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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1903.
Fig. 3.
Zu dem Zwecke sei in Fig. 3 ACB ein be-
Jiebiger Kimmstrahl, der in B die Höhe h erreicht
hat. Da über seinen Ausgangspunkt und die von ihm
beschriebene Kurve nichts bekannt ist, außer seiner
Richtung in B, so soll er von B aus verfolgt werden.
Wenn BD die Horizontale ist, dann ist in dem
Differentialdreieck BCD
BD = (r4+h)-(—dy)
DC = —dr = — dh
zZ. DBC = Kt.
Aus der Figur folgt dann:
CD dr
BD = CC +h)dy = tg Kt.
DR
Also
(29) dh= dr=r (1 ++) tg Kt dy
oder nach Einsetzung des Wertes der Kimmtiefe aus (24a)
(30) dh =(1+ 2) ig m VB — n A)-r+dy.
Der Faktor von r-dy wird bei positivem A für eine bestimmte von Null
verschiedene Höhe h‘ gleich Null, so daß für h=h‘
ah=0
wird, das heißt der Lichtstrahl behält diese Höhe bei, soweit er auch läuft;
daraus ergibt sich, daß man in dieser Höhe h‘ unendlich weit sehen kann und
daß Punkte, die über oder unter dieser Höhe liegen, überhaupt keinen Kimm-
strahl haben. Da dies Resultat von der Erfahrung aber nicht bestätigt wird,
30 ist zu folgern, daß die Kimmtiefenformel
Kt = mh nA
nicht allgemein zutreffend ist. Sie ist abgeleitet aus Beobachtungen zwischen
h= 6m und 42m und A = +5° und —5° und bringt innerhalb dieser Grenzen
die beobachteten Werte mit so großer Genauigkeit zur Darstellung, daß sie für
diese Höhen und Temperaturdifferenzen als die beste bekannte Annäherung
gelten kann, darüber hinaus aber führt sie zu Widersprüchen, die ihre Un-
richtigkeit aufdecken, Diejenigen Fälle, wo die Kimmtiefe Null oder Kimm-
erhöhung über die Horizontale tatsächlich beobachtet worden sind, nimmt Koß
schon selbst von dem Geltungsbereich
der Formel (24) aus, denn in diesem
Falle kann die Krümmung der Licht-
strahlen nicht eine einfache Funktion der
Höhe sein, da derselbe Kimmstrahl die-
selbe Höhe schon einmal passiert haben
muß. Die Kimmtiefe ist also entweder
eine Funktion der beiden unabhängigen
Veränderlichen Höhe und Entfernung
oder, wenn die Atmosphäre überall in
gleicher Weise geschichtet ist, wenigstens
eine doppeldeutige Funktion der Höhe.
Dieser letztere Fall ist in Fig. 4 veran-
schaulicht. Die beiden Kimmstrahlen AC
und DE müssen denselben Verlauf haben,
da die Atmosphäre von A bis nach E
in gleicher Weise geschichtet sein soll;
beide gehen durch den Beobachtungs-
ort B, und dem Beobachter erscheint
in der Richtung BF über dem Horizont
als auch in der Richtung BG unter dem Horizont ein Bild der Kimm.
Koß erwähnt nicht, daß er gleichzeitig zwei Kimmlinien übereinander gesehen
habe, aber möglich sind sie, sobald ein Bild der Kimm über dem Horizont