Kleinere Mitteilungen,
509
Auf der Casseler Tagung standen hydrographische, auch ozeanographische
Interessen in. erster Reihe. Doch fanden die für die Nautik mehr oder weniger
wichtigen anderen Gebiete des Erdmagnetismus, der Meteorologie und der Seis-
mologie ebenfalls Berücksichtigung.
Die Erforschung der Ebbe und Flut auf hohein Meere behandelte Herr
Kapt. z. 5. a. D. A. Mensing durch Demonstration der von ihm gebauten
Präzisionsapparate. 1. Der Hochseepegel besteht aus einem Bourdonmanometer mit
30tägigem Registrierwerk. Dieser und ein Thermograph, zur Wahrung der
Temperaturkorrektionen, sind in einen Kessel eingeschlossen, dessen Inneres
durch Wegschmelzen eines Salzverschlusses. an der Unterwasserstation dem
Wasser Zutritt gewährt, soweit die eingepumpte Luft das ‚gestattet. Diese
dient als elastisches Kissen zum Schutz der eingebauten Apparate gegen über-
mäßige Stoßwirkungen des schwankenden Wasserdruckes und kann durch Ein-
pumpen, der Tiefe der Station entsprechend, verdichtet werden. Das beim Ver-
senken noch offene Innere der Bourdonrohre erhält zunächst denselben Innendruck,
wird aber nach dem Versenken automatisch gegen den übrigen Innenraum
abgeschlossen durch Quecksilber, das aus einer Kippvorrichtung in ein
System vorgelegter U-Röhren einfließt. 2. Der Stromgeschwindigkeitsmesser
ist ein Propeller mit elektrischer Registrierung. Seine Kontaktvorrichtung, die
ein Glockenzeichen auszulösen hat, ist gegen den Wasserzutritt durch eine
Metallkapsel geschützt, deren Wand nach je 100 Umdrehungen des Propellers
durch einen sich immer wieder selbst spannenden Hahn getroffen wird.
3. Der Stromrichtungsanzeiger besteht aus einer freischwingenden Kompaßrose
und einer unter ihr angebrachten Ebonitscheibe mit 64 strahlenförmig angeordneten
Kontaktstellen, deren jede infolge entsprechend gesteigerter Widerstände sich
durch bestimmte Schwächung des zur Registrierung verwandten elektrischen
Stromes kenntlich macht. Durch ein Solenoid mit beweglichem magnetischen
Kern kann die Ebonitscheibe und mit dieser die Kompaßrose auf elektrischem
Wege zur bestimmten Zeit gehoben oder gesenkt und der Kontaktstrom dem-
entsprechend geschlossen oder geöffnet werden. Der Richtungs- und der
Geschwindigkeitsmesser stehen mit einer sehr leicht drehbaren Wasserfahne in
fester Verbindung, deren Stange durch schwere Belastung in senkrechter Stellung
erhalten wird. Sie gewährleisten genaue Messungen ohne die sonst notwendigen
Repetitionen.
In der folgenden Debatte sprachen sich die anwesenden Ozeanographen
Exzellenz v. Neumayer, Baron v. Wrangel und Professor L. Weber sehr an-
erkennend über die Bestrebungen des Vortragenden aus.
Beziehungen des Meeres zum Vulkanismus behandelte ein Vortrag des
Unterzeichneten im Anschluß an eine frühere Veröffentlichung in der Wochen-
schrift „Globus“!), Die sechs bisher bekannten Stellen größter Meerestiefe
(Meeresteufen), die unter einem Drucke von 7 bis 10 km Meerwasser stehen,
scheinen infolge physikalischer Hemmung des Erstarrens wasserreicher Magmen
eine öftere Berührung der letzteren mit den Tiefenwassern zu gestatten. Jedenfalls
sind sie alle bekannt als Stellen ausgeprägten untermeerischen Vulkanismus.
In ihren Profil- und Böschungsverhältnissen erinnern sie an die Erdfälle in den
Seengründen des mitteldeutschen Zechsteingebietes, deren innige Wechsel-
beziehungen mit der Wasserzirkulation im Boden als Quell- und Versickerungs-
stellen vielfach festgestellt ist. Bisher meist nur gelegentlich erlotet, verlangen
die Meeresteufen um der Erforschung des Vulkanismus willen systematische
Auslotung und Bodensondierung. Wegen der Gefahren, die von diesen bevor-
zugten Stellen eines aktiven untermeerischen Vulkanismus der Sicherheit der
Schiffahrt zu drohen scheinen, hat diese Forderung auch. praktische Bedeutung.
Die weiteren Diskussionen, an denen sich die Herren Kapt z. S. Mensing,
Baron v. Wrangel, Professor Franz und der Vortragende beteiligten, führten
zu einer zustimmenden Resolution der Abteilung, die folgende Formulierung erhielt:
„Die Abteilung für Geophysik der 75. Versammlung Deutscher Natur-
forscher und Ärzte, 1903 in Cassel, teilt durchaus den Standpunkt, daß aus
wissenschaftlichen Gründen, besonders wegen der genaueren Erforschung
i) W. Krebs, „Flutschwankungen und die vulkanischen Ereignisse in Mittelamerika“, ein
Beitrag zur Frage der Beziehungen des Meeres zum Vulkanismus. „Globus“, Bd. 84, S. 72—74.
Braunschweig 1903,