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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1903,
Den 13 regnerischen Tagen in diesem Herbst stehen 15 solcher Tage
im Herbst 1901 und 17 im Herbst 1900 gegenüber.
Die Winde, im September und November hauptsächlich aus nördlichen,
im Oktober zum überwiegenden Teile aus südlichen Richtungen kommend, er-
reichten eine mittlere Stärke von 2,1 der Beaufort-Skala. Zur Zeit der täg-
lichen drei Beobachtungstermine wurden im diesjährigen Herbst an folgenden
Tagen stärkere Winde beobachtet: am 3./9. NW 7, am 22./9. WNW 6, am
23.9. WNW 7, am 24./9. NW 8 und 7, am 29./10. NNO 6, am 13./11. NNW 7,
am 19,/11. SSW 6, am 20./11. NNO 7 und am 21./11 NNW 6.
Erdbeben an der Küste Guatemalas im Jahre 1902
und deren Folgeerscheinungen.“
Mitgeteilt von Karl List, Königlich Württembergischer Regierungsbaumeister und Betriebsleiter
der Oc6s-Eisenbahn.
Das Erdbeben vom 18. April 1902 wurde in Oc6s am heftigsten an unserer
ganzen Küste gefühlt; der Stofs kam von SW oder SSW. Die Erdbebenwelle
ist in unserem Sandboden (etwa 300 bis 400 m breit, feinster gleichmäfsiger
rulkanischer Sand), desgleichen in den Fufsböden unserer Holzhäuser sowie auf
der Plattform unseres eisernen Landungsstegs heute noch zu sehen; die Wellen
3ind 25 bis 30 m lang und bis zu 15 und 20 cm tief. Etwa 100 bis 150 m vom
Beginn des Festlandes (harter Lehm mit Kies und Sand) brach sich die Erd-
vebenwelle in dem Sande zwei- bis dreimal unter genau den gleichen KEr-
scheinungen wie beim Brechen der Brandungswelle auf dem Strande; die da-
durch entstandenen Gruben, welche bis zu Mannestiefe hatten, sind heute noch,
soviel mir bekannt, in meilenweiter Ausdehnung Küste auf und Küste ab zu
sehen; die Einzelheiten, wie sie kurz nach dem Erdbeben zu sehen waren:
Aufbrechen und Überfallen des Sandes sind natürlich heute durch Regen und
Wind zerstört. In unserem Eisenbahngeleise liefsen sich die Wellen des Erd-
bebens noch auf etwa 200 m auf dem Festlande (der oben erwähnte harte Lehm)
verfolgen, die Wellen waren dort allerdings länger: 50 bis 75 m und weniger
tief (etwa 5 cm); weiter nach dem Innern waren keine Störungen mehr zu
veobachten.
Seit dem 10. Mai d. J. haben Störungen in dem normalen Verlauf der
Fluten an unserer ganzen Küste, und davon herrührend, Anderungen des
Strandes stattgefunden, welche mit dem Cyklon vom 23. und 24. September ihr
Maximum erreichten und allenthalben schweren Schaden angerichtet haben.
Die normale Flut ist hier etwa 1,5 m (5 Fuß engl.); es begab sich nun, dafs
während der Monate Mai, Juni, Juli und bis Mitte August die Flut 2 bis 2,5 m
(7 bis 8 Fuß) betrug, wobei der normale Ebbestand nie erreicht wurde, die Ebbe
olieb stets etwa 0,3 m (1 Fufs) über dem normalen Stand. Erst seit Mitte August
ging das Niederwasser auf seinen alten Stand zurück, dagegen ist aber das Hoch-
wasser immer noch 0,3 m (1 Fufs) höher als unter normalen Verhältnissen.
Nachstehendes Verzeichnis ist eine kurze Aufzählung der meteorologischen
etc. Vorkommnisse seit Beginn April:
. Seit 8. April: Atmosphärische Störungen, an der Küste heftige, um diese
Zeit ungewohnte Windböen mit Gewitter, im Gebirge Hagelschlag; am 16.
und 17. April: Schwere See der ganzen Küste entlang; 18. April: Erdbeben, während
der Mond durch den Meridian geht und Sonne und Mond an diesem Tage mehr
oder weniger auf derselben nördlichen Breite stehen.
1) Diese von Herrn List der Seewarte in dankenswertester Weise am 18, Oktober v. J. zu-
gesandten Mitteilungen werden hiermit im Wortlaut wiedergegeben, um den Eindruck derselben, den
die lebhafte Schilderung des von dem Einsender selbst Erlebten und Beobachteten hervorruft, nicht zu
schmälern. Über den Cyklon vom 23. bis 24. September 1902 an der Westküste Mittelamerikas
liegen zur Zeit hier weitere Berichte noch nicht vor; es wird vorbehalten, nach etwaigem Eingang
solcher daranf zurückzukommen. (D. Red.)