Ann. d. Hydr. ete., XXXI. Jahrg. (1903), Heft IL.
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Taifun vom 6. bis 8, September 1902 zwischen Yokohama und Kobe,
Nach Beobachtungen des N. D. L. D. „Prinzefs Irene“, Kapt. Dannemann.
In dem meteorologischen Journal des Reichspostdampfers „Prinzefs Irene“
sind für die Reise von Yokohama nach Kobe Aufzeichnungen über eingn Taifun
enthalten, durch welchen dieses große und maschinenkräftige Schiff nicht weniger
als 29 Stunden aufgehalten worden ist. Die Eintragungen geben trotz der Kürze
in übersichtlicher Weise den Verlauf des Wetters wieder, die meteorologischen
Beobachtungen zeigen völlige Übereinstimmung mit den am Lande angestellten.
Der Taifun, in‘ welchen „Prinzefs Irene“ geriet, war der letzte einer
Gruppe von drei aufeinanderfolgenden, welche vom 1. bis zum 8. September in
diesen Gewässern auftraten.
Nach den Wetterberichten und Wetterkarten des königl. jap. Zentral-
observatoriums in Tokio entwickelte sich der erste dieser Taifune in unmittel-
barer Nähe nördlich der Insel Formosa, während. der zweite südsüdwestlich von
der Insel Kiusiu — auf etwa 26° N-Br. — entstand. Die Bildung des dritten
und letzten vollzog sich südlich von Japan.
In kurzen Pausen fand die Aufeinanderfolge derart statt, dafs die Ent-
wickelung des einen Taifuns schon vor sich ging, bevor der andere seinen Lauf
vollendete. Hinsichtlich ihres Verlaufs unterschieden sich die beiden vorher-
gehenden Stürme nicht wesentlich von dem letzten, nur führten ihre Bahnen — ent-
sprechend der westlicheren Lage ihrer vermutlichen Entstehungsorte — über westlich
vom 133. Längengrade liegende Gebiete. Wenn auch die östlich davon befindlichen
Gebiete nicht direkt unter ihrer Wirkung litten, so stehen die Vorgänge doch
in Beziehung zu den gesamten Wind- und Luftdruckverhältnissen derselben.
Während der ersten Tage des September schwankte der Barometerstand über
Japan zwischen 750 und 765 mm, und zwar wies der dem Sturmgebiet näher
liegende oder mehr ausgesetzte westliche Teil der Inseln den niedrigeren Stand
auf, Erst nach dem Passieren des zweiten Taifuns am 5. September war fast überall
auf den Hauptinseln ein beträchtliches Fallen des Barometers beobachtet worden.
Hiermit in Übereinstimmung waren die Windverhältnisse jener Tage. Es
herrschten starke östliche und südöstliche Winde in Mittel-Japan bis zum
5. September, während auf dem östlichen und westlichen Teil der Inseln wohl
anfangs östliche, vorwiegend aber südliche Winde von veränderlicher Stärke
wehten. Das Wetter ward bis zum Abbild. 1#
5. September als trübe und regnerisch,
die Temperatur als ungewöhnlich
schwankend bezeichnet.
Zwischen dem 5. und 6. Sep-
tember erschien im Stillen Ozean 80-
dann ein weit ausgedehntes Gebiet
sehr niedrigen Druckes, dessen Mittel:
punkt etwa auf 27'/a° N-Br. und
137° O-Lg. liegen mochte und welches,
sich langsam nach nördlicher Richtung
hin erweiternd, dem japanischen Fest-
Jande sich näherte. Aus diesem Gebiet
entwickelte sich der dritte Taifun.
Nach den Wetterberichten verursachte
der Vorgang ein plötzliches Steigen
desBarometers in Nord-Japan, dagegen
beständiges Fallen im Süden, außer-
dem stürmisches, regnerisches Wetter _ a
mit vorwiegend nördlichen und nord- 6.September 1902
östlichen Winden. A
Abbild. 1!) veranschaulicht den Zustand der Atmosphäre am 6. September
vormittags 6 Uhr. Westlich von Nipon befindet sich das Gebiet des in Anuf-
1) In den Abbildungen geben die Pfeile die an betreffenden Ort wehenden Winde an: sie
fiegen mit dem Winde, die Anzahl ihrer Federn verdoppelt, gibt die Windstärke nach Beau fort-
Skala. Es bedeutet ferner: @ Bewölkt, O klar, ® Regen, = Isobaren, =-=-->-- Bahn
des Cyklonenzentrums, — — —— Weg des D. „Prinzefs Irene“.
Ann. d. Hydr. ate., 1903. Heft II.