230 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1903.
Die Vermessungstätigkeit der englischen Marine im Jahre 1902.
Der vor kurzem erschienene „Bericht des Hydrographer of the Admiralty
über die unter Leitung der Lordcommissioners of the Admiralty im Jahre 1902
yeleistete Arbeit im Prüfen und Aufnehmen der See und Küsten in verschiedenen
Weltteilen“ gibt eine erschöpfende Übersicht über diese für die Schiffahrt so
überaus wichtigen Arbeiten, deren Durchführung von lange her eine Ehrenpflicht
der englischen Marine gebildet hat. Wir entnehmen dem Bericht die folgenden
Angaben:
In der Heimat waren zwei Vermessungsfahrzeuge, „Research“ (520 Tonnen),
„Triton“ (410 Tonnen), ein gemieteter Dampfer und eine gemietete Dampf-
barkaß tätig, im Auslande sechs Vermessungsschiffe: „Egeria“ (940 Tonnen),
„Goldfinch“ (805 Tonnen), „Rambler“ (835 Tonnen), „Waterwitch“ (620 Tonnen),
„Penguin“ (1130 Tonnen), „Dart“ (470 Tonnen) und ein gemieteter Dampfer,
zusammen also acht Vermessungsfahrzeuge, zwei gemietete Dampfer und eine
yemietete Dampfbarkaß mit einer Besatzung von 78 Offizieren und 781 Mann,
von denen 49 Offiziere Vermessungsoffiziere waren. Außerdem ist noch ein
Seeoffizier als Leiter der Vermessungen der indischen Regierung kommandiert.
Zu der Neuvermessung der Küsten Neuseelands durch „Penguin“ steuert
die neuseeländische Regierung die Hälfte der Kosten bei. .
{m Laufe des Jahres 1902 wurden nicht weniger als 318 die Schiffahrt
zefährdende Felsen und Untiefen gemeldet, davon 38 von den Vermessungs-
schiffen, 20 von anderen englischen Kriegsschiffen, 19 von verschiedenen eng-
lischen und fremden Schiffen, 223 von Kolonial- und fremden Regierungen,
11 wurden dadurch entdeckt, daß Schiffe auf ihnen aufliefen. 1924 Seemeilen
Küstenstrecke sind aufgenommen worden, ein Gebiet von 12661 Quadrat-
zeemeilen wurde ausgelotet, wobei naturgemäß die Dichte der Lotungslinien von
der Wichtigkeit der abgeloteten Örtlichkeit abhing; auch von anderen Kriegs-
schiffen wurden Pläne und Skizzen der besuchten Plätze eingesandt.
Von den Ergebnissen der Vermessung auf den einzelnen Gebieten mögen
die wichtigsten hervorgehoben werden.
1. Westküste von Schottland. S. M.S. „Research“. 1. April bis
8, Oktober. In Portsmouth wurde die äußere Barre ausgelotet und auf der
inneren mit dem Strommesser der Unterstrom bei Springzeit für’ Flut und Ebbe
festgestellt. Die- Untersuchung der Prince Consort-Untiefe vor Cowes ergab,
daß diese große Sandmasse seit der letzten Vermessung im Jahre 1895 sich als
Ganzes etwa 136,5 m westlich verschoben hat und daß dadurch die Moorings
der königlichen Yacht bloßgelegt sind, die damals vollständig unter ihr begraben
und wegen der Nähe des flachen Wassers unbrauchbar. geworden waren. Vor
93 Jahren war diese Untiefe überhaupt noch nicht vorhanden und seit sie sich
gebildet hat, befindet sie sich stets auf der Wanderschaft, ohne daß man bisher
ihre Entstehungsursache hat erkennen können. Bei der Vermessung der Lochs
Roag wurde im östlichen Loch Roag etwa !/a Sm nordöstlich von der Insel
Klein-Bernera ein Gebiet magnetischer Störung in 31m Wasser gefunden.
Der Kompaß wurde beim Fahren über diese Stelle um einen Strich nach Westen
vom Normalen und um etwa % Strich nach Osten abgelenkt. Eine vollständige
Beobachtung der magnetischen Kraft und der Inklination mußte auf später ver-
achoben werden. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß der Nordpol der Nadel
abgestoßen wurde, während er sonst auf der nördlichen Halbkugel meist an-
gezogen wird.
9. Ostküste von England und Schottland. S. M. S. „Triton“.
22, März bis 31. Oktober. Da vor den Schleusen von Chatham ständig Ver-
schlammung im Gange ist, so wurde hier gelotet. Vor Margate fand’ man
Änderungen in dem Kies und Sand, der hier den Boden bedeckt, aber überall
im Hauptfahrwasser zur Themse nicht weniger als 8,84 m. Im Herzog von
Edinburg-Kanal zeigte sich eine geringe Verflachung des Shingle Patch, doch
dürfte ein langer Sandrücken, der zwischen Knock John und dem „langen Sand“
sich bildet, die Tiefhaltung im nördlichen Teil des Kanals fördern, indem er
mehr Wasser unterhalb ablenkt. Das Barrow Deep in der Themsemündung
wurde untersucht. um festzustellen, ob der Niederschlag der Abwässer Londons