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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

198 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1903, 
nicht verkennen, daß dieses nicht alles bieten kann, was für die Weiterentwickelung 
der Theorie erforderlich ist. Aus diesen Erwägungen ist auch der „Vorschlag 
zu einer magnetischen Vermessung eines ganzen Parallelkreises zur Prüfung der 
Grundlagen der Gaußschen Theorie des Erdmagnetismus“ von W. v. Bezold 
und A. Schmidt‘) entstanden, der berufen erscheint, eine besonders wichtige 
Frage der Theorie zu entscheiden. Die von Gauß entwickelte und allgemein an- 
genommene Theorie gestattet nämlich aus den wenigen und noch dazu ungleich- 
mäßig über den Erdkreis verteilten Beobachtungen den Verlauf der magnetischen 
Kräfte nach Größe und Richtung für die ganze Erdoberfläche mit einer ziemlich 
weitgehenden Genauigkeit zu berechnen, was aber nicht ausschließt, eine weitere 
Vervollkommnung anzustreben. 
Wie bekannt, beruht die Gaußsche Theorie auf der Voraussetzung, daß 
das erdmagnetische Feld ein sogenanntes Potential besitzt. Die neueren Unter- 
suchungen deuten nun teilweise darauf hin, daß neben dem erdmagnetischen 
Feld noch ein zweites, wenn auch schwächeres, vorhanden ist, das diese 
Bedingung nicht erfüllt. Während nämlich Einzeluntersuchungen, die sich auf 
begrenzte Gebiete beschränkten, eine recht befriedigende Übereinstimmung 
zwischen Theorie und Beobachtung?) ergaben, haben bei anderen Untersuchungen, 
die die ganze Erde umfaßten, systematische Abweichungen stattgefunden.?) Diese 
sind so bedeutend, daß man sie nicht wohl durch die Fehlerhaftigkeit der zu- 
grunde liegenden Beobachtungen erklären kann. Freilich ist das Auftreten 
systematischer Fehler dabei nicht ausgeschlossen, welche von der ungleich- 
mäßigen Verteilung der vorliegenden Messungen auf der Erde und von der Un- 
sicherheit der Säkular-Variationen bei der Reduktion auf eine Epoche herrühren. 
Es ist daher zur Entscheidung der vorliegenden Frage unerläßlich, ein 
gleichmäßiges einwandfreies Material zu beschaffen. Hierzu ist es nun nicht 
nötig, Beobachtungen des ganzen Erdkreises zu haben, sondern es genügt, die 
Deklination und Horizontal-Intensität eines großen geschlossenen Linienzuges zu 
bestimmen. Dafür wird der Parallelkreis auf 50° N-Br. vorgeschlagen, der zum 
größten Teil durch die Hauptkulturländer der Erde geht und in dessen Nähe eine 
große Anzahl gut verteilter magnetischer Observatorien liegen, die für die 
Reduktion der auszuführenden Messungen auf eine Normalepoche nötig sind. 
Gemäß dem Vorschlag der beiden genannten Gelehrten sind in Abständen 
von 60 bis 80 km Beobachtungen auszuführen, was einer Gesamtsumme von 
400 Stationen entspricht. Im südlichen England und nördlichen Frankreich 
beginnend, müßte man durch Norddeutschland weitergehen, so daß Moskau 
etwas südlich liegen bliebe. Bei dieser Linie könnten die magnetischen Observa- 
torien von Kew, Greenwich, Paris, Utrecht, Wilhelmshaven, Potsdam, Pawlowsk 
bei St. Petersburg und endlich Moskau als Stützpunkte dienen, während das 
außerordentlich stark gestörte Gebiet Südrußlands ganz vermieden würde. 
Von dem nördlich von Moskau gelegenen Punkte ginge es dann nach 
Asien weiter, südlich von Katharinenburg (Observatorium) vorbei nach Omsk 
und von da über Irkutsk (Observatorium) nach der Küste des Großen Ozeans 
bei Wladiwostok. 
In Amerika kämen zwei Linien in Betracht, die eine längs der kanadischen, 
die andere längs der nördlichen Pacificbahn in den Vereinigten Staaten. In 
diesem Gebiete befinden sich Observatorien in Toronto (Kanada) und in 
Washington. . 
Der Verlauf der Linie über die Meere ist durch die Endpunkte der 
Landstrecken bestimmt. 
Um die notwendige Genauigkeit zu erhalten, sind die Beobachtungs- 
methoden zur See wohl erst noch zu vervollkommnen, ein Ziel das auch aus 
anderen Gründen erstrebenswert erscheint. Aber auch an Land sind noch Er- 
gänzungen erwünscht und insbesondere wenigstens zeitweise in Asien und Amerika 
die Errichtung magnetischer Observatorien als erforderlich zu betrachten. Die 
Erstellung von zwei oder drei solcher Warten, die mit registrierenden Apparaten 
+) „Sitzungsbericht der Berliner Akademie“, Phys.-math. Kl. XXXIL 1903, S. 670. 
2) Rücker, „Terrest. Magnetism., Vol. I, 1896, S. 77. — v.Bezold, „Sitzungsbericht der 
Berliner Akademie.“ Phys.-math. Kl. XVII. 1897, S. 419 und Liznar „Met. Zeitschr.“, 1898, S. 75. 
5) A. Schmidt, „Abhdl. der bayer, Akad.“ II. Kl. XIX. Bd., 1. Abt. München 1895. — 
L. A. Bauer, „Terrestial Magnetism.“, Vol, IX, 1897, S. 11.
	        
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