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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

556 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1903. 
Kompassen selbst zu sparen, so konnte man bis vor wenigen Jahren sagen, daß 
in dieser Hinsicht allen billigen Ansprüchen Genüge geschehe. Aber, wie es 
auch mit anderen Dingen geht, wenn die Schwierigkeiten, die man früher gehabt 
hat, einmal überwunden sind, dann wird schnell vergessen, daß die Sache über- 
haupt Schwierigkeiten gehabt hat. 
Bei dem Bau der neueren Schiffe haben sich allmählich Erscheinungen 
gezeigt, die ungünstig auf die Kompasse wirkten. Die Decks werden aus Eisen 
oder Stahl gebaut, in einzelnen Fällen auch die Brücken, ebenso die Deckhäuser, 
und auf diese wird dann nicht nur der Steuer-, sondern auch der Regelkompaß 
gesetzt. Die Folge davon waren Klagen über die Kompasse, Klagen, die darauf 
hinausliefen, daß sie durch große und plötzliche Veränderungen weniger zu- 
verlässig seien, als die Kompasse auf den früheren Schiffen, die eben gut auf- 
gestellt waren. 
Bei oberflächlicher Betrachtung könnte man sagen: „Was schadet es 
denn, wenn der Kompaß soviel näher dem Eisen aufgestellt wird? Sind die 
Fehler dadurch größer, nun, so kann man sie ja durch die Kompensierung 
beseitigen.“ In der Tat hat man oft in dieser Weise schließend sich geäußert, 
doch hat man dabei das Folgende nicht beachtet: Ein Teil des Eisens und 
Stahles ist permanent magnetisch; dieser Einfluß kann durch Magnete kompensiert 
werden. Ein anderer Teil ist weiches Eisen; die hierdurch entstehenden Fehler 
werden mit weichem Eisen korrigiert. Ein dritter Teil ist jedoch weder das 
eine noch das andere. Die Wirkung dieses sogenannten remanenten Magnetismus 
ist immer nur vorübergehend und verändert sich allmählich, während das Schiff 
einem bestimmten Kompaßstrich anliegt, und infolge der Erschütterungen, die 
das Schiff erleidet. Diesem Einfluß, der nicht kompensiert werden kann, ist es 
zuzuschreiben, daß sich die Angaben des Kompasses sogar auf derselben 
magnetischen Breite merklich ändern können. Es ist denn auch in der letzten 
Zeit vorgekommen, daß sich Kompasse, die in Amsterdam kompensiert waren, 
nach einigen Tagen im Kanal beinahe um einen Strich geändert hatten. Es ist 
unnötig zu sagen, daß, wenn unter solchen Umständen nach einigen Tagen auf 
See keine Gelegenheit zur Deviationsbestimmung gegeben ist, ein derartiger 
Zustand gefährlich werden kann. Je näher sich der Kompaß an großen Eisen- 
massen befindet, um so größer ist der Einfluß des remanenten Magnetismus, und 
die Erfahrungen, die an verschiedenen Amsterdamer Schiffen gemacht worden 
sind, deren Regelkompasse sich auf eisernen Deckhäusern befanden, haben 
gezeigt, daß deren Deviation sehr großen Anderungen unterlag, die um so ge- 
fährlicher sind, als sie nicht infolge wesentlicher Breitenänderung, also, allmählich 
eintreten, sondern sich ganz unabhängig davon vollziehen. Diese Änderungen 
haben verschiedene Ursachen; sie sind abhängig von der Zeit, in der das Schiff 
den zuletzt gesteuerten Kurs angelegen hat, ferner von der Zeit, in der der 
augenblickliche Kurs gesteuert wird, sodann von der Stärke der Erschütterungen 
(die wieder abhängt von der Bewegung der Maschine, dem Seegang und der 
Windstärke), endlich von der Temperatur etc. Der Betrag dieser Einflüsse ist 
vor der Hand nicht zu bestimmen und in Rechnung zu bringen. Es gibt nur 
ein Mittel, um sich diesen Übelständen zu entziehen, und das ist, den Regel- 
kompaß auf hölzernen Deckhäusern oder Brücken aufzustellen, wobei er einige 
Meter von dem eisernen Bau des Schiffes entfernt ist. 
Doch auch in anderer Hinsicht wird in letzter Zeit bei der Aufstellung 
des Regelkompasses wenig sachkundig verfahren. Auf einigen neuen, in jeder 
Beziehung aufs beste ausgerüsteten Schiffen, auf denen alles bis in die Einzel- 
heiten mit Sorgfalt behandelt ist, werden die Regelkompasse bedenklich nahe 
am Schornstein (bis zu 4 m Abstand) aufgestellt. 
Die Erfahrung hat gelehrt, daß ein Abstand von 4m zu klein ist, und 
daß der Regelkompaß auf großen Schiffen wenigstens 7m von diesen großen 
vertikalen Eisenmassen entfernt bleiben muß. Man bedenke, daß mit der Höhe 
der Schornsteine die in ihnen induzierte magnetische Kraft wächst, so daß 
dieser Einfluß auf großen und tiefen Schiffen von größerer Bedeutung ist, als 
auf kleinen, besonders wenn der Kompaß nahe dem oberen Rande des Schorn- 
steins, also weiter von der neutralen Zone entfernt, zu stehen kommt, Da auch 
dieser Einfluß Veränderungen durch Temperatur, durch Erschütterungen ete. 
unterworfen ist, die bei der Kompensation nicht berücksichtigt werden können.
	        
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