accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

500 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1903. 
die Registrierbeobachtungen zu vereinfachen und damit die Möglichkeit, 
Variometer entfernt vom Observatorium zu verwenden. Denn gerade die 
Kompliziertheit der registrierenden Magnetometer stehen ihrer weiteren Ver- 
breitung im Wege. 
Aus den Extremen erhält man die wichtigsten Daten, wie die täglichen 
Amplituden, die Tages-, Monats- und Jahresmittel und daraus wiederum die 
gäkularen Variationen, sie können daher in vielen Fällen als voller Ersatz der 
fortlaufenden Registrierungen dienen. Dagegen wird das überflüssige Ansammeln 
von Zahlenmaterial ganz vermieden. 
Die Aufstellung eines Variometers muß in einem Raume stattfinden, der 
gut vom Licht abgesperrt werden kann; ein nicht feuchter Keller genügt. Nur 
ist dabei darauf zu achten, daß in unmittelbarer Nähe keine größeren KEisen- 
massen sich befinden und auch im Laufe der Zeit nicht gebracht werden. Ebenso 
ist die Nähe von elektrischen Starkstrom-Anlagen und elektrischen Bahnen zu 
vermeiden. Die Bewegungen der Nadel werden durch eine Lichtquelle auf eine 
feststehende Platte, welche mit photographischem Papier bespannt ist, auf- 
geschrieben. Man erhält so täglich einen Strich, dessen Endpunkte das Maximum 
und Minimum der Bewegung geben, deren Werte in der gleichen Weise wie 
bei den anderen registrierenden Apparaten abgeleitet werden. Da für jeden 
Tag nur wenig Papier nötig ist, so genügt ein etwa 1 Quadratdezimeter großes 
Stück photographischen Papiers für eine ganze Woche, wenn es täglich einmal 
zu nahe der gleichen Zeit um eine kleine Strecke verschoben wird; zur gleichen 
Zeit geschieht die Erneuerung der Lichtquelle, wenn nicht Gas oder elektrisches 
Licht verwendet wird. 
Besonders für die Verfolgung der Deklinationsänderung scheint mir eine 
solche Einrichtung geeignet zu sein, einesteils weil beim Unifilar die Temperatur- 
schwankungen im Laufe des Tages wenig schädlich sind, also keine besonderen 
Ansprüche dieser Art an den Aufstellungsort gestellt werden müssen, anderer- 
seits, weil sich dessen Konstanten weniger leicht ändern als beim Bifilar oder 
gar bei der Wage. 
Es genügt in diesem Falle, wenn ein fachkundiger Beobachter in größeren 
Zwischenräumen, z. B. alle drei Monate, zur Bestimmung der Konstanten an Ort 
und Stelle käme. Während der übrigen Zeit kaun die Aufsicht von einer nur 
sonst zuverlässigen Person gehandhabt werden. Zur Ableitung des Basiswertes 
des Variometers muß dann während der Zeit der absoluten Messung der Rahmen 
mit dem photographischen Papier in kürzeren, genau notierten Zeitintervallen 
mehrmals verstellt werden. 
In Deutschland bestehen zur Zeit vollständig ausgerüstete Observatorien 
in Wilhelmshaven, Potsdam und München, wozu noch Göttingen kommen soll. 
Außerdem werden in Bochum, Clausthal, Freiburg i. S., Schneeberg i. S., Beuthen 
in Oberschlesien und in Hermsdorf bei Breslau durch die Bergwerksverwaltungen 
regelmäßig Deklinations-Beobachtungen, teilweise mit registrierenden Apparaten, 
angestellt. Die nächsten magnetischen Observatorien der Nachbarländer sind 
in Utrecht, Kopenhagen, Pawlowsk bei St. Petersburg, Pola und Paris; in Prag 
wird täglich dreimal die Deklination und die Horizontal-Intensität abgelesen. 
Man ersieht hieraus, daß die Verteilung der Beobachtungsorte sehr ungleich- 
mäßig ist; so feblt an der Ostsee jede Station. Freilich werden durch die 
Marine und durch die Seewarte an den Küsten zeitweise Kinzelbeobachtungen 
gemacht; es dürfte sich aber vielleicht empfehlen, an dem einen oder anderen 
Ort ein Maximum- und Minimum-Variometer aufzustellen. 
Aber auch an überseeischen Stationen, welche öfter von Kriegsschiffen 
angelaufen werden, kann ein solches Variometer seinen ständigen Platz finden. 
Vielleicht ließe sich auf diese Weise das von der Göttinger Akademie auf Samoa 
während der Südpolar-Expeditionen errichtete Observatorium in eine ständige 
Einrichtung überführen, wodurch eine wichtige Lücke im magnetischen Beob- 
achtungsnetz ausgefüllt wäre. Die Kontroll-Beobachtungen könnten von Zeit zu 
Zeit durch die Kriegsmarine angestellt werden, während die Bearbeitung des 
Materials am besten der Seewarte zufiele. 
München im Juli 1903, Magnetisches Observatorium.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.