520 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1903.
Erwärmung herbei. Ein am 2. von der Biscayasee über England nach dem
Norden der Nordsee vordringendes Minimum und ein am 3. Nordwestdeutsch-
land nordostwärts durchquerender Ausläufer niedrigen Drucks hatten nur
geringfügige und vereinzelte Regenfälle im Gefolge. Ein zweiter, am 5, bis 8:
längs‘ der Küste fortschreitender. Ausläufer führte dagegen tägliche
Niederschläge für die Nordsee und die westliche Ostsee, am 5. überall von
Gewittern begleitet, herbei. Auf seiner Rückseite von der Biscayasee stark
vordrängender hoher Druck verursachte nördliche Winde, die eine starke Ab-
nahme der Temperatur im Gefolge des Vorüberganges des Ausläufers bewirkten.
Der Morgen des 8. zeigte das bis dahin über dem Ozean nordwestlich
von Schottland beobachtete Minimum nordostwärts verlagert, und die folgenden
Tage bis zum 13, brachten sein ostwärts gerichtetes Vorüberschreiten im hohen
Norden, in charakteristischer Weise von der Entwicklung von Teilminima auf
seiner Südseite begleitet. Ein erstes Teilminimum schritt am 9. und 10. schnell
von Schottland her über den Skagerrak nach dem Bottnischen Busen, und ein
zweites folgte am Il. und 12. von Irland her durch den Süden der Nordsee über
die Odermündung nach Finnland. Diese Teilminima führten für die ganze Küste
täglich Regenfälle, am 12, überall von Gewittern begleitet, herbei, und das
erste hatte die für den 9. und 10. angeführten stürmischen Winde im Gefolge.
Die Wetterkarte vom 13. zeigte ein neues Teilminimum vor dem Kanal,
aber eine im ganzen recht gleichmäßige Luftdruckverteilung. Kine seit dem
Vortage wenig veränderte Depression über Südeuropa ließ ihre Bedeutung für
die Wandlung der Wetterlage nicht erkennen. Auf eine Zeit vorwiegend west-
licher Winde vom 8. bis 13. folgte nun eine Periode östlicher Winde bis zum
21. Durch die Entwicklung von Teilminima, die über dem Osten Kontinental-
europas nordwärts nach dem Süden der Ostsee hin vordrangen und dann, unter
der Einwirkung eines gleichzeitig über Nordeuropa zur Entwicklung gelangenden
mächtigen Hochdruckgebietes, westwärts durch Norddeutschland weiter schritten,
breitete sich die Depression vom Mittelmeere rasch über ganz Mitteleuropa aus
und wurde in der Folge durch das Hochdruckgebiet nur sehr langsam südwärts
gedrängt. Gegenüber einem Maximum über 7/80 mm über Nordeuropa lag am
Morgen des I6. ein wohl ausgebildetes Minimum unter 765 (!) über Nord-
westdeutschland, und noch am 18. zeigte die der Küste am Morgen benach-
barte Isobare von 770 mm die Zugehörigkeit zur Depression durch ihre
Krümmung an. Diese Depression führte bei ihrer Ausbreitung am 14. und 15,
die angeführten stürmischen Winde an der Ostsee herbei und brachte bis zum
17. tägliche Regenfälle für große Gebiete der Küste.
Im Laufe des 18. breitete das Houchdruckgebiet seine antizyklonalen
Isobaren bis zu den Alpen hin aus, und es folgte dann bis zum 24. für die
Küste eine Zeit der ungetrübten Herrschaft des Maximums. Nachdem die west-
deutsche Küste am 18. noch vereinzelt etwas Regen gehabt hatte, folgten vom
19, bis 24, trockene und bis auf die Beobachtung von Nebel am 23. und 24.
fast durchweg heitere Tage.
Die weiteren Tage brachten ein rasches Zurückweichen des an Höhe ab-
nehmenden Maximums nach Südosteuropa am 25. und 26.; der Luftdruck erhielt
sich wohl noch andauernd hoch an der Küste, aber eine im Nordosten vorüber
schreitende Depression wie eine Depression über dem Ozean gewannen durch
die Entwicklung von flachen Teilminima oder von Ausläufern niedrigen Druckes
mehrfach vorübergehend Einfluß auf die Witterung an der ‘Küste, wobei
besonders die in Begleitung von Gewittern in der Nacht vom 28. zum 29. an
der Ostsee beobachteten ergiebigen Regenfälle hervorzuheben sind. Kine seit
längerer Zeit über dem Ozean gelegene Depression breitete ihren Einfluß über
Westeuropa in den letzten Tagen langsam aus und führte bei weit verbreitetem
Nebel zunächst im Westen wieder wärmeres Wetter herbei.
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