Roosenburg, L. (v. Hasenkamp): Der Platz für den Regelkompaß.
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Der Platz für den Regelkompaß. “
Ein Wort an Reeder, Schiffbauer und Versicherer.
Von L. Roosenburg.!) .
Aus dem Holländischen übersetzt von Dr. H. v. Hasenkamp.?)
Der Gegenstand, über den wir in diesem Artikel einige Bemerkungen
machen möchten, ist freilich nicht neu. Kapitäne und Steuerleute, die diese
Regeln lesen, werden darin nur ihnen bekannte Dinge finden, und wir würden
es beinahe als eine Beleidigung ansehen, wollten wir in dieser Sache das Wort
an sie richten. Denn wir sind zu sehr davon überzeugt, daß, soweit es von
ihnen abhängt, der Regelkompaß an Bord eines Schiffes in gehöriger Weise auf-
gestellt werden würde. Zunächst sind die Filial-Einrichtungen des Königlichen
Niederländischen Meteorologischen Instituts nicht vergeblich auf dem Gebiete
des Kompaßwesens tätig gewesen. Ferner haben die Navigationsschulen dafür
gesorgt, daß bei den Seeleuten selbst richtige Anschauungen in dieser Hinsicht
herrschen und daß sie auch durchdrungen sind von der Wahrheit, daß die
Sicherheit ihres Schiffes verlangt, wenigstens einem Kompaß einen günstigen
Platz an Bord zu geben, so daß dieser ein Instrument wird, auf das sie sich
innerhalb gewisser Grenzen verlassen können; freilich bleibt auch dann noch
eine fortdauernde Kontrolle auf See unerläßlich.
Und doch kommt es trotz alledem, namentlich in der letzten Zeit, häufig
vor, daß auf neuen Schiffen, auf Dampfern von größerem Tonnengehalt und
größerer Geschwindigkeit, auf Schiffen, die einen größeren Wert repräsentieren,
als die vor zehn oder zwanzig Jahren gebauten, der Regelkompaß schlecht auf-
gestellt wird und infolgedessen wenig zuverlässig ist,
Wiederholt sind Klagen darüber uns zu Ohren gekommen, und wir sind
im Besitz von Beobachtungen, die die Berechtigung dieser Klagen beweisen.
Es scheint uns deshalb wünschenswert, die Kreise auf diesen Übelstand
hinzuweisen, in deren Macht es steht, hier Wandel zu schaffen, umsomehr, als
nach unserer Meinung dem Schaden leicht abzuhelfen ist. .
Seit in der Mitte des vorigen Jahrhunderts das Eisen im Schiffbau das
Holz verdrängt hat und nach und nach mit Ausnahme der Decks und der
inneren Zimmerarbeit alles aus diesem Material gebaut wird, machte sein Einfluß
besondere Sorgfalt bei der Aufstellung des Kompasses an Bord notwendig.
Das Liverpooler Kompaßkomite ging mit ausgedehnten Untersuchungen
voran, später folgten die englische Admiralität, die Deutsche Seewarte etc. Bei
uns in den Niederlanden war einer der Gründe, die zur Errichtung der Filial-
Einrichtungen des Königlichen Meteorologischen Instituts führten, das in der
Handelsmarine gefühlte Bedürfnis nach Stellen, die auf dem Gebiete des Kompaß-
wesens Anleitung und Auskunft geben konnten; Die Sorgfalt, die viele Jahre
hindurch in dem größeren Teile der Handelsmarine den Kompassen zugewandt
wurde, hat unleugbar gute Früchte getragen. Strandungen infolge schlechter
Kompasse gehören bei uns zu den seltensten Ausnahmen, Bei dem Bau neuer
Schiffe wurde ebenfalls der guten Gewohnheit gefolgt, sich im Voraus über den
besten Platz für die Kompasse zu orientieren. Wo dies versäumt war, kam es
vor, daß man infolge der Veränderlichkeit des Regelkompasses mit vieler Mühe
und mit Kosten später nach einem besseren Platz suchen mußte. Indem eine
Reederei mehrere Schiffe von demselben Typus kurz hintereinander bauer ließ,
bekam von selbst der Regelkompaß einen festen Platz, der den Anforderungen
der Sicherheit und Bequemlichkeit der Navigation genügte. Da es hierzulande,
wenigstens auf den größeren und teureren Schiffen, nicht üblich war, an den
‘) „De Zee“, August 1903, S. 339,
2?) Von Seiten der Deutschen Seewarte sind die hier in Betracht kommenden Gesichtspunkte
und Fragen mehrfach erörtert worden, so besonders in der Instruktion der Seewarte über die „Be-
handlung der Kompasse und ihrer Deviation an Bord eiserner Schiffe“, 6. Ausgabe, Hamburg 1902
and in einem Aufsatz von Admiralitätsrat Koldewey: „Einiges über Aufstellung und Kompensation
der Kompasse an Bord“ („Ann. d. Hydr. etc.“ 1902, S. 495). Die Wiedergabe der vorliegenden
Darlegung von L. Roosenburg erfolgt, um auch die Ansichten und Bestrebungen ausländischer
Kreise auf diesem Gebiete zur Kenntnis unserer Leser zu bringen. D. Red.