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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

Roosenburg, L. (v. Hasenkamp): Der Platz für den Regelkompaß. 
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Der Platz für den Regelkompaß. “ 
Ein Wort an Reeder, Schiffbauer und Versicherer. 
Von L. Roosenburg.!) . 
Aus dem Holländischen übersetzt von Dr. H. v. Hasenkamp.?) 
Der Gegenstand, über den wir in diesem Artikel einige Bemerkungen 
machen möchten, ist freilich nicht neu. Kapitäne und Steuerleute, die diese 
Regeln lesen, werden darin nur ihnen bekannte Dinge finden, und wir würden 
es beinahe als eine Beleidigung ansehen, wollten wir in dieser Sache das Wort 
an sie richten. Denn wir sind zu sehr davon überzeugt, daß, soweit es von 
ihnen abhängt, der Regelkompaß an Bord eines Schiffes in gehöriger Weise auf- 
gestellt werden würde. Zunächst sind die Filial-Einrichtungen des Königlichen 
Niederländischen Meteorologischen Instituts nicht vergeblich auf dem Gebiete 
des Kompaßwesens tätig gewesen. Ferner haben die Navigationsschulen dafür 
gesorgt, daß bei den Seeleuten selbst richtige Anschauungen in dieser Hinsicht 
herrschen und daß sie auch durchdrungen sind von der Wahrheit, daß die 
Sicherheit ihres Schiffes verlangt, wenigstens einem Kompaß einen günstigen 
Platz an Bord zu geben, so daß dieser ein Instrument wird, auf das sie sich 
innerhalb gewisser Grenzen verlassen können; freilich bleibt auch dann noch 
eine fortdauernde Kontrolle auf See unerläßlich. 
Und doch kommt es trotz alledem, namentlich in der letzten Zeit, häufig 
vor, daß auf neuen Schiffen, auf Dampfern von größerem Tonnengehalt und 
größerer Geschwindigkeit, auf Schiffen, die einen größeren Wert repräsentieren, 
als die vor zehn oder zwanzig Jahren gebauten, der Regelkompaß schlecht auf- 
gestellt wird und infolgedessen wenig zuverlässig ist, 
Wiederholt sind Klagen darüber uns zu Ohren gekommen, und wir sind 
im Besitz von Beobachtungen, die die Berechtigung dieser Klagen beweisen. 
Es scheint uns deshalb wünschenswert, die Kreise auf diesen Übelstand 
hinzuweisen, in deren Macht es steht, hier Wandel zu schaffen, umsomehr, als 
nach unserer Meinung dem Schaden leicht abzuhelfen ist. . 
Seit in der Mitte des vorigen Jahrhunderts das Eisen im Schiffbau das 
Holz verdrängt hat und nach und nach mit Ausnahme der Decks und der 
inneren Zimmerarbeit alles aus diesem Material gebaut wird, machte sein Einfluß 
besondere Sorgfalt bei der Aufstellung des Kompasses an Bord notwendig. 
Das Liverpooler Kompaßkomite ging mit ausgedehnten Untersuchungen 
voran, später folgten die englische Admiralität, die Deutsche Seewarte etc. Bei 
uns in den Niederlanden war einer der Gründe, die zur Errichtung der Filial- 
Einrichtungen des Königlichen Meteorologischen Instituts führten, das in der 
Handelsmarine gefühlte Bedürfnis nach Stellen, die auf dem Gebiete des Kompaß- 
wesens Anleitung und Auskunft geben konnten; Die Sorgfalt, die viele Jahre 
hindurch in dem größeren Teile der Handelsmarine den Kompassen zugewandt 
wurde, hat unleugbar gute Früchte getragen. Strandungen infolge schlechter 
Kompasse gehören bei uns zu den seltensten Ausnahmen, Bei dem Bau neuer 
Schiffe wurde ebenfalls der guten Gewohnheit gefolgt, sich im Voraus über den 
besten Platz für die Kompasse zu orientieren. Wo dies versäumt war, kam es 
vor, daß man infolge der Veränderlichkeit des Regelkompasses mit vieler Mühe 
und mit Kosten später nach einem besseren Platz suchen mußte. Indem eine 
Reederei mehrere Schiffe von demselben Typus kurz hintereinander bauer ließ, 
bekam von selbst der Regelkompaß einen festen Platz, der den Anforderungen 
der Sicherheit und Bequemlichkeit der Navigation genügte. Da es hierzulande, 
wenigstens auf den größeren und teureren Schiffen, nicht üblich war, an den 
‘) „De Zee“, August 1903, S. 339, 
2?) Von Seiten der Deutschen Seewarte sind die hier in Betracht kommenden Gesichtspunkte 
und Fragen mehrfach erörtert worden, so besonders in der Instruktion der Seewarte über die „Be- 
handlung der Kompasse und ihrer Deviation an Bord eiserner Schiffe“, 6. Ausgabe, Hamburg 1902 
and in einem Aufsatz von Admiralitätsrat Koldewey: „Einiges über Aufstellung und Kompensation 
der Kompasse an Bord“ („Ann. d. Hydr. etc.“ 1902, S. 495). Die Wiedergabe der vorliegenden 
Darlegung von L. Roosenburg erfolgt, um auch die Ansichten und Bestrebungen ausländischer 
Kreise auf diesem Gebiete zur Kenntnis unserer Leser zu bringen. D. Red.
	        
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