Kohlschütter, E.: Folgerungen aus den Koßschen Kimmtiefenbeobachtungen etc. 549
auch der scheinbaren Entfernung der Kimm noch größer ausfallen, als: in
Tabelle (42). Umsomehr wird es nötig sein, durch Vervollständigung der Beob-
achtungen die Aufstellung einer umfassenden Theorie und einer ausreichenden
Tafel zu ermöglichen, damit dem Schiffsführer in der Messung von Luft- und
Wassertemperatur ein einfaches Mittel zu Gebote steht, seine Entfernung unab-
hängig von den in Frage stehenden Refraktionsstörungen zu bestimmen. Auch
bei der Lösung der erweiterten Aufgabe, den Abstand eines Gegenstandes bei
bekannter Seehöhe aus der Messung seines Kimmabstandes zu bestimmen, die
außer bei der Ortsbestimmung auf See auch bei der Küstenvermessung*?) eine
Rolle spielt, wird durch die Berücksichtigung des Temperaturunterschiedes
zwischen Wasser und Luft eine wesentliche Verbesserung erzielt werden, sobald
die Messungen auf die Luftschichten unter 6 m ausgedehnt sein werden,
Es verdient noch besonders hervorgehoben zu werden, daß die vor-
stehenden Untersuchungen ebenso, wie die Kimmtiefenformel sich nur auf solche
Fälle beziehen, wo die Luftschichten durch Wind von mindestens der Stärke 2
gut durchmischt sind. Es finden sich also auch bei normalen Verhältnissen
recht beträchtliche Unterschiede der Sichtweiten, und es ist dazu nicht nötig,
daß die Refraktion durch Temperaturumkehrung und Luftspiegelung gestört ist,
welche zuweilen die Sichtweiten so außerordentlich vergrößern.
Da, wie oben nachgewiesen worden ist, die Unzulässigkeit der Annahme
einer Kreisbahn des Lichts sich hauptsächlich in den tieferen Luftschichten
zeigt, so könnte man auf die Vermutung kommen, daß für die höheren Schichten
zwischen h= 6 m und 41 m diese einfache Annahme eine genügende Annäherung
an die richtigen Werte gestattet. Deshalb habe ich die Entfernung AB Fig, 6
auch für A =>0 nach GL (28), also unter Annahme kreisbogenförmiger Licht-
kurve berechnet und gefunden
bei A = + 5° —5°
bei Annahme kreisförmiger Lichtbahn s= 7,38 8,01 Sm,
während die richtigen Werte nach (42) 10,82 6,49 sind.
Der Vergleich beider Zablenpaare zeigt die Unhaltbarkeit der. Annahme
auch bei größeren Höhen.
Was nun die Ausführung der hier angeregten Untersuchungen in den
tieferen Luftschichten anbetrifft, so wird es wohl nicht genügen, wie Koß?) in
Aussicht genommen hat, für verschiedene Beträge von A die Augeshöhen zu
bestimmen, in denen Landmarken, deren Abstand und Höhe bekannt ist, in der
Kimm verschwinden, da Fig. 7.
daraus die notwendige
Kenntnis der Krümmung
des Kimmstrahls in den
unteren Schichten nicht
gewonnen werden kann.
Ich möchte statt dessen
in Vorschlag bringen, den
Kimmstrahl längs seines
Verlaufes in den unteren
Schichten, etwa von 3
oder 4 m abwärts, mittels
einer in Fig. 7 darge-
stellten Beobachtungs-
anordnung zu nivellieren.
Der Beobachter, der in
B in geeigneter Höhe seinen Standpunkt nimmt, ist mit einem lichtstarken
und stark vergrößernden Fernrohr ausgerüstet, welches er auf die Kimm
richtet. Ein Fahrzeug, welches nicht zu klein sein darf, um nicht vom Seegang
allzusehr bewegt‘ zu werden, trägt einen senkrecht stehenden in Meter geteilten
3 bis 4 m hohen Maßstab, dessen Nullpunkt in der Wasserlinie liegt und der
1) Es ist an die von Börgen eingeführte „Küstenaufnahme mittels Depressionswinkeln,“
„Ann. d. Hydr. etc.“ 1882, gedacht, die durch das photogrammetrische Verfahren zweckmäßig er-
weitert werden kann, sobald die Refraktionsanomalien nicht mehr zu große Fehler befürchten lassen.
3) _Mitteil. a. d. Geb. d. Seewesena“, 1901.