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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1903. 
des maritimen Vulkanismus, eine methodische Auslotung und Boden- 
Sondierung im näheren Umkreis der bisher durch Zufall entdeckten größten 
Meerestiefen erwünscht sei.“ 
Die Hochwassererscheinungen in den deutschen Strömen behandelte, 
unter Verarbeitung eines sehr reichhaltigen Materials, der Direktor der preußischen 
Landesanstalt für Gewässerkunde, Herr Geheimer Baurat H. Keller. In allen 
Stromläufen, außer im oberen und mittleren Laufe der Weichsel, wiegen die 
winterlichen Hochwasser vor. Die gefährlicheren Sommerhochwasser suchen 
hauptsächlich den mitteleuropäischen Osten, außer dem Weichsel- auch das 
Oder- und Donaugebiet heim. Sie werden durch übermäßige Regenfälle infolge 
einer Wetterlage veranlaßt, deren wichtigster Zug die sogenannte Hochwasser- 
depression ist. Das Überwiegen und gefährlichere Auftreten der winterlichen 
Hochwasser in Nordwestdeutschland, das außer durch Schneeschmelze auch durch 
winterliche Regen veranlaßt wird, hält der Vortragende für eine Folge größerer 
Ozeanität des dortigen Klimas. - Den Hochwasserschutz sucht er in der Richtung 
einer einheitlichen Stromregulierung, da er die Anlage von Sammelbecken in 
den hauptsächlich ausgesetzten Quellgebieten nicht wirksam genug findet. 
Die meteorologische Hochwasserprognose, die eine wirksamere Hand- 
habung dieser Staueinrichtungen begünstigt, behandelte mit besonderer Berück- 
sichtigung des letzverflossenen Jahrgangs ein zweiter Vortrag des Unter- 
zeichneten.!) Obgleich dieser Jahrgang, seit September 1902, sich monatweise 
geradezu durch Trockenheit auszeichnete, gehört er doch zu den hochwasser- 
reichen, nicht allein in Mitteleuropa, sondern in mitteleuropäischen Breiten bis 
zur pazifischen Küste Nordamerikas hin.“) Die zeitweise stark ansteigende 
Intensität der Niederschlagsbildung tritt auch in der ungewöhnlichen Größe der 
Einzelbestandteile des Niederschlags entgegen. Die wirkende Ursache ist an- 
scheinend der seit 1902 vermehrte Staubgehalt der Atmosphäre in diesen Breiten, 
hauptsächlich vulkanischen und saharischen Ursprungs. Die Niederschlagsbildung 
durch Mischung atmosphärischer Massen verschiedener Herkunft ist nach Ansicht 
des Vortragenden keineswegs thermodynamisch unmöglich, da der gebildete Nieder- 
achlag durch Herabfallen die Kondensationsschicht sofort verläßt. Diese Nieder- 
schlagsbildung kann aber durch den Staubgehalt mitwirkender Luftströmungen 
nur Förderung erfahren. Im ganzen folgt hieraus eine klimatologische Be- 
stätigung der Annahme des Vortragenden, daß die sogenannten Hochwasser- 
depressionen durch Interferenz der Ausstrahlungen von Tiefdruckgebieten ver- 
schiedenerklimatischer Herkunft, meist mediterraner und nordischer, erzeugt werden. 
In der beiden Vorträgen gemeinsamen Diskussion wurde von den 
Herren v. Nobbe und Professor Henze auf das genaue Zusammentreffen eines 
der schwersten nordwestdeutschen Hochwasser mit einem Falbschen Termin 
des Jahres 1890 hingewiesen. Herr Geheimrat Keller hielt die Frage der 
Hochwasserprognosen wegen der Vielzahl der Theorien noch nicht für spruch- 
veif. Exzellenz v. Neumayer betonte vor allem, daß von Falb eine aus- 
gearbeitete, wirkliche Theorie überhaupt niemals zur Diskussion gestellt sei. 
Erst eine solche könne zu einer kritisch begründeten Methode der Prüfung von 
meteorologischen Prognosen führen. Kine Theorie sei nur auf Grund wissen- 
schaftlich festgelegter und systematisch geordneter Erfahrungen als vorhanden 
zu betrachten. Der Unterzeichnete verlangte, daß eine auf den inneren 
Mechanismus der Vorgänge eingehende Erklärung vor der Feststellung bloßer 
Koinzidenzen unbedingt den Vorzug verdiene. Herr Professor Schmidt maß dieser 
Feststellung eine die eigentliche Untersuchung lediglich anleitende Bedeutung bei. 
Der Ozeanograph des Schwarzen Meeres, Herr Baron v. Wrangel, teilte 
eine atmosphärisch-optische Beobachtung mit, gelegentlich des am 1. September 1903 
auf dem Brocken beobachteten Sonnenaufgangs. Sie betraf die Verzerrung .des 
Sonnenbildes infolge atmosphärischer Schichtung und verdient besondere Er- 
wähnung wegen der direkten, visuellen Sichtbarkeit einer spiegelnden Grenzfläche 
der unteren Atmosphärenschicht. 
Herr Dr. A. Nippoldt sprach über die innere Natur der erdmagnetischen 
Variationen. Durch die hochempfindlichen Edlerschen Registrierapparate ist der 
Nachweis möglich gewesen, daß nicht allein im gestörten, sondern auch im normalen 
täglichen Verlauf die Variationen des Erdmagnetismus oszillatorischer Natur sind. 
I) Dieser Vortrag erscheint demnächst im „Globus“, 
2) Nach neueren Nachrichten auch bis Ostasien hin.
	        
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