Kohlschütter, E.: Folgerungen aus den Koßschen Kimmtiefenbeobachtungen ete. 553
braucht, wenn sie nur bei. beiden Messungen dieselbe ist. Dies dürfte besonders
bei Schiffen mit wechselndem Tiefgang angenehm sein. ;
Wenn die Kimmtiefen der Punkte K und K‘ verschieden sind, wird die
Höhe allerdings um die Hälfte dieses Unterschiedes falsch erhalten, aber die
so entstehenden Fehler dürften kleiner sein, als die bei dem gewöhnlichen Ver-
fahren oder bei der Messung von Luft- und Wassertemperatur zu gewärtigenden.
Die oben erwähnte Vorrichtung zum Messen des Winkels KBK‘ oder
K‘’BG ist auf meine Anregung hin vom Mechaniker Haecke in Berlin
konstruiert worden und besteht aus einem Sextantenfernrohr mit zwei davor
befindlichen und fest mit ihm verbundenen Prismen. Der Apparat wird getragen
von einem Zapfen von derselben Form, wie er an dem Ring, der gewöhnlich
das Sextantenlernrohr trägt, sich befindet und wird am Sextänten befestigt,
indem man den Ring des gewöhnlichen Fernrohres herausnimmt und das Prismen-
fernrohr mit seinem Zapfen an seine Stelle setzt. Die Befestigung ist also ganz
einfach, bedarf weiter keiner Justierung oder Anderung des Sextanten und kann
an jedem derartigen
Instrument ausgeführt
werden; vorausgesetzt,
daß das Prismenfern-
rohr mit ähnlichem
Zapfen und Schrauben-
gewinde versehen ist,
wie der Ring des ge-
wöhnlichen Fernrohrs.
Fig. 9 zeigt die Anord-
nung des Instruments
und den Strahlengang,
wenn die Kimmtiefe
oder der Winkel K BK‘
gemessen werden
sollen. S ist der große,
s der kleine Spiegel
des Sextanten, F das
Fernrohr und abc und abd die fest damit verbundenen übereinander liegenden,
total reflektierenden Prismen. Bei F‘ ist die Lage des gewöhnlichen bei Ge-
brauch des Prismenfernrohrs zu entfernenden Sextantenfernrohrs durch gestrichelte
Linien angedeutet. Der Kimmstrabl von K gelangt auf dem Wege über S, 8
und die spiegelnde Fläche db des Prismas adb in das Fernrohr und das Auge
des Beobachters; ebenso der Kimmstrahl von K‘ durch die spiegelnde Fläche ac
des Prismas abe. Die Prismen sind so eingestellt, daß der von K‘ kommende
and durch die Fernrohrachse gehende Strahl genau die Verlängerung des von
dem kleinen Spiegel s kommenden und ebenfalls durch die Fernrohrachse gehenden
Strahles ist, d.h. sM und K‘M bilden eine gerade Linie. Die Wirkung ist also
dieselbe, als wenn das von K‘ ausgehende Bild von K“ herkäme und die Ein-
stellung in gewöhnlicher Weise mit dem in F‘ befindlichen Fernrohr gemacht
worden . wäre. )
Bringt man daher durch Drehen der Alhidade und des damit verbundenen
großen Spiegels des Sextanten die beiden Kimmbilder, das von K ausgehende
und das von K‘ ausgehende, zur Deckung, so liest man auf dem Teilkreis des
Sextanten den Winkel KBK“ ab. Da nun KBK“ = 180— KK BK*‘ also
nach (51) auch
Kt — Er
ist, so braucht man nicht erst das Supplement des Winkels KBK‘ zu bilden,
wie bei Gebrauch des Prismenkreises, sondern liest direkt die doppelte Kimm-
tiefe ab. Die Ablesung wird bei normalen Verhältnissen auf dem kleinen Stück
der Limbusteilung rechts vom Nullpunkt stattfinden. Ist diese Ablesung = A
und I der Indexfehler (89, daß bei gewöhnlichem Sextantengebrauch „gemessene
Höhe = abgelesene Höhe — I“ ist), so ist
6 Kı= At)
Ann. a. Hvdr ate.. 1908. Haft XIT.