Ann. d. Hydr. etec., XXXI Jahrg. (19083), Heft XIl.
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Schwerer Orkan im Korallenmeer im März 1903.
Von A. Paulus, Hilfsarbeiter der Deutschen Seewarte.
(Hierzu Tafel 24.) ;
Einen Orkan von sehr langer Dauer und.großer Heftigkeit hatte das
Bremer Vollschiff „C. H. Wätjen“, Kapt. C. Dierks, 1734 R-T., auf der Reise
von New York nach Yokohama im Korallenmeer zwischen 14° S-Br., 161° O-Lg.
und 16° S-Br., 163° O-Lg. zu bestehen. ; .
. Beschreibung. Nachdem „C. H. Wätjen“ am 30. Oktober 1902 mit
24 Mann Besatzung und voller Ladung Petroleum bei stürmischem Wetter: den
Hafen von New York verlassen und auf der Reise um das Kap der guten
Hoffnung mehrfach Stürme zu überwinden gehabt hatte, erreichte das Schiff am
24. Februar 1903 24° 33‘ S-Br. und 161° 13‘ O-Lg. Im Laufe des Nachmittags
traf es den Südostpassat an, der mit Stärke 2 bis 3 aus östlicher Richtung
einsetzte. Von hier aus segelte das Schiff mit leichten bis mäßigen östlichen
und ostsüdöstlichen Winden nordwärts. Diese frischten am 27. Februar 8" N
mehr auf und wehten mit Stärke 4 bis 5 bis, zum Mittag des nächsten Tages,
zu welcher Zeit der Schiffsort auf 17° 44‘ S-Br. und 161° 12‘ O-Lg. be-
stimmt wurde.
Am Nachmittag des 28. Februar holte der Wind östlicher, nahm um 3" N
bei schaurig bewölkter Luft zu und wehte um 4" N mit Stärke 5 aus OzS.
Um 6" 30=n N fiel ein Regenschauer nieder, der Wind wurde unbeständig und
holte 8" N nach NO0zO, wo er abflaute. Zeitweises Blitzen, das gegen Morgen
des nächsten Tages immer anhaltender wurde, beobachtete man in verschiedenen
Richtungen. .
Dieser Übergang des Südostpassates in Nordostwind sowie der Regen-
schauer und der Gang des Barometers der vorhergehenden Tage sind hier
Anzeichen einer atmosphärischen Störung. Das „Segelhandbuch für den Stillen
Ozean“ S, 224 sagt, daß in dieser Gegend Nordostwinde in der Orkanzeit an
und für sich auch ohne andere bestimmte Anzeichen verdächtig sind und
während der Entwicklungsperiode eines Orkans Barometer und Regen früher
Warnung geben als Wind, Wolken. und Seegang.
Am 1. März 7" V frischte der Wind auf, wurde steif und böig und war
von: Staubregen begleitet. Gegen Abend verschlimmerte sich das Wetter bei
beständig fallendem Barometer und. anhaltendem Regen und artete um 12 N
zum vollen Sturme aus, der mit Stärke 10 aus NOzO wehte und heftige Böen
mit Regenschauern mit sich führte. Blitze erhellten den südlichen Horizont.
Am 2, März wehte der Sturm unter beständigem Regen mit großer
Gewalt; eine orkanartige Böe ging über das Schiff, das um 12®* N einem mit
Stärke 11/12 aus NNO wütenden Orkan preisgegeben war. Da das Schiff auf
BB-Halsen beigedreht lag, hoffte man die Sturmmitte zu vermeiden, was aber
leider nicht gelang.
Vom 3. März ab hatte das Schiff furchtbar zu leiden. Der Orkan wehte
unter anhaltendem heftigem Regen aus NNO so stark, daß die Leeseite des
Schiffes beständig unter Wasser war. Um das’ Schiff vor dem Kentern zu
bewahren, mußte man die nur noch allein stehende Leegroßmarsschote fliegen
lassen und als sich dies noch nicht als genügend erwies, die Marsstengen kappen.
Vom Schiff war kaum ‚noch etwas zu sehen, schwere Seen stürzten über Deck
and Luken; alles war nur Schaum und Gischt. An Steuerbord wurden sämt-
liche Böte weggeschlagen und aus dem Mannschaftsraum alle. Habseligkeiten
der Leute fortgespült. Das Barometer war unterdessen auf 699,3 mm gefallen.
Am 4. März. morgens nahm der Orkan an Stärke etwas ab, um 7" V
wurde es fast still, wobei das Schiff in der hohen, wild durcheinander stürmenden
See furchtbar arbeitete, so daß alles an Steuerbord weggeschlagen wurde. Um
10* V sprang der Wind, der vor der Stille von NNO durch O, S, W nach ONO
yegangen war, mit voller Orkanstärke nach NNW und wehte noch heftiger wie
Ann. d. Hydr. ate.. 1903. Heft XII.