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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

Xöppen, W.: Der Staubfall vom 9. bis 12, März 1901 und die Mechanik der atmosph, Wirbel. 45 
Der Staubfall vom 9. bis 12. März 1901 und die Mechanik der 
atmosphärischen Wirbel. | 
Von W. Köppen. ; . 
(Hierzu Tafel 1.) 
Das Studium der atmosphärischen Bewegungen wird durch die Schwierigkeit, 
in der Regel sogar Unmöglichkeit, ein und dieselbe Luftmasse auf eine längere 
Strecke hin zu identifizieren, sehr behindert. Solche Merkmale, wie sie beim 
Wasser seine Temperatur und sein Gehalt an Salzen und Gasen bieten, ver- 
sagen bei der Luft fast ganz, wegen ihrer äufserst gleichförmigen chemischen 
Zusammensetzung und ihrer Eigenschaft, bei jeder Bewegung, die mit Höhen- 
änderung verbunden ist, mit dem Druck auch ihre Temperatur zu ändern. Um 
so wertvoller sind die vereinzelten Fälle, in denen eine Luftmasse durch unver- 
änderliche Beimengungen gekennzeichnet und für die Verfolgung ihres Weges 
brauchbar gemacht wird. Die Trift eines Luftballons bietet einen solchen Fall, 
in der Regel jedoch durch selbständige Übergänge aus einer Luftschicht in die 
andere verwickelt. Wird aber ein Teil der Atmosphäre bis in bedeutende 
Höhen hinauf von Staub erfüllt, so gibt das allmäbliche Herausfallen desselben 
den Weg dieser Luftmasse in mehr oder weniger kontinuierlicher Weise zu 
erkennen. 
Über den grofsen Staubfall vom .9. bis 12. März 1901 liegen nunmehr 
zwei Untersuchungen vor: 
1. Hellmann und Meinardus: „Der grofse Staubfall vom 9. bis 
12. März 1901 in Nordafrika, Süd- und Mitteleuropa“. 93 8. 4° und 6 Tafeln. 
Abhandl. d. Kgl. Preufs. Met. Inst. Bd. II, Nr. 1. ; 
. 2, Valentin: „Der Staubfall vom 9. bis 12. März 1901.“ 50 S, 8° und 
3 Tafeln. Sitzungsber, der K. Akad. d. Wiss. zu Wien, Math. nat. Cl. Bd. III, 
IIla, Mai 1902. ; 
Bevor wir die Beziehungen dieses Staubfalles zur Mechanik der Atmosphäre 
betrachten, müssen einige Vorfragen beantwortet sein, 
Die erste ist die nach dem Ursprung des Staubes. Beide Abhandlungen 
erklären, dafs derselbe entschieden in Nordafrika zu suchen sei. Also weder 
aus dem Weltall, noch von einem die Erde umgebenden Staubring, noch aus 
Südamerika stammte er, sondern aus dem nächsten trockenen staubreichen 
Gebiet, wahrscheinlich aus den Löfslandschaften am Nordrande der Sahara, und 
vom Boden gehoben war er durch stürmische Luftbewegung und. aufsteigende 
Strömungen in Wirbeln. 
Der weitere Weg des Staubes ist leider deshalb nicht vollständig 
erkennbar, weil nur. in der Nähe seines Ursprungsortes trockener, gröberer 
Staub in Massen herabgefallen ist, in gröfserer Entfernung davon hingegen 
Staubfälle nur in Verbindung mit Niederschlägen vorkamen, „da der freifallende 
Staub infolge seiner Feinheit und des Luftwiderstandes so langsam fallt, dafs 
er durch die allgemeine Luftzirkulation über ein sehr grofses Gebiet verteilt 
wird und deshalb wegen der geringen Dichte nicht mehr als Staubfall bemerkt 
wird“. Dasselbe gilt auch für frühere Staubfälle. 
Ein. zweites Hindernis für die Verfolgung der Bewegung der staub- 
führenden Luftmassen liegt in der ungenügenden Kenntnis ihrer Höhenlage. In 
dieser Hinsicht ist ihr Verhalten gegen die Alpen sehr wichtig. Herr Prohaska 
berichtet: „Viele Beobachter in den Alpen melden ausdrücklich, dafs der 
gefärbte Schnee auch auf den Bergen fiel und bis zu deren Spitzen reichte. . . 
der Grimming im Ennstale war bis zum Gipfelgrat mit bräunlichem Schnee 
bedeckt. Andere Gebirgsstationen melden hingegen, dafs die obersten Teile 
der Berge rein weils erschienen, was wohl daraus zu erklären ist, dafs an vielen 
Punkten der Alpen, während im Tale Regen fiel, in den höheren Lagen der 
Berge eine neue Schicht weißen Schnees den gefärbten überdeckte“. Von 
Arco schreibt Herr Kalkhoff: „Als sich nachmittags (am 11.) die Wolken 
zerteilten, zeigte sich der Schnee auf den umliegenden Bergen bis etwa "1000 m 
über dem Meere rötlich-bräunlich gefärbt, darüber war blendend weißer Neu-
	        
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