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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1903.
Die neu bestimmte Lage des Ostendes der Landzunge 68° 58'A4‘ N-Br.,
54° 35‘ O-Lg. ergab, daß dieser Punkt auf der alten Karte 3'/s Sm zu weit
westlich und %4 Sm zu weit nördlich eingetragen ist. Nördlich von der neu-
errichteten Bake auf der Landzunge Russky Saworot und östlich davon bis zur
Ostspitze der .Landzunge wurden keine Bänke gefunden. Die Wassertiefe
nimmt nach der Landzunge hin, die überall steil abfällt, allmählich ab; die
5 Faden- (9,1 m) Grenze ist etwa !/2 Sm von der Küste entfernt. Die Ansteuerung
der Petschora-Mündung bietet daher nach dem Erkennen der mindestens 10 Sm
weit sichtbaren Bake auf der Landzunge keine Schwierigkeit. Man kann von
hier, nachdem man durch eine Peilung den Schiffsort bestimmt hat, nach Kurs
und Logge in das Fahrwasser zwischen den Guljajew - Bänken Nr. 3 und 4 ein-
laufen und es mit Hilfe der Baken auf diesen Bänken auf 6 bis 10 Faden
(11 bis 18 m) Tiefe gefahrlos durchsteuern. Sogar bei Nebel kann man diese
Durchfahrt ohne Schwierigkeit benutzen, wenn man vorher eine Peilung der
Bake auf der Landzunge Russky Saworot bekommen hat.
Die Witterung war während dieser Arbeiten außergewöhnlich warm. Am
8./21. Juli betrug die mittlere Wärme der Luft bei der Landzunge Russky
Saworot -} 16,5°, die des Wassers + 15°. In der Petschora-Mündung war das
Wasser noch bedeutend wärmer (19,5° bei dem Dorfe Nikitsa am 20, Juli
(2. August).
Vermessungsarbeiten in der Karischen Straße. Von der Petschora-
Mündung ging der Dampfer „Pachtusow“ am 26. Juli (8. August) nach der
Karischen Straße und setzte dort eine Vermessungsabteilung unter Kapt. Sergejew
auf der Insel Waigatsch an Land. Da in der Karischen Straße noch sehr viel
Eis vorhanden war, lief der Dampfer zurück nach der Jugor-Straße, die er
jedoch wegen des vom Karischen Meere hereintreibenden Eises ebenfalls wieder
verließ, um Vermessungen an der Nordwest-Küste von Waigatsch auszuführen. Hier
wurde bei der Untersuchung der Dyrowata-Bucht ein vor allen Winden und vor
dem Eise geschützter Ankerplatz entdeckt, der als der einzige derartige für die
Schiffahrt in dieser Gegend und besonders für Expeditionen nach Nowaja
Semlja von großer Bedeutung ist. Er wurde „Reede des Dampfers Pachtusow“
genannt und eignet sich nach dem Urteile des Kapt. Warnek besonders zum
Überwintern eines Kohlenschiffes, da vom Eise hier nichts zu befürchten ist.
Frischwasser gibt es überall am Lande in ausreichender Menge. Der Wert des
Ankerplatzes wird noch dadurch erhöht, daß seine Einfahrt nicht in der Karischen
Straße, sondern an der Eismeerseite zwischen den der Nordwest-Küste der Insel
Waigatsch vorgelagerten Inseln liegt. Auf diese Weise wird man in vielen
Fällen den Ankerplatz noch erreichen können, wenn die Karische Straße durch
Eis schon geschlossen ist. Als Ansteuerungsmarken für den Ankerplatz wurden
fünf Baken errichtet, eine größere auf einer der äußeren, und vier kleinere auf
vier der inneren Inseln, die zu beiden Seiten des nicht sehr breiten Fahrwassers
liegen. Als Leitmarke für die engste Stelle des Fahrwassers dient die Deck-
peilung zweier Steinpyramiden, die an gut sichtbaren Stellen errichtet wurden.
Mit Hilfe dieser Baken und an der Hand des von der Expedition aufgenommenen
Planes der Bucht ist der Ankerplatz ohne Schwierigkeit von jedem Schiffe zu
erreichen.
Vermessung der Küste zwischen der Jugor-Straße und dem Kara-Fluß,
Am 16./29. August ging der Dampfer nach der Jugor-Straße, um hier die Ver
messung- der Südwest-Küste des Karischen Meeres zu beginnen. Es war dies die
erste russische Vermessung an dieser Küste seit mehr als 50 Jahren und von
See aus überhaupt die erste. Durch steifen nordöstlichen Wind wurde der
Dampfer fast eine Woche in der Warnek-Bucht an der Südwest-Küste der Insel
Waigatsch zurückgehalten. Diese Bucht war im Jahre 1900 von der Expedition
aufgefunden und vermessen worden und wird seitdem von den Dampfern der
Murman-Gesellschaft auf .ihren Reisen nach der Jugor-Straße als Ankerplatz
benutzt. Ein anderer gut geschützter Ankerplatz wurde in der Bucht zwischen
dem Südende der Insel Mjestany und der Küste auf 10 bis 12 Faden (18 bis 22 m)
Wasser gefunden. Am 25. August (7. September) wurden die Vermessungs-
arbeiten im Karischen Meere wegen der vorgerückten Jahreszeit abgebrochen,
und am 30. August (13. September) trat die Expedition die Rückreise nach