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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1903,
Auf der Morgenwache war der Wind sehr veränderlich an Richtung und
Stärke, heiß und trocken wehte er von der Küste ab, mit feinem Staubsande
oder Asche vermischt, zeitweilig durch einen kalten Luftstrom unterbrochen.
Ein starker brenzlicher Geruch machte sich bemerkbar.“
Soweit der Bericht des Herrn Kapt. Förck.
Es möge hier noch hingewiesen werden auf die Abhandlung von
Messerschmitt: „Resultate neuerer Kimmtiefen-Beobachtungen und ihre Ver-
wertung in der Navigation“, „Ann. d. Hydr. etc.“ 1901, S. 162. Beachtenswert
ist dabei, daß man unter Anwendung der in dieser Abhandlung S. 167 gegebenen
Koßschen Kimmtiefentafel im vorliegenden Falle an Bord der „Segovia“ die-
selbe Breite errechnet haben würde, denn die Kimmtiefe beträgt:
nach dem „Nautischen Jahrbuche“ aus 9 m Augeshöhe 5,3%
nach der Koßschen Tafel „ 9m ”
für Lufttemperatur — Wassertemperatur = + 0,6° €. 5
(im vorliegenden Falle 25,8°—25,2° C.)
Es zeigt sich also, daß in der Praxis an Bord, wo die Messungen der
Luft- und Wasserwärme, wenn auch noch 8o aufmerksam, doch nur in der
gewöhnlichen Weise vorgenommen werden, auch die Anwendung der Koßschen
Tafel keine sicheren Resultate ergibt.
Im vorliegenden Falle wurde man durch die Luftspiegelungen, die man
nach Norden hin wahrnahm, aufmerksam, und trotzdem an der südlichen Kimm
nichts Besonderes wahrgenommen wurde, auf die Fehlerquelle geführt; aber
recht oft mögen wegen gehoben erscheinender Kimm falsch gemessene Kimm-
abstände zu Ergebnissen geführt haben, die man auf Stromversetzungen, Anderungen
der Deviation oder dergl., wenn nicht gar auf Unachtsamkeit geschoben hat.
Wie im vorliegenden Falle, so wird man allerdings in vielen anderen Fällen
erkennen können, sei es durch irgend welche verzerrt erscheinenden Objekte,
sei es auch nur durch auffällig ausgezackt scheinende Kimm, daß außer-
gewöhnliche optische Verhältnisse herrschen. Daher kann nur geraten werden,
selbst Kimmabständen nicht zu viel zu trauen und sich stets zu vergegenwärtigen,
daß sie zu klein gemessen sein können, d. h. daß das Schiff weiter in der
Richtung des zur Messung benutzten Gestirns steht oder gestanden hat.
Auch in den deutschen Gewässern kommen Luftspiegelungen oder doch
gehobene Kimm gar nicht so selten vor, wie sich aus den meteorologischen
Tagebüchern der Normalbeobachtungsstation der Deutschen Seewarte zu Neu-
fahrwasser ergibt; von diesen Tagebüchern wird ein auf Luftspiegelungen sich
beziehender Auszug an anderer Stelie dieser Zeitschrift wiedergegeben.
Ö. Reinicke.
Neuere Veröffentlichungen.
Deutsche Südpolar-Expedition auf dem Schiff „Gauß‘ unter Leitung von
Erich v. Drygalski: Bericht über die wissenschaftlichen Arbeiten seit
der Abfahrt von Kerguelen bis zur Rückkehr nach Kapstadt und die
Tätigkeit auf der Kerguelen-Station. — Veröffentlichungen des Instituts
für Meereskunde und des Geographischen Instituts an der Universität
Berlin. Heft V, Oktober 1903. Ernst Siegfried Mittler und Sohu,
Berlin 1903. 8° 181 S. Mit 6 Abbildungen und 3 Beilagen in Steindruck.
Die Ergebnisse auch dieses Teiles der Expedition!) werden eingehender an anderer Stelle
dieser Zeitschrift behandelt werden, so daß wir uns hier auf die Inhaltsangabe dieses Heftes
beschränken. Der erste Teil, Berieht über den äußeren Verlauf, ist bereits früher für sich ver-
öffentlicht worden.®) Er enthält den allgemeinen Bericht von Erich v. Drygalski; den Bericht
über die Rekognoszierungs-Schlittenreise nach dem Rand des Inlandeises und über die Auffindung
des Gaußberges von Richard Vahsel; den Gesundheitsbericht von Hans Gazert und den
allgemeinen Bericht über die Tätigkeit der Kerguelen-Station von Karl Luyken.
Der zweite Teil gibt die Berichte über die wissenschaftliche Tätigkeit, und zwar über die
geographischen Arbeiten von Erich v. Drygalski, den Bericht über die erdmagnetischen Arbeiten
von Friedrich Bidlingmaier, den meteorologischen Bericht von Hans Gazert, den geologischen
und chemischen Bericht von Emil Philippi, den biologischen Bericht von Ernst Vanhöffen
nnd den bakteriologischen Bericht von Hans Gazert.
Den dritten Teil stellen die technischen Berichte über Schiff, Seefahrt und Ballonaufstiege
dar; der Abschnitt über Seefahrt und Schiffsarbeiten ist von Hans Ruser, der Bericht über die
Ballonaufstiege von Albert Stehr verfaßt. Hr.
1) Die beiden ersten Berichte siehe „Ann. d, Hydr. ete,“, 1902, S. 322 und 467.
%) _Amnn. d. Hydr. ete.“. 1903. S. 414.
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