Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1903.
Fig. 1 veranschaulicht die Bedeutung der Formel für K. Für einen Beob-
achter in A ist AH der wahre Horizont, AD die Kimm, d. h. die Tangente an
den Kimmstrahl oder die Richtung, aus der dieser Strahl zu kommen scheint,
und AEK die Richtung nach der Kimm in ihrer so-
genannten geodätischen Lage, da AE die Meeres-
fläche in E berührt.
Nach Koß ist also
DAE DAE
K=2 Es 2.
Er macht somit, wie aus Fig. 1 ersichtlich,
die Annahme, daß der Kimmstrahl von E ausginge
und den Kreisbogen EA beschriebe. Dies ist aber
nicht richtig, da der Kimmstrahl die Meeresfläche
ja berühren muß. Sein Weg ist also der Kreis-
bogen FA, der in A von AD und in F von der
Meeresfläche berührt wird, und sein Ausgangs-
punkt ist F. Die Formel für K müßte also lauten:
DAF DAF
K=2 FMA == % 7
Die Verfasser bemerken dies auch selbst in der Anmerkung 1) auf Seite 7
and behaupten, daß ihre Annahme zur einen ganz unbedeutenden Fehler erzeuge,
ohne aber einen Beweis für diese Behauptung zu erbringen. Es wird daher
notwendig sein, nachzuprüfen, ob die von ihnen begangene Vernachlässigung
tatsächlich so unbedeutend ist, wie es nach Anmerkung 1) den Anschein hat.
Nach Fig. 1 ist die Kimmtiefe nach der Koßschen Annahme
Kt = HAD = HAE — DAE
= 05
K
= Cs (1 —3)}
Nach der gewöhnlich benutzten Formel, wie man sie beispielsweise bei
Albrecht, „Formeln und Hilfstafeln“, oder Jordan, „Vermessungskunde“,
Bd. 2, findet, ist die Kimmtiefe jedoch:
Kt = e-V1K.
Koß erlaubt sich also die Abkürzung, daß er
vi=K= 15
setzt, er vernachlässigt somit die folgenden höheren Glieder ‚der Entwicklung
von V/1—KXK nach dem binomischen Lehrsatz, deren hauptsächlichstes — } K? ist.
Es wäre daher nachzuweisen gewesen, daß }4cK? nur unbedeutende Beträge
erreichen kann, zumal dies nach allem, was man über die Größe des Refraktions-
koeffizienten über festem Lande weiß, keineswegs wahrscheinlich ist. Wenigstens
müßte man eine Rechtfertigung der begangenen Vernachlässigungen nachträglich
nach Aufstellung der Endformel für K erwarten. Um dies nachzuholen, schreibe
man die von Koß gefundene Endformel in folgender Form
K = 0108-4 00D-A
Ya
wo h die Augeshöhe und A den Temperaturunterschied zwischen Luft in 1m
Seehöhe und Wasser, ausgedrückt in Graden der Zentesimalskala, bedeutet.
Für h= 16 und A=B5S5°, Werte, welche Koß bei der Ableitung von K
benutzt, /wird
und somit
4e:K2 = 20°,
Mit h= 10 und A =, was ebenfalls in der Ableitung vorkommt, wird
1e.K2 — 24".
Die wirklichen Vernachlässigungen werden hiervon zwar abweichen, aber
jedenfalls von derselben Größenordnung sein. Wenn derartige Beträge wegen