59292 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1903.
am vorhergehenden Tage. Man konnte sich nur festgebunden auf dem Achter-
deck halten, auf das Großdeck zu gelangen, war unmöglich.
Am 5. März wütete der Orkan mit voller Stärke weiter und machte das
Schiff vollständig zum Wrack, Vormittags brach der Großmast, abeuds der
Fockmast, die Steuerbord-Vorderverschanzung wurde fast ganz weggerissen.
Die See wurde immer wilder und fing an, auch über das Achterdeck zu brechen.
Um sie zu beruhigen, warf man geöffnete Petroleumbehälter über Bord und
erzielte damit auch einigen Erfolg. Von 7 bis 10* N machte ein heftiges Ge-
witter das Wetter noch unheimlicher. Seen stürzten über das Achterdeck und
zertrümmerten das Oberlicht, 11" N brach das Rudergeschirr an Deck. Man
versuchte die Ruderpinne, aber leider ohne Erfolg, mit Tauwerk und Segeln zu
befestigen, wobei man nur an Deck liegend und festgebunden arbeiten konnte.
Alles war ein Gischt, der wie starker Hagel wirkte, wenn man das Gesicht
dem Winde zukehrte. Ein Schlag der Ruderpinne verletzte den Kapitän, so daß
er unter Deck gebracht werden mußte; auch der Il. Steuermann wurde durch
einen unglücklichen Fall dienstunfähig.
Am 6. März morgens wehte der Orkan mit gleicher Heftigkeit. 3" V
brach das Ruder unter dem Kocher, worauf das Wasser massenweise in die
Kajüte drang und alles zerstörte. Am Vormittag nahm die Wut des Windes
ab. Um 8 N wehte er bei etwas abklarender Luft nur noch mit Stärke 9.
Am 7. März gegen Morgen wehte der Wind nur noch mit Stärke 6.
Die Leute waren vollständig erschöpft, wozu der Umstand auch viel beitrug,
daß sie während des Orkans kein Wasser bekommen hatten und den Durst nur
mit etwas Wein hatten stillen können. 8" V konnte man zum erstenmale zu den
Pumpen gelangen, bei denen 1,4 m (4'/ Fuß) Wasser gepeilt wurde. Auf Deck
sah es wüst aus. Von den vier Böten des Schiffes war nur noch ein kleines
Boot übriggeblieben. Um das Schiff zu leichten und es vor dem Kentern zu
bewahren, wurde mit der einen Hälfte der Mannschaft Ladung aus der Vorluke
über: Bord geworfen, währand die andere Hälfte die Pumpen bediente. Um
Mittag konnte man zum erstenmal seit Einsetzen des Sturmes den Schiffsort
bestimmen und fand ihn auf 16° 4' S-Br. und 162° 55‘ O-Lg.
Nach dem Orkan trat mehrere Tage Windstille ein, die dazu benutzt
wurde, um Notmasten und Notruder herzustellen. Als diese fertig waren und
man 80 viele Segel wie möglich angebracht hatte, versuchte man, mit dem Schiffe
zu manövrieren. Dieses wollte aber weder abfallen, noch durch den Wind
drehen, so daß nichts anderes übrig blieb, als über den Bug, auf dem das Schiff
lag, bei dem Winde zu segeln oder seewärts und rückwärts zu treiben. Auf
diese Weise trieb das Schiff mit den nach der Windstille vorherrschenden, von
einzelnen schweren Regenböen begleiteten, südlichen Winden längs des Weges,
den durch die Torresstraße laufende Schiffe einschlagen. Man hoffte, so ein
Schiff anzutreffen, aber vergeblich. Nach den südlichen Winden trat wieder
Windstille ein, in der das Schiff auf BB-Bug zu liegen kam. Jetzt holte der
Wind mehr nach SO, später nach OSO. Hiermit gelang es, nachdem das
Schiff 70 Tage umhergetrieben war, die Yuleinsel au der Küste von Neu-
Guinea zu erreichen. Hier ankerte man auf 29 m Wasser, ließ später aber das
Schiff, da der Ankerplatz nicht sicher war, nach der Hall Sund-Bucht ein-
schleppen, wo es auf 13 m Wasser gut und sicher verankert lag. Unterwegs
hatte man noch am 27. März auf 16° 20‘ S-Br., 156° 50' O-Lg. 8 Mann von
der Besatzung der Hamburger Bark „Edith“ aufgenommen, die eine Woche
vorher auf einer Korallenuntiefe gestrandet war.
Orkanzeit. Es bestätigt sich auch in diesem Falle die Angabe des
„Segelhandbuch für den Stillen Ozean“, daß nächst Januar man in den Monaten
Februar und März bei Neu-Kaledonien und den Neu-Hebriden am ehesten einen
Orkan erwarten darf.
Eingeleitet wurde der Orkan um 4" 30m» V den 28. Februar durch einen
Regenschauer, dem um 6* 30m N ein zweiter folgte. In diesem wurde der
Wind unbeständig und drehte bald darauf nach NOzO. Des Nachts beobachtete
man zeitweises Blitzen in verschiedenen Richtungen. Um 2* morgens den 1. März
blitzte es beständig. Steife Böen mit Staubregen traten im Laufe des Tages
auf, 7° N setzte anhaltender Regen ein, der abwechselnd mit heftigen Böen
und Regenschauern auch noch am 2. März fortdauerte. 12" N den 1. März