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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

Köppen, W.: Der Staubfall vom 9. bis 12, März 1901 und die Mechanik der atmosph. Wirbel. 47 
Cyklonen sich nicht mehr dem Gradienten entsprechend dem Zentrum. der 
Depression nähern“, 
Der Satz 3 geht zwar etwas zu weit — er ist z. B. auf stationäre 
Cyklonen nicht anwendbar — aber er hat für schnell fortschreitende Cyklonen 
volle Gültigkeit und ist für eine solche von mir schon bei dem Minimum vom 
12, März 1876 erkannt worden. Bei Luftwirbeln dieser Art mufßs es in jeder 
Schicht eine Luftmasse geben, deren augenblickliche Fortpflanzung nicht allein 
derjenigen des Wirbelzentrums parallel, sondern auch mit gleicher Geschwindig- 
keit wie diese vor sich geht. Unter gewöhnlichen Umständen bleibt es aller- 
dings fraglich, ob bei dem unzweifelhaften, wenn auch seiner Gröfse nach nicht 
kontrollierbaren, Luftaustausch zwischen den übereinanderliegenden Schichten 
diese annähernd geradlinig fortstürmende Luftmasse längere Zeit dieselbe. bleibt. 
Dafs dies aber hier der Fall war, dafür liefert der untersuchte Staubfall den höchst 
interessanten Beweis. Erst beim Nachlassen der Fortpflanzungsgeschwindigkeit 
des Wirbels beschrieb die den Staub tragende Luftmasse einen halben Kreis 
um dessen Zentrum und geriet sie so auf dessen vordere und linke Seite. 
Das schnelle Nordwärtsfortschreiten der Depression am 10, und 11. März 
war hier Bedingung für die Übertragung des Saharastaubes bis nach Nord- 
deutschland. Wäre die Depression langsam fortgeschritten, so würde der Staub 
ihr Zentrum umkreist haben und entweder herausgefallen sein, bevor sie Nord- 
deutschland erreichte, oder gar nicht nach Norden fortgeschritten sein, wenn 
der Wirbel sich nach anderer Richtung bewegt hätte. . 
Eine solche annähernd geradlinige Fortpflanzung derselben Luftmasse 
von Tunis bis zur Ostsee in kaum 40 Stunden, wie sie für einen starken Fall 
von Saharastaub in Norddeutschland notwendig ist, wäre zwar auch denkbar 
mit geradlinigen oberen Isobaren; allein so starke Gradienten, wie sie zu einem 
so stürmischen Luftstrom gehören, pflegen erfahrungsmäfsig, namentlich wenn 
es sich um Druckdifferenzen zwischen Ost und West handelt, nur auf be- 
achränktem Raume und grofsenteils in Verbindung mit einem cyklonischen 
Wirbel aufzutreten, und das geradlinige Fortschreiten der Luftmasse ist in 
solchen Fällen durch die Fortpflanzung des Wirbels selbst bedingt. 
Aus den zahlreichen Barogrammen, die Herr Valentin beibringt, und 
den Windbeobachtungen auf den Alpengipfeln geht hervor, dafs das Wirbel- 
zentrum am 11. die Alpen überschritten hat, jedoch nicht ohne erhebliche 
Komplikation der Verhältnisse durch den Einflufs des Gebirges. An mehreren 
Stationen zeigen sich zwei Minima, die mehrere Stunden auseinander liegen; 
an anderen eine Verschiebung des Minimums, anscheinend durch Föhnwirkung. 
Am Morgen des 11. findet sich der niedrigste Luftdruck im Meeresniveau an 
den zwei wärmsten Stellen des Binnenraumes der Cyklone: bei Genua und 
Salzburg; am letzteren Orte, wo die Temperatur durch die dynamische Er- 
wärmung stürmisch herabsteigender Luftströme (Föhn) um 10° über die der 
Umgebung erhöht war, zeigte sich der Luftdruck um diese Zeit 12 mm niedriger, 
als in der gleichen Meereshöhe in dem nur 160 km davon entfernten Klagenfurt 
ein Gradient, wie er fast nur im Gebirge, durch die Behinderung der Luftbe- 
wegung, zur Ausbildung kommt. 
Durch die gröfsere Wärme des Ostens gegenüber dem Westen ist die 
vertikale Druckabnahme im Westen größer; daher liegt das Depressionszentrum 
im Niveau von 2500 m um mehrere hundert Kilometer westlicher, als im Meeres- 
niveau. Entsprechend dem hat der Säntisgipfel, der westlich von der Bahn des 
unteren Minimums liegt, dennoch am 11. um 7° V SSW 8-Wind. 
In seiner Zusammenfassung stellt Herr Valentin nach zehn wohlbe- 
gründeten Ergebnissen, deren drei wir angeführt haben, duch eines auf, das 
eine unberechtigte Verallgemeinerung enthält. Er sagt: „Bei rasch fort- 
schreitenden Depressionen ist die Windgeschwindigkeit auf beiden Seiten der 
Fortpflanzungsrichtung ungefähr von derselben Gröfsenordnung und bedeutend 
gröfser als auf der Vorder- und Rückseite, und zwar wächst dieses Verhältnis 
mit zunehmender Fortpflanzungsgeschwindigkeit; bei stationären Cyklonen ist 
dagegen die Windgeschwindigkeit in allen Quadranten von derselben Gröfsen- 
ordnung“. Die Erfahrung an einer grofsen Menge Wetterkarten hat vielmehr 
ergeben, dafs gerade die verschiedene Entwickelung des Wirbels rechts und 
links von der Bahn charakteristisch für schnell fortschreitende Cyklonen und
	        
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