550 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1903.
vielleicht am zweckmäßigsten auf dem Schiffskörper selbst durch breite, ringsum
laufende, in verschiedenen Farben aufgemalte Streifen hergestellt wird. Ist der
Schiffsrumpf selbst nicht hoch genug, so kann der Maßstab auf dem Schornstein
fortgesetzt werden, Dieses Schiff steuert nun von B aus in See, dabei den
Unterschied A zwischen Wasser und Lufttemperatur messend, während der
Beobachter in B von Zeit zu Zeit an der Skala des Schiffes die Höhe des
Kimmstrahles AB über der Wasseroberfläche am Schiffsorte in Metern direkt
abliest, dabei noch Bruchteile, soweit als möglich, schätzend. Es wird sich
nur durch Versuche feststellen lassen, ob auch bei starkem Seegang die Ablesung
aines mittleren Wertes dieser Höhe an dem auf- und abgehenden Maßstab
möglich ist. Da es notwendig ist auch den Abstand des Schiffes von B zu
kennen, so muß gleichzeitig mit jeder Beobachtungsreihe der Kimm der Schiffs-
ort entweder durch Einschneiden von hinreichend weit voneinander entfernt
liegenden Punkten von Land aus oder durch Doppelwinkelmessung vom Schiff
aus bestimmt werden. Die Gleichzeitigkeit ist durch geeignete Signale oder
durch Interpolation leicht zu erreichen.
Auf diese Weise erlangt man für eine Reihe von Punkten C, D, ....K,
deren Abstand von B bekannt ist, die Kenntnis der Höhen CC‘, DD‘, .... KK“,
in welchen der Kimmstrahl A B über der Wasseroberfläche dahinstreicht, wuraus
dann die gesuchte Krümmung dieses Strahles in seinem unteren Teile gefunden
werden kann.
Zur praktischen Ausführung ist zu bemerken, daß der kleinste Maßstabsteil,
der noch geschätzt werden soll, nämlich 0,1 m in der Entfernung von 10 Sm,
and größere Entfernungen dürften wohl kaum in Betracht kommen, da die
anormalen Fälle ungewöhnlich großer Sichtweiten nicht berücksichtigt werden
zollen, unter einem Gesichtswinkel von 1,1“ erscheint. Benutzt man daher ein
Fernrohr von 100- bis 200facher Vergrößerung, so ist die Schätzung bis auf
0,1’m leicht möglich, da der kleinste Gesichtswinkel, den das Auge noch wahr-
nehmen kann, je nach der Güte des Fernrohrs, 1‘ bis 3‘ beträgt. Die weitere
Frage, ob die Bilder so dicht am Seehorizont hinreichend ruhig sind, um eine
solche Vergrößerung zu ertragen, wird sich nur durch Versuche entscheiden
lassen. Aber selbst wenn die Schätzung sich nur auf 0,5 m ermöglichen läßt,
würde unsere Kenntnis durch. solche Messungen wesentlich bereichert werden.
Wie erinnerlich, hat Koß aus den Höhen 6, 10, 16 und 42 m beobachtet,
und da die drei untersten dieser Höhen verhältnismäßig nahe beieinander liegen,
30 beruhen die gefundenen Resultate wesentlich auf den Beobachtungen aus
42 m Augeshöhe, Nun ist aber. gerade die Anzahl dieser letzteren Beob-
achtungen bei Koß im Vergleich mit denen aus niedrigeren Augeshöhen gering,
nämlich nur 11, so daß zur Sicherung der Resultate ihre Vermehrung sehr
wünschenswert erscheint. Ferner ist der Zwischenraum zwischen 16 und 42 m,
%ır den keine Beobachtungen vorliegen, reichlich groß, so daß zur sicheren
Feststellung der Krümmung der Lichtkurve noch Beobachtungen nach Art der
Koßschen aus einigen Augeshöhen zwischen 16 und 42 m notwendig sind; auch
sine Ausdehnung auf noch größere Höhen als 42 m müßte angestrebt werden.
Sind nach vorstehendem die Koßschen Beobachtungen auch noch nicht
geeignet, zur Berechnung der Entfernung der scheinbaren Kimm herangezogen
zu werden, so sind sie doch bei der Berechnung der Kimmtiefe zur Beschickung
einer auf See gemessenen Gestirnshöhe für die Praxis von großem Nutzen, wie
bereits durch Tabelle 2 (S. 535) zahlenmäßig nachgewiesen wurde. Es ist dies
die oben zuerst genannte Verwendungsmöglichkeit der Gleichung (24). Da diese
Formel jedoch in einer für den praktischen Gebrauch auf See nicht geeigneten
Form gegeben ist, soll sie noch etwas umgeformt werden. -
Zunächst ist klar, daß die kleinen Korrektionsglieder zur Berücksichtigung
der von 15° verschiedenen Lufttemperatur für die Praxis ohne Belang sind und
daher fortgelassen werden können, so daß die Gleichung übergeht in:
(43) Xt= m, V/h-—n DA.
Die Größe A bedeutet die Differenz zwischen der Temperatur der Luft
in 1m Höhe über dem Wasserspiegel und der Temperatur des Wassers an der
Oberfläche. Für die Anwendung der Formel ist es offenbar ein Nachteil, daß
die Lufttemperatur in 1m Höhe über dem Wasser gemessen werden muß, so