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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

Paulus, A.: Schwerer Orkan im Korallenmeer im März 1903. 525 
Ist der Fall eines Barometers von 33,4 mm in einer halben Stunde an 
und für sich schon etwas Ungewöhnliches, so dürfte der bei diesem Sturme 
beobachtete niedrige Stand von 702,7 mm, 699,3 mm und 700,6 mm auf 80 
niedrigen Breiten wohl ganz Fig. 2 
vereinzelt dastehen. Sehr Der Gang. des Luftdrucks vom 1.März 12EN bis 7. März 4b V 1903, 
zu bedauern ist, daß eine dire 
Kontrolle des Barometers 166 ; 
nach dem Orkan nicht hat 
stattfinden können; es ist 
daber nicht vollständig. aus- 
geschlossen, daß ein Vor- 
gang im Barometer selbst 
zu diesem außerordentlich 
niedrigen Stand mit bei- 
getragen hat.!) Selbst der 0! Pa 
Orkan von Apia im März Le , Als 
1879 und der große Samoa- 0 ea 124512481248124512481248124812481248124 
orkan vom 15. bis 23. März FR YN VER TNTY NV 
1889 weisen keinen so tiefen Stand des Barometers auf, Bei ersterem wird 
712 mm, bei letzterem 738 mm als niedrigster Stand angegeben. 
Besonders ist noch hervorzuheben, daß das Barometer den niedrigen 
Stand von unter 710 mm mit Ausnahme von einigen Stunden fast volle drei 
Tage beibehielt, um erst am 6. März endgültig zu steigen. 
Die Bahn des Orkans. Der genaue Ort des Entstehens und die Bahn 
des Orkans lassen sich in diesem Falle nicht bestimmen, da nur von dem einen 
Schiffe Beobachtungen vorliegen und auch in diesen der tägliche Schiffsort 
während der Dauer des Orkans nicht angegeben werden konnte.. Das Segel- 
handbuch gibt nur wenig Anhalt, da in der in Frage kommenden Gegend nur 
eine einzige Bahn bekannt ist. Nach der Windrichtung zu urteilen, hat der 
Orkan von Nordwesten her dem Schiffsort sich genähert und ist im allgemeinen 
in ähnlicher Weise nach Südosten fortgeschritten, wie der Orkan in Nr. 2 auf 
Figur 15, S. 221, im „Segelhandbuch für den Stillen Ozean“, Nach den 
Barometerständen befand sich die Orkanmitte vom 2. März an bei dem mit- 
treibenden Schiffe. Am 3. März 8" N war sie ganz nahe beim Schiff, entfernte 
sich aber wieder von diesem, wie das Steigen des Luftdruckes anzeigt, um sich 
am 4. März dem Schiffe wieder zu nähern. An diesem Tage ging das Zentrum 
um 10° V über das Schiff hinweg. Die Drehung des Windes vor der Windstille 
um 7" V den 4. März von NNO durch O, S, W nach ONO beweist auch, daß 
sich das Minimum zu der Zeit, als der Wind durch S ging, östlich vom Schiffsort 
befand. Der anhaltend niedrige Stand des Barometers läßt ferner darauf 
schließen, daß sich der Orkan noch einige Zeit in nahezu gleicher Richtung 
mit dem Schiffe fortbewegte. 
Die Geschwindigkeit, mit der der Orkan auf seiner Bahn fortschritt, 
kann etwa zu 1 Sm die Stunde oder noch weniger, gleich der Trift des Schiffes, 
geschätzt werden. Auch dieses langsame Fortschreiten erscheint ungewöhnlich. 
Ein Orkan pflegt sonst mit größerer Geschwindigkeit zu wandern, die bei Neu- 
Kaledonien von 2 bis 13 Sm wechselt. Diese langsame Bewegung des Minimums 
und des Schiffes in gleicher Richtung erklärt auch die lange Zeit, fast 3 Tage, 
während der das Barometer einen so tiefen Stand an dem Schiffsort beibehielt. 
Schluß. Die Punkte, die bei diesem Orkane besondere Beachtung ver- 
dienen, sind folgende. Die lange Dauer, über 4 Tage, eigentümliche Gestalt 
der Luftdruckkurve, der langsame Fortgang, 1 Sm die Stunde. KEin Barometer- 
fall bis 699 mm ist in diesen Gegenden noch nie beobachtet worden, ebenso- 
wenig ein 3 Tage unter 710 mm bleibender Stand, wie hier. So traurig die 
Folgen des Orkanes für Schiff und Mannschaft gewesen sind, so wertvoll sind 
die vorzüglichen Beobachtungen für die Orkankunde, die sicher späteren See- 
fahrern zugute kommen werden. Wie aus den verschiedenen Anführungen des 
„Segelhandbuchs für den Stillen Ozean“ hervorgeht, sind in ihm die wichtigsten 
Hinweise auch auf solche Orkane sehon vorhanden, 
Endlich möchten wir dem Kapitän und den Offizieren des „C,H. Wätjen“ eine 
besondere Anerkennung für die Gewissenhaftigkeit aussprechen, womit sie unter 80 
schwierigen Verhältnissen noch Beobachtungen von großem Werte gemacht haben. 
1) Später nach dem Orkan hielt sich das Barometer im nordwestlichen Teile des Korallen- 
meeres fortwährend zwischen 755 und 759 mm.
	        
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