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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1903.
Da die Integration von Gleichung (40) bei einem von Null verschiedenen
A allgemein nicht ausführbar ist, so müssen die Integrale auf der rechten
Seite zur Anlegung einer Tafel durch mechanische Quadratur ausgewertet werden,
indem man für A der Reihe nach — 5°, — 4°, ...... + 5° einsetzt. Da es
hier jedoch nur darauf ankam, einen Überblick über die Wirkung der Differenz A
zu gewinnen, so habe ich die Rechnung nur für die beiden Grenzwerte, nämlich
A=-—5° und + 5°, durchgeführt, wobei als untere Integrationsgrenze h, die
kleinste zulässige Höhe, nämlich 6 m, angenommen wurde. Da es zu viel Raum
beanspruchen würde, das ganze Summationsschema hier einzuführen, so sind in
der Tabelle (42) nur die Resultate für h; = 16, 26, 36 und 41 m zusammen-
gestellt worden; die dabei mit aufgeführten Entfernungen für A = 0 sind nach
Gleichung (41) berechnet. Das dritte Integral in Formel (40), welches den
Einfluß der Temperaturänderung mit der Höhe enthält, liefert im Maximum nur
einen Beitrag von 0,02 Sm, so daß es ebenso gut hätte vernachlässigt werden
können, wie schon oben S, 545 vermutet wurde. Auch das Temperaturglied ist
so gering, wie ein Blick in die Tafel lehrt, daß es hätte vernachlässigt werden
können. ss’ ist, wie schon gesagt, in Seemeilen ausgedrückt.
42)
A
A. 59
yo
zo
he
öm 0,00 — 0,000 (t, — 15°)
:6 4,68 — 0,020
26 7,58 — 0,026
36 9,84 — 0,030
{1 10,82 —— 0,032
Emm
— 0,00 — 0,000 (t, — 15°)
8,16 — 0,001
5,41 — 0,002
7,24 — 0,003
8.07 — 0.003
=— 0,00 + 0,000 (t, — 15°)
2,40 + 0,003
4,23 + 0,005
5,79 + 0,006
6.49 + 0.006
Um die Bedeutung der Zahlen in dieser Tabelle besonders anschaulich
zu machen, diene Fig. 6. Ein Schiff in C, welches Land ansteuert, bekommt
in der Kimm das Feuer A in Sicht und will daraus seinen Abstand bestimmen.
Die dem Schiffe natürlich bekannte Höhe von A sei 41m über dem Meeres-
spiegel, und B sei derjenige Punkt, in dem der Lichtstrahl ABC sich 6 m über
Wasser befindet. Dann läßt sich
die gesuchte Entfernung von C
nach A in die beiden Teile CB
ınd BA zerlegen. Über CB
läßt sich nichts Bestimmtes
sagen, da die Koßschen Beob-
achtungen nicht unter 6 m gehen,
aber die Entfernung BA kann
aus Tabelle 42 entnommen
werden, und da stellt sich denn
heraus, daß BA. 10,8 Sın beträgt, wenn die Luft 5° wärmer ist, als das Wasser,
daß dagegen BA nur 6,5 Sn lang ist, wenn die Luft 5° kälter als das Wasser
ist. Der Unterschied von 4,3 Sm ist eine bei der Ansteuerung von Land recht
merkliche Größe, und dieser Unterschied im Abstand rührt allein von der Strecke
BA des Lichtstrahles her, der in seinem tiefeten Punkt noch immer 6 m von
der Wasseroberfläche entfernt ist. Verhältnismäßbig noch größere Unterschiede
sind auf der Strecke BC zu erwarten, da sie der Wasseroberfläche, deren von
der Luftwärme abweichende Temperatur die Störungen hervorruft, soviel näher
liegt, ja sogar sie berührt. Leider geben die Koßschen Beobachtungen über
die Krümmung dieses Teiles des Lichtweges keinen Aufschluß, da die daraus
abgeleitete Kimmtiefenformel unter 6 m zu widersinnigen Resultaten führt, wie
oben (S. 544) an Hand der Formel (30) gezeigt worden ist. Es bleibt daher
eine wichtige Aufgabe, die Beobachtungen auch auf die Luftschichten unter 6 m
auszudehnen, um die schöne Koßsche Entdeckung in vollem Umfang in den Dienst
der Schiffahrt ziehen zu können. Bei den Koßschen Beobachtungen im Roten
Meere und in der Adria ging der Temperaturunterschied nicht über + 5° hinaus,
in nördlicheren, auch in unseren deutschen Gewässern und im Bereich von kalten
und warmen Strömungen dürften die Unterschiede der Temperatur A und damit