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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

568 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1903, 
bis Pommern meist steife und vielfach stürmische Winde am 12. aus dem Süd- 
ostquadranten hervor, die am 13. im Westen meist nach dem Südwest- 
quadranten drehten. 
Eine seltene Entwicklung der Wetterlage erfolgte in den Tagen vom 
16. bis 22., welche beiden Tage nahezu die gleiche Luftdruckverteilung aufweisen. 
Die am Morgen des 16. vom Ozean bis Westrußland reichende Depression ver- 
lagerte sich bis zum Morgen des 19, südostwärts über Mitteleuropa hinweg nach 
Südosteuropa; in ihrem Rücken folgte ein nachdrängendes SW— NO gerichtetes 
breites Hochdruckgebiet, das am 20. und 21. über Mitteleuropa hinwegschritt 
und der Küste vorwiegend heiteres und trockenes Wetter brachte. Im Rücken 
des Hochdruckrückens folgte aber wieder eine tiefe Depression über dem Ozean 
dicht nach, die sich bis zum 22. von Nordwesten her bis zur Biscayasee und 
über Mitteleuropa ausbreitete, so daß die Wetterlage vom 16. wieder hergestellt 
war. Dieser Entwicklung entsprechend erfuhr die Temperatur bei dem Drehen 
der Winde nach nördlichen Richtungen zunächst eine Abnahme und späterhin, 
als durch südwestliche Winde ozeanische Luft zugeführt wurde, wieder eine 
Zunahme. Nachdem am 19. und 20. bis auf einen kleinen Teil der Ostseeküste 
trockenes Wetter geherrscht hatte, führte ein südwestlich von Irland her nach 
Südnorwegen dringendes Teilminimum wieder am 21. bis 23. an der ganzen 
Küste Niederschläge herbei, 
Die folgenden Tage brachten bis zum 28, ein schnelles Fortschreiten 
eines Hochäruckgebietes von der Biscayasee nach Innerrußland und in seinem 
Rücken die Ausbreitung der über dem Ozean liegenden Depression über 
Kontinentaleuropa bis Polen. Diese Tage führten überall trockenes und vielfach 
heiteres Wetter mit wenig veränderter oder langsam steigender Temperatur 
herbei, da dem Depressionsgebiete in seinem östlichen Teile feuchte Winde 
nicht zugeführt wurden. 
Auch die letzten Tage waren vorwiegend trocken; Regenfälle traten nur 
ein an Teilen der Nordseeküste am 29, im Gefolge eines längs dieser nordost- 
wärts schreitenden flachen Ausläufers, von der Elbe bis Mecklenburg am 30. 
im Gefolge eines vom Alpenvorlande nach der südwestlichen Ostsee vordringenden 
Teilminimums und am 30. an der Ostsee in Verbindung mit einem dort ostwärts 
schreitenden flachen Ausläufer. Die andauernd vom Ozean über das Nordsee- 
zebiet ausgebreitete Depression verlagerte ihr Minimum über dem Ozean nord- 
ostwärts, während hoher Luftdruck in ihrem Rücken von Südwesten her vordrang. 
Da der Ursprung der Winde an der westdeutschen Küste hierdurch nordwärts 
verlegt wurde, so brachten diese Tage hier meist etwas Rückgang der Tempe- 
ratur, während dieser im Osten bei leichten südöstlichen, aus dem über Rußland 
liegenden Hochdruckgebiet wehenden Winden erfolgte. 
Berichtigung. 
In dem Artikel von G. Reinicke: „Durch Luftspiegelung veränderte Kimmtiefe‘“, 
„Ann. d. Hydr. etc.“ 1903, soll der letzte Satz des vorletzten Absatzes auf S. 512 lauten: Daher 
kann nur geraten werden, selbst Kimmabständen nicht zu viel zu trauen und sich stets zu vergegen- 
wärtigen, daß sie wohl in den meisten Fällen zu klein gemessen sein können, etc. 
PN 
Gedruckt und in Vertrieb bei E. S. Mittler & Sohn 
Königliche Hofbuchhandlung und Hofbuchdruckerei 
Berlin SW. Kochstraße 68—71.
	        
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