Die Vermessungstätigkeit der englischen Marine im Jahre 1902. 531
und seiner Umgebung eine nennenswerte Veränderung in dem Kanal hervor-
gebracht habe. Es wurden zwar Änderungen, aber meist nach der guten Seite
hin, gefunden und es hat den Anschein, als ob die nicht unbeträchtlichen Senk-
stofte in dieser tiefen und breiten Durchfahrt im Vergleich mit den großen
Anderungen, die stets durch die Sandbewegung aus natürlichen Gründen hervor-
gerufen werden, nur geringe Wirkung haben.
3. Westküste von Kngland, West- und Südküste von Irland.
Gemieteter Dampfer „Gladiator“. 15. April bis 29. Oktober, Im Hafen von
Kingston fanden sich bedeutende Veränderungen, die teils durch Baggerung,
teils durch Verschlammung hervorgerufen waren. Auf King Reede im Bristol-
Kanal war seit der letzten Vermessung im Jahre 1830 die flache Bank vor
Avonmouth beinahe verschwunden, während die Bank südwestlich der Insel Denny
Lage und Ausdehnung verändert hatte. Im Hafen von Queenstown wurden
zwei Felsen und eine Bank gefunden.
4. In Plymouth, Portsmouth und an der englischen Südküste
wurden vom 10. April bis 8. November mit einer gemieteten Dampfbarkaß die
Innengewässer untersucht.
5. Neufundland. Gemieteter Dampfer „Gulnare“ suchte vom 28. Mai
bis 13. Oktober mit verschiedenem Erfolg nach gemeldeten Untiefen,
6. Westküste Nordamerikas. 5. M. SS. „Egeria“ vermaß vom 7. April
bis 21. November den Queen Charlotte-Sund und den Eingang der Juan da Fuca-
Straße. Vorher war das Schiff ausgesandt, um den verschollenen „Condor“ zu
suchen, e8 fand an der Westküste Vancouvers zwischen Barkley und Clayoquot
Sund verschiedene, zum „Condor“ gehörige Gegenstände. Das Ergebnis der
Fahrt bewies leider nur zu klar, daß das unglückliche Schiff in dem schweren
Sturm am 3. Dezember 1901 untergegangen ist.
7. Mittelmeer und Westküste Afrikas. Das für Vermessungszwecke
amgebaute S. M. S. „Goldfinch“ langte am 5. März: von Plymouth in Gibraltar
an. Hier wurden die neuen Hafenanlagen mit der früheren Triangulation ver-
bunden und die Oberflächenströmungen in beiden Hafeneinfahrten beobachtet.
In Verbindung mit den Untersuchungen des Herrn Shield über die Möglichkeit
einer Hafenanlage. an der Ostseite des Felsens wurden hier sorgfältige Lotungen
bis zur 30 m-Linie und eingehende Oberflächenstrombeobachtungen ausgeführt.
Über Malta ging „Goldfinch“ dann nach Gythium im Golf von Kolokithia im
Peloponnes. Zwischen Malta und Gythium wurden Tiefseelotungen vorgenommen,
der Golf von Kolokithia von Kap Matapan bis Kap Malea einschließlich des
Cervikanals und beider Ufer von Cerigo aufgenommen und die Meridiandistanz
von Gythium nach Westen und Osten, Malta und Athen bestimmt. Hierbei
wirkte auch das Regierungsobservatorium in Athen mit durch Vergleichung
seines Uhrfehlers mit dem von den Vermessern mit dem Sextanten gelundenen,
was eine gute Übereinstimmung ergab. Durch diese Vermessung ist der bisher
wegen Mangels zuverlässiger Karten verschlossene Golf von Kolokithia für
die Übungen der Mittelmeerflotte erschlossen worden. .
Nachdem in Malta und Gibraltar vier Karten des vermessenen Gebietes
fertiggestellt waren, ging „GoldGnch“ am 15. November nach dem Niger in See.
Er lotete in Abständen von 10 Sm auf der 130 m-Linie 1200 Sm bis 20° N-Breite,
ferner in 18° 57‘N und 18° 15’ W, wo im Jahre 1899 102 m gemeldet worden
waren, Nach Chronometerstand- und Ganghestimmungen in Porto Praya (Kap
Verdesche Inseln) wurde die Lage der Rombosinseln zur Insel Brava festgestellt
und gefunden, daß sowohl Brava wie Fago ungenau in die Karten eingetragen
sind. Auf dem weiteren Wege nach Alt-Calabar über Sierra Leone wurden
Tiefseelotungen gemacht und am Schluß des Jahres die Vermessung von Alt-
Calabar begonnen. ;
8. China. S.M. SS. „Rambler“ vermaß den Ost-Lamma-Kanal von Jahres-
anfang bis Anfang Mai und ging dann auf Requisition der Internationalen
Kommission zur Öffenhaltung und Verbesserung des Flusses Peiho nach der
Takubarre, die er mit Hilfe der von der Kommission aufgestellten Baken aus-
lotete. Der weiche Boden machte die Verwendung besonderer Lote nötig, an
deren Fuß flache Platten angebracht wurden. Es war ein hartes Stück Arbeit,
das aber dem Schiffsverkehr nach Tientsin zugute kommen wird, es ergab, daß
bei Springzeithochwasser 3,81 m, bei Nippzeithochwasser nur 2,74 m Wasser auf