Küste von Gutemala bis Mexico, von Acajutla bis Salina Cruz,
ist sehr leichter fein- und gleichkörniger vulkanischer Sand, ein Gürtel etwa 100
bis 300 oder 500 m breit, dem nach innen die brackische Lagune (estero) folgt,
welche beinahe stete durch eine der vielen Flufsmündungen mit der See in
Verbindung steht, demnächst folgt das Festland mit seinem Gürtel von Mangrove-
Busch: Untergrund meist harter Lehm mit mehr oder weniger Kies und Sand
oder Steinen. Seit vielen Jahren zeigte der Strand kaum eine Anderung, die
Brandung frafßs wohl einmal ein paar Meter Sand heute weg, gab selben aber
nach zwei oder mehr Tagen stets wieder auch meist am gleichen Platz zurück.
Das hat sich seit Mai gründlich geändert, ‚erst langsam, allmählich aber mit zu-
nehmender Begierde frafs die Brandung den Strand ab, gleichzeitig natürlich die
Düne überflutend, und an manchen Stellen, wie z. B. in Oc6ös, unbewohnbar
machend. In den. letzten Tagen vor und während des Cyklons (23. Sept.) ging
es aber dann mit Riesenschritten, so dafs an manchen Stellen bis zu 50 und 60 m,
in Salina Cruz bis zu 100 und 150 m Strand weggefressen wurden. Der Grund
hierfür ist natürlich die gröfsere Fluthöhe; so lange als diese jahrelang sich
gleich blieb, war alles im Gleichgewichte, von dem Augenblick an aber, wo
durch Eintritt der hohen Fluten das Gleichgewicht gestört war, mufste so viel
vom. Strande zum Opfer fallen, als notwendig war, um einen neuen Gleich-
gewichtszustand zu finden. Dies scheint nunmehr seit Anfang Oktober der Fall
zu sein, der Strand ist jetzt überall viel flacher, fällt etwa 1:8 bis 1:10,
während er früher 1:5 abfiel, es liegt ihm nunmehr eine Sandbank von durch-
schnittlich 100 m Breite vor, welche bei Ebbe beinahe vollständig trocken liegt.
Dafs diesem Abfressen des Strandes eine Menge Gebäude allenthalben
zum Opfer fielen ist um so natürlicher, ‚als alle wertvolleren Gebäude in unseren
sogenannten Hafenplätzen nach alter Gewohnheit auf der äufsersten Düne
stehen, also dem ersten Anprall des Meeres ausgesetzt sind. Die größten Ver-
wüstungen sind wohl in Oc6s und Salina Cruz vorgekommen, insbesondere an
letzterem Orte, wo der Cyklon vom 23. September in dem verrufenen Golf von
Tehuantepec wüst gehaust hat; die neuen Hafenbauten, Magazine und Wohn-
gebäude, Wellenbrecher, Landungssteg, Leuchtfeuer etc., alles fiel oder wurde
von der See verschlungen.
Noch ein paar Worte über Erdbeben: Dasjenige vom 18. April, höchst-
wahrscheinlich ausgelöst durch planetarische (Mond und Sonne) Attraktion, ist,
wie alle die vielen folgenden, ein rein tektonisches, auf einer Scholle; welche
abgesunken ist, auf unserer Vulkanlinie, und abgebrochen auf einer dieser mehr
oder weniger parallelen Linie etwa 70 Meilen seewärts, dort, wo der seichte
Meeresgrund plötzlich nach dem tiefen Ozeanbecken abfällt. Sowohl das grofse
Beben vom 18, April, als alle die vielen folgenden, haben hier, wo die Richtung
sich unverfälscht ohne alle lokale Ablenkung beobachten läfst, dieselbe Richtung
aus SW oder SSW gehabt.
Von Vulkanismus ist absolut keine Rede, an unseren Vulkanen haben Berg-
stürze in Masse stattgefunden, aber die wenige vulkanische Tätigkeit, wie
Fumarolen, heiße Quellen ete., haben absolut keine Anderung erlitten. Es
wird viel von erneuter Tätigkeit des Vulkans Zzalco (in Salvador) und Colima
in Mexico) geredet, wird wohl aber auch damit, in der Nähe besehen, nicht
anders sein, als mit den vielen vollständig unwahren Gerüchten über den Aus-